Wenn selbst Gesundheit nicht reicht: Eine Clippers-Saisonbilanz
Die Clippers sind erneut in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden. Soweit bekannt, war das letzte Mal, dass sie überhaupt eine…
Wenn selbst Gesundheit nicht reicht: Eine Clippers-Saisonbilanz

Clippers news: Kawhi Leonard out for next 3 games, not close to return
Die Clippers sind erneut in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden. Soweit bekannt, war das letzte Mal, dass sie überhaupt eine Playoffrunde gewonnen haben, im Jahr 2021. Doch dieses Mal lautete die Ausrede nicht wie sonst: „Aber Kawhi war ja nicht fit.“
Nein, diesmal war er komplett gesund, das erste Mal seit Jahren. Als Clippers-Fan hat man sich lange gewünscht, endlich einmal eine Saison mit einem gesunden Team zu erleben. In den letzten zehn Jahren war lediglich in zwei Fällen der beste Spieler am letzten Spiel der Saison überhaupt einsatzfähig. Dieser Wunsch wurde nun erfüllt: Kawhi war fit, doch am Ausgang änderte das nichts.
Und obwohl all das nach einer enttäuschenden und deprimierenden Saison klingt, war sie dennoch ein Erfolg.
Ein Team findet sich neu
Aber springen wir zurück an den Beginn der Saison: Kawhi Leonard musste seine Teilnahme an den Olympischen Spielen absagen und sich erneut einer Operation unterziehen. Wie lange er ausfallen würde, war unklar, dass er ausfällt, jedoch sicher. Paul George wechselte ersatzlos nach Philadelphia. Die Buchmacher prognostizierten den Clippers gerade einmal 32,5 Siege und sahen Sie auf Platz 13 im Westen. Doch am Ende stand eine Saison mit 50 Siegen, Platz 5 im Westen und der 14. Winning Season in Folge, die längste aktuelle Serie in der NBA.
Der eingeschlagene Weg, die Defense zu stärken und James Harden die Schlüssel der Offense zu überlassen, zahlte sich aus. Harden konnte mit 22,8 Punkten pro Spiel seinen höchsten Scoring-Output der letzten vier Jahre erzielen. Dabei hatte er eine Usage Rate von 29,3 über die gesamte Saison, der zwölftbeste Wert ligaweit. Nur LeBron James und Stephen Curry waren älter und rangierten noch vor ihm. Er war über die gesamte Saison hinweg der Anführer der Clippers, umso überraschender, dass er nur nach einem der letzten vier Spiele für die Medien verfügbar war, nach dem einzigen Sieg.
Ebenso trugen die Verpflichtung von Jeff Van Gundy, die All-Defense-würdigen Leistungen von Kris Dunn, der die 60-Spiele-Grenze nur aufgrund von elf fehlenden Minuten über neun Partien verpasste, sowie die konstante Korbpräsenz von Ivica Zubac dazu bei, dass die Clippers die drittbeste Defense der Liga stellten.
Am Ende reichen die Beine nicht
Und doch endete die Saison, wie so oft, auf hochdramatische Weise in sieben Spielen gegen die Nuggets. Eine so ausgeglichene Serie, dass beide Teams exakt gleich viele Field Goals erzielt haben, nämlich 288. Am Ende konnten die Clippers körperlich jedoch kaum noch mit den Nuggets mithalten. Kawhi ist 33, Harden 35, Batum 36 und so weiter. Nur Derrick Jones Jr. und Ivica Zubac befinden sich von den relevanten Rotationsspielern noch in ihrer physischen Prime.
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Besonders deutlich wurde dieser Unterschied im direkten Vergleich der Stars. Nikola Jokić konnte über die sieben Spiele hinweg insgesamt 15 Minuten mehr spielen als Kawhi. Das klingt auf den ersten Blick nach wenig, machte aber einen spürbaren Unterschied. Während Jokić in vier Spielen über 40 Minuten auf dem Feld stand, gelang Kawhi das nur ein einziges Mal.
Von den elf gespielten Partien zwischen den Nuggets und den Clippers in 24/25 fanden sieben in Denver statt. Die Clippers konnten davon lediglich zwei gewinnen. Inwiefern die oft zitierten Höhenmeter in Denver tatsächlich einen Einfluss hatten, lässt sich schwer sagen. Dass die Clippers dort jedoch regelmäßig zehn Jahre älter wirken als in Los Angeles, ist unübersehbar.
Ich denke dabei unweigerlich an das Spiel in Denver während der Regular Season zurück, als Waldbrände in Los Angeles die Nachrichten beherrschten und Kawhi aufgrund familiärer Umstände gar nicht mitgereist war. Hätte man dieses Spiel verschoben, wäre vielleicht das siebte Spiel der Serie in Los Angeles ausgetragen worden. Wer hätte dann gewonnen?
Kawhi allein reicht nicht mehr
Vor allem der Durchbruch von Ivica Zubac bleibt mir in Erinnerung. Nach jahrelangen Bitten, schon in der Bubble war klar, dass Zubac zu wenig gespielt hat anstelle von Harrell. Bekam er endlich mehr Minuten, mehr Touches und schaffte es damit auf Platz zwei im MIP-Ranking. Er hat sich damit einen ernstzunehmenden Platz im Gespräch um die Top 30 Spieler der Liga verdient. Dass Big Zu in den nächsten drei Jahren knapp 58 Millionen Dollar verdient, ist nicht nur das wertvollste Asset der Clippers, sondern möglicherweise auch einer der besten Verträge der gesamten Liga.
Auch der raketenhafte Aufstieg von Norman Powell mit seinem „Addition by Subtraction“-Mantra half den Clippers, die Kawhi-lose Zeit zu überstehen. Über die ersten 40 Spiele legte er im Schnitt 24,1 Punkte bei einem True Shooting von 64 % auf, eine teamverändernde Leistung. Kein Wunder also, dass die Clippers bei einem Record von 11:11 standen, wenn Norm nicht mitwirkte. Natürlich war er nach seiner Verletzung über den All-Star-Break und der Rückkehr Kawhis nicht mehr derselbe. Aber mit 31 Jahren und mehreren Jahren als Sixth Man auf dem Buckel einen derart konstanten Scoring-Output zu liefern und damit zumindest zeitweise den Ausfall von PG offensiv abzufedern, verdient höchsten Respekt.
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In den Playoffs zeigte sich dann allerdings auch die Kehrseite: Spieler, die stark von einem einzigen Skill abhängig sind, können schnell negativ auffallen. So mangelte es den Clippers unter anderem an Rebounding und sekundärem Ballhandling, beides Bereiche, in denen Powell unterdurchschnittlich ist. Nicht ohne Grund sagte Mike Malone “Specialists don’t play in the playoffs”. Auch das gehört zur Wahrheit.
Ebenfalls haben die Clippers endlich eine Antwort darauf bekommen, wie weit man kommt, wenn Kawhi Leonard in den Playoffs fit bleibt. Seine Counting Stats lesen sich gut: 25 Punkte, 7,6 Rebounds und 4,7 Assists bei einer True Shooting Percentage von 63. Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Zahlen sehen besser aus, als es am Ende wirklich war. Die Frage, ob Kawhi ein mittelmäßiges Team noch immer alleine durch eine Playoffrunde oder sogar bis zum Titel tragen kann, lässt sich nun mit Nein beantworten. Das ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass er mittlerweile weit über 30 ist und zuletzt 2020 gesund in eine Offseason gegangen ist. Und trotzdem ist es eine wichtige Erkenntnis.
Mehr als ein Ausscheiden
Wir sprechen hier nicht mehr über ein Team, dessen Ziel es ist, den ersten Titel der Franchise-Geschichte zu gewinnen, sondern eines, das die Playoffs erreichen und wettbewerbsfähig sein will. Und genau das wurde mit Bravour geschafft. Natürlich ärgere ich mich darüber, dass die Clippers in einer extrem engen Serie ausgeschieden sind. Natürlich ärgere ich mich über den Gamewinner von Gordon. Natürlich ärgere ich mich über, naja, egal.
Aber wäre es wirklich weniger frustrierend gewesen, wenn man in fünf Spielen sang- und klanglos gegen die Thunder verloren hätte? Wer weiß das schon. In zwei Jahren wird man auf diese Saison sehr positiv zurückblicken. Auf tolle Momente wie die Eröffnung der beeindruckenden neuen Arena, auf Hardens 50 Burger gegen die Pistons oder auf die Szene, in der die Wall zu Spiel 7 einfliegt.
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Denn am Ende darf nicht nur das Team von einer erfolgreichen Saison sprechen, das das letzte Spiel gewinnt, sondern eben auch jenes, das aus 32,5 Siegen 50 macht.
메타데이터
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- 2026-07-19 23:03:27