Fest Herz Mariens
Heute ist ein kleines Fest, das kaum jemand kennt. Dieses ist mir jedoch ans Herz gewachsen.

Fest Herz Mariens
Heute ist ein kleines Fest, das kaum jemand kennt. Dieses ist mir jedoch ans Herz gewachsen.
Wir feiern eine Frau. So viel sei verraten. Frauen besitzen die Fähigkeit, zu lieben. Wovon wir Männer nur träumen können.
Wir drehen die Uhr 2.000 Jahre zurück und sind in Nazareth bei Freunden zu Besuch. Mit meiner Familie schlendern wir durch die Gassen des Ortes. Eine Frau kommt um die Ecke. Wir kommen mit ihr ins Gespräch. Wir stellen uns vor, und nach einer Weile fragen wir sie: Sind Sie hier daheim? Ja, wir sind hier in Nazareth daheim. Ich heiße Maria, mein Ehemann, der Zimmerer, heißt Josef. Sein Vater hieß Jakob.
Haben Sie Kinder?, will ich wissen. Ja, antwortet sie. Einen Sohn. Er ist mit meinem Mann in der Werkstatt. Er lernt seinen Beruf, er macht sich!
Wir verabschieden uns und die Frau geht ihren Weg weiter. Sie war nämlich mit einem Krug unterwegs zum Dorfbrunnen, um Wasser für ihre Familie zu holen.
Die Frau war freundlich, ihr Blick liebenswürdig und unbeschreiblich schön zugleich. So einem Menschen bin ich bislang noch nie begegnet — dachte ich. Freundlich war sie, aber zugleich Haltung bewahrend. Ich war fasziniert, und so beobachtete ich sie auf ihrem Weg zum Brunnen. Viele Frauen mit ihren Kindern begrüßten sie. Ich gewann den Eindruck, sie muss im Ort sehr beliebt sein. Ein Herz vom Menschen — müsste man sagen.
Unser Besuch bei Freunden in Nazareth war zu Ende. Mit meiner Familie kehrten wir zurück nach Kana.
Einige Jahre vergingen. Eines Tages lud mich ein Freund zu seiner Hochzeit ein. Auch meine ganze Familie war eingeladen. Es war eine von diesen typischen Hochzeiten jener Zeit, mit vielen geladenen Gästen, viel Trubel. Der Wein floss reichlich. Auch wenn der Bräutigam ein enger Freund war, saß ich etwas weit weg vom Hochzeitspaar. Auf einmal blicke ich in Richtung des Haupttisches und entdecke die Frau aus Nazareth. Sie schien mit der Bewirtung der Gäste beschäftigt zu sein. Plötzlich sah es so aus, als bräuchte sie Hilfe. Sie sprach einen Mann in den Dreißigern an. Er trug einen Bart — wie damals üblich. Er ging zu den Tischdienern und nach dem kurzen Trubel kehrte Ruhe wieder zurück. Wie ich erfuhr, war kurzzeitig der Wein ausgegangen, und wie aus dem Nichts hatten wir wieder Wein. Der war vorzüglich, sogar besser als der Erste.
Die Hochzeit war zu Ende, wir kehrten heim. Einige Wochen später erfuhr ich, was sich auf der Hochzeit zugetragen hatte, das mit dem Wein. Der Bärtige hat — so berichten einige — aus Wasser Wein gemacht. Die Bediener waren Augenzeugen. Und was hatte die Frau damit zu tun? Ganz einfach — sagten mir. Sie ist eine Verwandte des Bräutigams. Und der Bärtige ist ihr Sohn. Der Erzähler kannte noch weitere Details. Der Sohn war früher Zimmerer. Aber jetzt ist er ein Wanderprediger. Das mit dem Zimmerer passt zu meiner Begegnung mit der Dame damals in Nazareth. Dass er jetzt Wanderprediger wäre, wusste ich nicht. Das machte mich neugierig. Und so endete meine zweite Begegnung mit der Frau.
Einige Jahre später, an einem hohen Fest, besuchte ich mit meiner ganzen Familie Jerusalem. In der Stadt spürten wir eine große Unruhe. Leute schrien, einige eilten die Straßen runter. Jemand erzählte uns, dass ein Jesus von Nazareth zum Tode verurteilt worden wäre. Der Name sagte mir nichts. In Nazareth kannten wir eigentlich niemanden. Und doch. Da fiel der Groschen: die Frau, die Mutter des Zimmerers! Hatte sich die Frau nicht vorgestellt und einen Namen genannt? Doch, Maria muss sie gesagt haben.
Unsere Neugier trieb uns zur Menschenmenge. Da muss dieser Jesus sein — dachten wir. Wir liefen mit. Der Weg führte zu einem Hügel. Wir mit. Wir drängten uns durch die Menge, um die Szene zu erblicken. Drei Kreuze ragten zum wolkigen Himmel. In der Mitte sahen wir einen gemarterten Mann. Rechts und links von ihm verwahrloste Gestalten, am Kreuze hängend. Dann blickten wir nach unten, zum Fuß des Kreuzes. Und da war sie wieder, die Frau aus Nazareth. Sie weinte. Eine Gruppe umgab sie, die ihr Trost spendete. Wenn sie da ist, darf ihr Sohn nicht weit weg sein. Ich schaute auf die Drei, die in den Kreuzen hingen. Ja, in der Mitte war der Bärtige, der Wanderprediger, Jesus.
Damals in Kana habe ich ihn nur aus der Ferne gesehen. Da glänzte er. Er wirkte wie ein „Winner“. Und heute? Er sah mitgenommen aus, aber der Winner-Typ ist er geblieben. Und die Mutter? Ja, sie litt, sie weinte. Ihr Blick hat jedoch an Ausstrahlung nichts eingebüßt. Aus der Ferne spürten wir ihre Stärke, ihr Lebensvertrauen, keinen Hauch von Verzweiflung. Ihre Haltung hat mir imponiert, wie damals in Nazareth, wie auch in Kana.
In mir drängte sich nur eine Frage auf: Wer ist diese Frau? Was für ein Verbrechen muss der Sohn begangen haben, dass er so hingerichtet wird?
Erst Monate später kam uns die Lösung des Rätsels zu Ohren. Freunde aus Kana haben uns informiert. Der „Bärtige“, der Zimmerer, der Wanderprediger, ist kein Geringerer als der Messias, den unsere Väter angekündigt haben. Uns wurde berichtet, dass dieser Messias in den Himmel entschwunden war. Und die Mutter? Man erzählte uns, dass sie in Jerusalem lebt.
Lieber Leser, liebe Leserin. Anhand dieser kleinen Geschichte am Fest Herz Mariens wollte ich, dass Sie diese Frau und ihren Sohn in Ihr Herz schließen. Zeigen Sie Jesus, Maria und Josef, dass Sie sie wirklich lieben. Unser Herz darf keinen Millimeter vom Herzen Jesu, vom Herzen Mariens und vom Herzen Josef entfernt sein. Wenn Sie so etwas tun, dann garantiere ich Ihnen eine große Freude und eine unendliche Zuversicht. Ein neues Kapitel in Ihrem Leben wird heute aufgeschlagen!
Der Autor
Dr.-Ing. Karl-Maria de Molina hat Ingenieurwissenschaften, Philosophie und Theologie studiert und in Fahrzeugtechnik promoviert. Er hat Bücher über Automobiltechnik und Arbeitsmethodik geschrieben und über Arbeitskultur und Kompetenzentwicklung herausgegeben. Er hat mehrere Lehraufträge an deutschen Universitäten; er hält Seminare über Führungskräfteentwicklung; er hat mehrere Unternehmen gegründet, und innovative Produkte entwickelt und vermarktet.
Das notwendige Wissen für diese Artikelreihe hat der Autor erworben durch das Studium der Philosophie und Theologie, durch die tägliche Lektüre des Evangeliums und geistlicher Bücher; durch den täglichen Besuch der Eucharistie.
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- 2026-06-20 20:29:01