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Alle Jahre wieder. Oder auch nicht.

Ho ho ho-ly shit. Es ist schon wieder passiert. Ich hab ein besonderes Talent: Die letzten Jahre vergesse ich grundsätzlich, dass…

Carina Kludas · 2025-12-12 21:58 · 0 claps · 3.7 min read
#weihnachten #familie #stress #ruhe #self-care
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Alle Jahre wieder. Oder auch nicht.

Ho ho ho-ly shit. Es ist schon wieder passiert. Ich hab ein besonderes Talent: Die letzten Jahre vergesse ich grundsätzlich, dass Weihnachten ja irgendwann vor der Tür steht.

Oder formulieren wir es anders: Ich hab es so lange auf dem Radar, aber nicht auf meiner To-do-Liste, bis wir in der Weihnachtszeit angekommen sind. Dann sehe ich zwar überall die bunten Lichter und den Weihnachtsmarkt — aber der Fakt, dass drei Wochen später auch tatsächlich Weihnachten IST, der hat sich magischer Weise aus meinem Gedächtnis verzogen.

Meine Wohnung sieht aus, als hätte sie eine restriktive Null-Deko-Politik. Kein Baum. Kein Licht. Kein Glitzer. Und dann kommt meine Schwester, die in der Familien-WhatsApp-Gruppe schreibt: “Wissen wir eigentlich schon was Genaueres wegen Weihnachten?” Wait a second… Da war was.

Workaholic Mode: activated

Ja, die letzten Wochen des Jahres tauche ich tatsächlich immer etwas ab. Nicht, um Weihnachten zu meiden (auch wenn ich finde, dass viele Menschen da draußen gefühlt ihr Gehirn abgeben, sobald der Weihnachtsmarkt öffnet). Vielmehr, weil das Jahresende im Agenturgeschäft immer etwas… abenteuerlich ist.

Projekte, die noch finalisiert oder live gestellt werden wollen. Kunden, die dringend noch “Kleinigkeiten” ausgearbeitet bekommen wollen. Nichts Neues, nichts Unerwartetes. Aber schon jedes Mal ein kleiner Kraftakt.

Auf jeden Fall bestanden die letzten Wochen aus sehr viel Arbeit und sehr wenig Weihnachtsstimmung.

Oh, du Fröhliche…

Jetzt bin ich ja per Werkseinstellung ein Mensch, der viel Ruhe braucht, um vom Stress wieder abzuschalten und daher habe ich die letzten Jahre immer versucht, die Weihnachtstage so weit es geht zu entzerren und so stressfrei wie möglich zu machen. Es mag egoistisch klingen, aber Weihnachten hat drei Tage und als Scheidungsfamilie mit Kind hast du mehr als drei Parteien, die über die Feiertage zufriedengestellt werden wollen. Irgendwer fällt immer hintenrüber. Machste nix. Murphys Gesetz.

Mein Credo zu Weihnachten war immer: So wenig Stress wie möglich und vereinfachen, was geht. Glaubt mir, wenn man nicht die Kapazität hat, große Festlichkeiten zu veranstalten, lernt man so einige Tipps und Tricks. Und das ist auch absolut gut so! Niemand hat dir vorzuschreiben, wie du deine Weihnachtstage zu gestalten hast, nur damit andere zufrieden sind. Punkt.

Mein idealer Weihnachtstag (wenn ich ihn planen dürfte)

Wenn ich Weihnachten für mich planen dürfte, würde es so aussehen:

Morgens aufstehen. Kaffee. Pyjama. Kuscheldecke. Der Weihnachtsbaum steht da, die Wohnung ist hübsch geschmückt, und ich sitze einfach nur da und tue… nichts.

Kaminvideo auf YouTube, weil ich keinen Kamin habe. Aber das ist egal. Das Video macht ja eh alles: Geräuschkulisse, Flackern, Illusion von Frieden.

Und dann nachmittags: ganz gemütlich mit dem Taxi zu meiner Schwester. Dort feiern wir im kleinen Kreis: mein Papa, meine Schwester, ihr Freund, Aaron und ich. Ohne Zirkus, ohne Großprogramm, ohne „wir müssen aber um Punkt 18 Uhr anfangen, weil der Braten…“.

Am besten mit Raclette. Raclette ist die kulinarische Version von „jeder ist für sich verantwortlich“. Keiner muss stundenlang in der Küche stehen. Keiner muss ein Menü durchziehen, während der eigene Puls die Weihnachtsmusik übertönt. Man isst, wann man will, wie lange man will, und wenn man irgendwann nicht mehr kann, ist es gesellschaftlich völlig akzeptiert, einfach kurz apathisch auf dem Sofa zu sitzen.

Und abends fahre ich wieder nach Hause. Erschöpft, ja. Aber nicht zerstört.

Die Sache mit meiner Schwester und der Küche

Jetzt kommt allerdings das Problem: Meine Schwester macht Weihnachten gern… richtig.

Das heißt: Sie verbringt einen großen Teil des Tages in der Küche. Mit zu vielen Töpfen, zu vielen Plänen und zu wenig Pause. Sie ist gestresst, weil sie alles gleichzeitig schön machen will. Und weil Weihnachten ja auch „besonders“ sein muss.

Ich schlage seit Jahren Raclette vor. Jedes Jahr.

Und jedes Jahr wird mein Vorschlag behandelt wie ein schlechter Witz. Dabei ist Raclette nicht faul. Raclette ist klug. Raclette ist friedensstiftend. Raclette ist ein Feiertagskonzept für Menschen, die Weihnachten erleben wollen, ohne dafür eine Woche Urlaub zur Regeneration einzuplanen.

Und dann ist da noch diese leise Wehmut

Dieses Jahr kommt noch etwas dazu, das ich nicht so richtig elegant wegwitzeln kann:

Es könnte das letzte Weihnachten sein, an dem Aaron wirklich bei mir wohnt. Nicht „zu Besuch kommt“. Sondern hier ist. Zuhause. Bei mir.

Und irgendwie macht das alles ein bisschen schwerer.

Ich habe dieses Jahr bei „Polarexpress“ geheult. Ja. Ich weiß. Das ist ein Kinderfilm. Ich habe trotzdem geheult, als hätte mir jemand eine ganze Erinnerungskiste vor die Füße gekippt.

Das ist wahrscheinlich mit ein Grund, warum ich gerade keine Weihnachtsstimmung habe. Nicht, weil ich Weihnachten nicht mag. Sondern weil es sich dieses Jahr anfühlt wie ein Abschied in Raten, der sich als Feiertag verkleidet hat.

Ein bisschen Selbstschutz gehört auch zum Fest

Wenn ich dieses Jahr eine Sache sagen dürfte, dann die:

Niemand hat das Recht, über dein Weihnachten zu bestimmen. Niemand darf dir ein schlechtes Gewissen machen, weil du es ruhig willst. Oder klein. Oder anders.

Feiertage sind nicht dazu da, dass man sich noch einmal extra beweist, wie belastbar man ist. Sie sind nicht dazu da, dass man Erwartungen erfüllt, nur weil es „traditionell“ ist.

Sie sind dazu da, dass man am Ende eines Jahres kurz Luft holt. Runterkommt. Ein bisschen weicher wird. Bevor die Jahresuhr in die nächste Runde geht und man wieder so tut, als hätte man alles im Griff.

Und wenn dein Weihnachten dafür eher nach Decke, Kaffee und weniger Menschen riecht… dann ist das kein Fehler. Dann ist das vermutlich die gesündeste Entscheidung, die du dir in dieser Jahreszeit überhaupt erlauben kannst.


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