Ich nutze KI. Und es ist mir überhaupt nicht peinlich.
“Das ist doch KI.”

Ich nutze KI. Und es ist mir überhaupt nicht peinlich.
“Das ist doch KI.”
Diesen Satz liest man inzwischen erstaunlich oft. Meist ist er gar nicht als Kompliment gemeint. Er soll ausdrücken, dass ein Text oder Video irgendwie unecht wirkt. Austauschbar. Beliebig. Unglaubwürdig.
Und ehrlich gesagt kenne ich dieses Gefühl selbst.
Ich scrolle manchmal durch Videos, die ein interessantes Thema haben. Spannende Geschichte und schöne Bilder.
Dann merke ich, dass nichts davon echt ist.
Diese Szene hat nie stattgefunden.
Diese Menschen oder Tiere existieren nicht.
Diese Geschichte wurde nie erlebt, es sind nichtmal Schauspieler.
Ich klicke weiter.
Vielleicht ist das Video nicht einmal schlecht. Aber es ist künstlich. Unwirklich. Unangenehm.
Genau deshalb finde ich die Diskussion über künstliche Intelligenz so spannend.
Denn ich nutze KI selbst. Sehr gerne sogar.
Und nein, das ist mir überhaupt nicht peinlich.
Das Problem beginnt dort, wo sie den Menschen ersetzt, statt ihn zu unterstützen.
Natürlich kenne ich auch die Bedenken.
Viele Menschen haben Angst, dass KI uns überwacht, Arbeitsplätze ersetzt oder irgendwann selbst die Kontrolle übernimmt. Andere sorgen sich um Datenschutz, Urheberrechte oder darum, dass menschliche Kreativität an Bedeutung verliert.
Ich kann viele dieser Sorgen nachvollziehen. Tatsächlich könnte ich allein darüber wahrscheinlich einen zweiten Artikel schreiben, denn hinter jeder dieser Fragen steckt ein komplexes Thema.
Trotzdem benutze ich KI.
Und zwar aus einem einfachen Grund: Ich glaube nicht, dass wir Werkzeuge danach beurteilen sollten, ob sie missbraucht werden können. Fast jedes Werkzeug kann das.
Entscheidend ist für mich vielmehr, wie wir selbst damit umgehen.
Ob wir damit Fähigkeiten aufbauen oder verlernen.
Ob wir damit verstehen oder nur kopieren.
Ob wir damit etwas Echtes erschaffen oder lediglich den Anschein davon.
Ich arbeite regelmäßig mit ChatGPT, Claude, Gemini und Consensus. Eine Zeit lang habe ich auch Mia ausprobiert. Jede dieser KIs kann etwas anderes besonders gut.
Trotzdem würde ich keine von ihnen gegen meine eigenen Erfahrungen eintauschen.
Keine KI ist mit mir nach Costa Rica ausgewandert.
Keine hat morgens Kühe gemolken.
Keine hat einen Schweinestall gebaut.
Keine hat erlebt, wie sich eine traumatisierte Schafmutter über Monate langsam zu einem zutraulichen Tier entwickelt hat.
Diese Geschichten gehören mir.
Die KI hilft mir lediglich dabei, sie besser zu erzählen.
Für mich ist künstliche Intelligenz in erster Linie ein Werkzeug.
Und genau deshalb frage ich mich bei KI dieselbe Frage wie bei jedem anderen Werkzeug:
Wofür benutze ich sie?
Ich benutze sie nicht, damit sie für mich denkt.
Ich benutze sie, damit ich besser denken kann.
Mit ihrer Hilfe habe ich DaVinci Resolve gelernt, CapCut besser verstanden und technische Probleme gelöst, an denen ich früher stundenlang gesessen hätte.
Ich habe Pflanzpläne entwickelt, mich mit biologischer Düngung beschäftigt, wissenschaftliche Studien besser eingeordnet und neue Techniken für meinen YouTube-Kanal entdeckt.
Ich habe gelernt.
Das ist für mich der entscheidende Punkt.
Genau dort sehe ich nämlich auch die Grenze.
Wenn ein junger Programmierer nicht mehr selbst programmiert und nur noch die KI coden lässt, verliert er irgendwann die Fähigkeit zu verstehen, was er eigentlich tut.
Wenn ein Schüler jeden Aufsatz vollständig schreiben lässt, lernt er nie, seine Gedanken selbst zu formulieren.
Wenn eine KI täuschend echte Videos erzeugt, die Ereignisse zeigen, die niemals stattgefunden haben, entsteht etwas, das ich sehr problematisch finde.
Das Problem ist nicht, dass KI benutzt wurde, sondern, wie und für was. Weil Verstehen verschwindet, und Vertrauen verloren geht.
Für mich darf KI keine Fähigkeiten ersetzen, sie muss sie erweitern.
Auch bei Bildern sehe ich das ähnlich.
Ich male selbst gern.
Ich würde sogar sagen, dass ich Talent habe. Für eine klassische Künstlerlaufbahn fehlt mir allerdings Ausbildung, Erfahrung und vor allem Zeit.
Wenn ich für jeden Medium-Artikel erst ein Gemälde malen würde, käme vermutlich kaum noch ein Artikel online.
Deshalb nutze ich manchmal KI, um genau das Bild zu erzeugen, das ich im Kopf habe.
Die Alternative wäre meistens kein handgemaltes Kunstwerk.
Die Alternative wäre ein beliebiges Stockfoto.
Für mich erfüllt das Bild in diesem Moment eine Aufgabe. Es begleitet den Text. Es erzählt eine Stimmung. Es soll ja keine jahrhundertealte Maltradition ersetzen.
Ein Ölgemälde und eine Illustration für einen Blogartikel haben einfach unterschiedliche Aufgaben.
Während ich diesen Artikel schreibe, fällt mir auf, dass es eigentlich gar nicht nur um KI geht.
Es geht um Werkzeuge.
Auswandern zum Beispiel war für mich ebenfalls ein Werkzeug.
Ich bin nicht ausgewandert, weil ich Flugreisen liebe oder Formulare so spannend finde.
Ich wollte ein anderes Leben.
Die Auswanderung war der Weg dorthin.
Aber das selbe Werkzeug, eine Auswanderung, kann nicht für jeden Menschen automatisch ein tolles, erfülltes neues Leben garantieren. Nicht jeder, der auswandert, ist hinterher automatisch glücklich.
Geld ist auch ein Werkzeug. Es kann sinnvoll oder auch vernichtend eingesetzt werden.
Ein Traktor ist ein Werkzeug.
Ein Computer ist ein Werkzeug.
KI ist ebenfalls ein Werkzeug.
Werkzeuge sollte man nicht danach beurteilen, ob sie alt oder neu sind.
Man sollte sich fragen, ob sie einen dem eigenen Ziel näherbringen.
Und ob sie dabei Fähigkeiten fördern oder verkümmern lassen.
Vielleicht ist das die eigentliche Frage unserer Zeit.
Nicht:
“Benutzt du KI?”
Sondern:
“Wie und wofür benutzt du sie?”
Denn genau darin liegt für mich der Unterschied.
Ich möchte nicht weniger können als früher. Ich möchte mehr verstehen.
Genau deshalb interessiert mich auch deine Sicht.
Wie nutzt du KI?
Wo hilft sie dir weiter und wo ziehst du bewusst Grenzen?
Schreib es gern in die Kommentare.
Denn ich bin ziemlich sicher, dass ich KI heute noch längst nicht so gut nutze, wie ich es in ein paar Jahren tun werde.
Immer wieder entdecke ich neue Möglichkeiten, neue Arbeitsweisen. Neue Fragen, die ich mir vorher gar nicht gestellt hätte.
Ich lerne mit jeder Woche dazu.
Genau wie bei jedem anderen Werkzeug.
Wenn mir künstliche Intelligenz dabei hilft, dann benutze ich sie mit Freude.
Offen.
Bewusst.
Und ganz sicher ohne schlechtes Gewissen.
Ich schreibe hier über Auswandern, Selbstversorgung, Freiheit, Landwirtschaft und manchmal auch über künstliche Intelligenz. Eigentlich geht es aber immer um dieselbe Frage: Wie gestalten wir unser Leben bewusst, statt es einfach geschehen zu lassen?
Wenn dich genau diese Gedanken interessieren, freue ich mich, wenn wir uns auch im nächsten Artikel wieder begegnen.
Vielleicht interessiert dich auch mein Youtube-Kanal: www.Youtube.com/@fincabogamino
메타데이터
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- 2026-08-08 01:03:04