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Der Gedanke an den Tod

Nadia liest — es ist schon spät –, aus Schopenhauer, Seite zweiundzwanzig, wo er vom dumpfen Leben red’t, vom Alltag, eng und unerfreulich.

Peter Siegfried Krug · 2026-05-09 07:06 · 0 claps · 1.4 min read
#tod #schopenhauer
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Der Gedanke an den Tod

Nadia liest — es ist schon spät –, aus Schopenhauer, Seite zweiundzwanzig, wo er vom dumpfen Leben red’t, vom Alltag, eng und unerfreulich.

Er schreibt, dass viele Menschen nur in Kleinlichkeiten sich verlieren, dass ihr Bestreben, ihre Spur sich stets um Wohl und Sorgen drehen.

Und fällt die Arbeit plötzlich fort, die sie in Atem hält und bindet, so stürzt ihr Geist an jenen Ort, wo Langeweile sie empfindet.

Nur Leidenschaft, so sagt er dann, kann Feuer in die Masse bringen, ein wildes, ungezähmtes Bann, das kurz die dumpfen Stunden schwingen.

Er preist die Muße, still und rein, als höchstes Gut, das man besitzt, doch nur, wenn man im Innern sein die Kraft zur Geistesarbeit stützt.

Doch Schopenhauer sagt zugleich: Der „normale Mensch“ sei angewiesen auf äuß’re Dinge — arm und reich –, auf Rang, Besitz, auf Liebeswiesen.

Und fällt dies alles ihm einmal, so fällt sein Lebensglück in Stücke, sein Schwerpunkt liegt im Außen, schal, und bricht, wenn’s Schicksal ihn entrücke.

Drum kauft er Häuser, Pferde, Feste, reist, sucht Zerstreuung, Luxus, Glanz, weil er im Außen sucht das Beste, und innen bleibt ein leerer Kranz.

Daneben stellt er einen Mann, der etwas mehr an Geist besitzt, der Kunst betreibt, so gut er kann, der Wissenschaften still durchblitzt.

Doch Dilettant bleibt Dilettant, und Wissenschaft bleibt nur die Form, sie füllt nicht ganz des Menschen Rand, sie wärmt nicht tief, sie bleibt nur Norm.

Erst wer im Innern Reichtum trägt, der braucht von außen wenig mehr, sein Geist ist’s, der die Welt bewegt, sein Denken macht die Räume schwer.

Wahrer Reichtum“, sagt er klar, „ist nur der innre Reichtum, Seele.“ Und Glück besteht — wie’s immer war — in Muße, die nicht laut sich quäle.

Sokrates pries sie als Besitz, den schönsten, den ein Mensch nur habe, und Schopenhauer setzt den Sitz des Glücks in diese stille Gabe.

Ein Satz von Van Gogh blieb mir klar: „Um in der Welt zu wirken, muss man sich selbst absterben“ — wunderbar, ein harter Satz, ein tiefer Fluss.

Der Mensch sei nicht auf Erden bloß, um glücklich oder brav zu sein, er sei hier, groß zu wirken…


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2026-06-13 16:00:06