Mentoring beginnt für mich beim Gründer
Gestern war ich seit Langem mal wieder bei einem Mentoring vor Ort, beim CyberForum. Und ich liebe diese Vor-Ort-Termine einfach.
Mentoring beginnt für mich beim Gründer
Gestern war ich seit Langem mal wieder bei einem Mentoring vor Ort, beim CyberForum. Und ich liebe diese Vor-Ort-Termine einfach.

Mentoring in angenehmer Atmosphäre.
Ich merke jedes Mal, wie groß der Unterschied ist, ob man mit Gründerinnen und Gründern live spricht oder online. Vor Ort kann man eine Person einfach anders wahrnehmen. Man interagiert direkter, versteht Zwischentöne besser und bekommt ein viel klareres Gefühl dafür, wie jemand gerade denkt, wo er steht und was ihn bewegt. Online entstehen dagegen oft komische Pausen oder Situationen, die man nicht richtig interpretieren kann. Genau deshalb war es für mich wieder sehr bereichernd, dort zu sein und Impulse geben zu dürfen.
Warum ich darüber so viel nachdenke
Ich habe danach recht lange über das Thema Mentoring nachgedacht, weil die Gründungen so unglaublich unterschiedlich sind. Gleichzeitig sieht man auch, wie unterschiedlich Mentoren auf diese Gründungen schauen.
Für mich persönlich geht es beim Mentoring natürlich auch darum, dass eine Firma überleben kann, wachsen kann und sich langfristig etablieren kann. Die Grundvoraussetzung dafür ist aus meiner Sicht aber, dass der Gründer überhaupt Lust auf das hat, was er tut, und sich nicht dazu zwingt, etwas zu machen, das eigentlich nicht zu ihm passt.
Genau deshalb ist für mich die Perspektive des Gründers so wichtig. Seine Ist-Situation, sein Blick auf das Unternehmen, seine Motivation und seine Haltung sind aus meiner Sicht der Ausgangspunkt. Von dort aus sollten Entscheidungen getroffen werden, die dazu führen, dass das Unternehmen wachsen kann. Ich rede dabei gar nicht von Hyperwachstum. Ich meine eher, dass sich ein Unternehmen langsam und sicher in einem Markt etablieren kann.
Die Perspektive des Gründers
Vielleicht ist das für manche eine eher ungewöhnliche Sichtweise, gerade wenn man ständig in die USA schaut und sieht, wie viele Milliarden in sehr kleine Firmen investiert werden, die dann in kürzester Zeit riesig werden. Für mich braucht es hier aber einen Perspektivwechsel. Ich finde, man sollte beim Mentoring zuerst auf den Gründer schauen.
Wenn man ein Start-up vor allem als GmbH, UG oder Einzelunternehmen betrachtet und aus dieser Sicht oder direkt aus Marktsicht darauf schaut, dann entstehen oft relativ allgemeine Tipps. Dann geht es um Fragen wie: Wie groß ist der Markt? Welche Schnittmengen gibt es zwischen Produkt und Markt? Wie kann man das Produkt weiterentwickeln? Wie kann man es günstiger machen? Wie kann man die Marge verbessern? Welche Expertise fehlt noch?
Diese Fragen sind wichtig. Aber für mich bewegt man sich damit schon sehr stark in Richtung Beratung.
Wo für mich Mentoring anfängt
Beim Mentoring sollte für mich der Gründer im Mittelpunkt stehen. Wie geht es ihm gerade? Wo hat er Reibung? Was braucht er zusätzlich? Was muss er noch lernen? Wo kann ich ihm Hinweise geben, welche Fehler er als Gründer besser vermeiden sollte? Wie spreche ich mit ihm so, dass es für ihn wirklich hilfreich ist?
Dazu gehören für mich auch ganz grundsätzliche Fragen. Hat der Gründer überhaupt Lust darauf, dass in ihn investiert wird? Möchte er schnell wachsen oder langsam wachsen? Möchte er bootstrappen? Möchte er die Firma vielleicht irgendwann vererben? Möchte er sie nach fünf Jahren verkaufen?
Gerade bei jungen Start-ups sind das für mich zentrale Punkte. In dieser Phase gibt es oft einen Gründer oder zwei, manchmal drei oder vier. Vieles ist noch offen. Die Richtung ist vielleicht schon da, aber vielen ist noch gar nicht vollständig klar, worauf sie sich da eigentlich eingelassen haben. Sie wissen, was sie machen wollen. Viele Entscheidungen, die später sehr viel ausmachen, sind in diesem Moment aber noch nicht sauber durchdacht.
Markt, Reibung und Kundenschmerz
Natürlich gibt es im Mentoring auch Gespräche, bei denen der Fokus stärker auf dem Markt liegt. Dann ist diese Perspektive ebenfalls wichtig. Dann geht es darum, in welchen Markt man zuerst geht, wo man die wenigste Reibung hat, wo der Kunde den größten Schmerz verspürt und wo man für eine Dienstleistung oder ein Produkt direkt Geld verlangen kann, ohne lange erklären zu müssen, warum es relevant ist.
Auch diese Fragen haben ihren Platz. Gerade dann, wenn ein Gründer sich stärker an Markt und Positionierung ausrichten will.
Wachstum muss zum Gründer passen
Was ich persönlich nicht sinnvoll finde, ist der Versuch, Gründer in einen Weg hineinzudrücken. Ich finde nicht, dass man pauschal sagen sollte: Du musst jetzt investieren. Du musst jetzt wachsen. Du musst diesen Weg gehen. Ich sehe das nicht so.
Vielleicht bin ich damit auch relativ allein, aber für mich spricht genau das auch für einen guten und stabilen Mittelstand in Deutschland. Es gibt viele Unternehmen, die seit Jahrzehnten bestehen, langsam gewachsen sind, in eine Nische hineingewachsen sind, sich dort spezialisiert haben und sich von dort aus weiterentwickelt haben. Ich finde das völlig fein.
Der Blick auf Unicorns, Hyperscaler und Milliardenbewertungen kann hilfreich sein, wenn man harte Impulse setzen möchte. Aber längst nicht jeder Gründer will das. Solche Firmen wachsen schnell und häufig auch auf eine Weise, die unpersönlicher, abstrakter und weniger direkt ist. Der Kontakt zu Mitarbeitenden verändert sich. Die Dynamik verändert sich. Das passt einfach nicht zu jedem.
Was für mich ein guter Mentor mitbringen sollte
Für mich gehört es deshalb beim Mentoring dazu, sich wirklich zu fragen: Was will dieser Gründer eigentlich? Wie kann ich ihm individuell am besten helfen? Welche Impulse passen zu seiner Person, zu seiner Situation und zu seinem Ziel?
Ich finde andere Sichtweisen trotzdem völlig legitim. Es gibt Mentoren, die sehr stark aus Markt- und Wachstumsperspektive arbeiten. Das kann für bestimmte Gründer genau richtig sein. Ich kenne auch Mentoren, die sehr stark auf regulatorische Themen schauen. Gerade bei Energie-Start-ups ist das aus meiner Sicht extrem hilfreich, weil man dort oft früh klären kann, was überhaupt erlaubt ist und welche Zertifizierungen oder regulatorischen Anforderungen auf einen zukommen.
Auch das ist wichtig und kann enorm wertvoll sein.
Warum ich diese Termine so mag
Mir macht das Ganze immer wieder einen Heidenspaß. Ich nehme unglaublich viel daraus mit. Schon jetzt merke ich wieder, dass mich das so beschäftigt hat, dass ich direkt eine Sprachnachricht aufgenommen habe, um daraus einen Blogbeitrag zu machen.
Ich bin vor Ort, wenn es irgendwie geht, immer gern dabei. Ich mag schon die Phase am Anfang, wenn alle zusammenkommen, wenn man sich ein bisschen unterhält und neue Einblicke von anderen Firmen oder anderen Gründern bekommt. Das eigentliche Mentoring dauert pro Start-up ungefähr eine Stunde, und danach gibt es meistens noch ein kurzes Networking, bei dem man sich im lockeren Austausch noch einmal über ganz andere Themen unterhalten kann.
Auch das gehört für mich dazu.
Mein Blick auf Mentoring
So sehe ich Mentoring. Für mich beginnt es beim Gründer. Seine Perspektive ist der Ausgangspunkt. Seine Fragen, seine Reibung, seine Motivation und seine Vorstellungen vom Wachstum sollten ernst genommen werden.
Mich würde interessieren, wie ihr das seht. Sollte man beim Mentoring stärker auf den Gründer eingehen? Oder sollte man eher harte Impulse geben?
Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen.
Euer Silas
메타데이터
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- 2026-08-07 21:06:54