Angststörung
Auf Schritt und Tritt verfolgt von deiner Ohnmacht - eine Kurzgeschichte
Eine Kurzgeschichte gegen Stigmatisierung und Diskriminierung von psychischen Erkrankungen.

Triggerwarnung: Es werden teilweise sensible und sehr emotionale Themen angesprochen. Bitte lies diese Geschichte nur, wenn du dich stabil genug fühlst.
Das Gefühl Angst kennt jeder und wir sind oftmals froh, wenn es vorbei ist. Doch niemand versteht, wie es sich anfühlen muss, wenn dieses Gefühl das ganze Leben bestimmt. Man trifft auf sehr viel Unverständnis und wird sogar belächelt. Ich kann nicht verstehen, was genau an einer Angststörung lustig ist.
Etwa die Verzweiflung? Oder vielleicht die Erschöpfung? Was ist es?
Mich begleitet meine Angst seit vielen Jahren. Ein Leben ohne sie erscheint mir unvorstellbar. Sie begleitet mich bei jedem Schritt, jeder Entscheidung und weicht niemals von meiner Seite. Ob Tag oder Nacht, du wirst mich immer in ihrer Gesellschaft sehen. Wir sind unzertrennlich. Eigentlich klingt es nach einer perfekten Freundschaft. Doch der Schein trügt...
Alles, was sie tut, ist mich genauestens zu kontrollieren. Meine Angst möchte mich schützen, doch dabei ist sie so überempfindlich, dass kleinste Situationen ihren Beschützerinstinkt auslösen. Dann packt sie mich, schüttelt mich, schreit und schlägt auf mich ein, um mich zur Vernunft zu bringen. Sie belehrt mich vorsichtiger zu sein.
Doch wo genau liegt die Grenze zwischen Vorsicht und Paranoia?
Ich bin immer einen Schritt von der nächsten Katastrophe entfernt. Während ich noch über meine Füße stolpere, ist die Angst schon fünf Schritte voraus. Sie wird schnell panisch, deswegen sucht sie Sicherheit in festen Routinen und hält stets Ausschau nach neuen Gefahren. Eigentlich sehr aufmerksam und lieb von ihr, dass sie gut auf mich aufpasst, oder?
Sobald eine Gefahr in Sichtweite ist, wird die Angst ganz angespannt. Meist greift sie nach meinem Arm und rennt vor der Gefahr davon. Sie rennt so schnell, dass ich kaum mithalten kann. Sie bringt mich zu Fall und zerrt mich dann weiter. Keine Rücksicht auf Verluste. Hauptsache weg von der Gefahr!
Doch manchmal kann mich die Angst nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen, da ich nicht schnell genug bin, und ich muss der Gefahr direkt ins Auge blicken. Die Angst wird ganz panisch und verliert am Ende jegliche Beherrschung. Sie wird unvorstellbar wütend, wenn sie wegen mir mit der Gefahr konfrontiert werden muss. Mit ihren starken Armen greift sie nach mir und legt ihre Hände an meinen Hals. Sie zögert nicht eine Sekunde und drückt zu, sodass mir Tränen in die Augen schießen. Ich versuche mich aus ihrem tödlichen Griff zu befreien, doch je mehr ich mich wehre, desto fester drückt sie zu. Mein Körper beginnt zu zittern, während ich verzweifelt nach Luft ringe. Langsam geht mir der Sauerstoff aus und meine Sicht verschwindet vollständig. Flehend schaue ich die Angst an und bitte um Gnade. Ich verspreche ihr beim nächsten Mal schneller zu sein und ihr zu gehorchen. Daraufhin lässt die Angst von mir ab und verschwindet.
Zurück bleibt mein zitternder Körper, der am Boden liegt. Meine Tränen tropfen auf den Boden, während mein Herz sich schmerzhaft überschlägt.
Wie konnte ich nur so dumm sein?? Warum habe ich nicht aufgepasst??
Nach einer Weile kommt die Angst zurück und reicht mir ihre Hand. Sie wirkt nicht mehr bedrohlich, sondern beinah freundlich. Ich ergreife ihre Hand und lass mich weiter von ihr durch mein Leben führen. Doch ich mache dies nicht freiwillig. Ich zahle den Preis für meine Unachtsamkeit und halte mein Versprechen.
Denn meine Angst hat zwei Seiten. Die fürsorgliche und bedachte Seite, wo meine Sicherheit an erster Stelle steht. Und die unberechenbare Seite, die kein Fehlverhalten toleriert und mein Leben zur Hölle macht, sobald ich ihr nicht mehr treudoof folge.
Wenn dich dieser Text belastet hat oder du selbst kämpfst, sprich bitte mit jemandem, dem du vertraust, oder wende dich an eine Hilfsstelle.
메타데이터
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- 2026-07-13 06:23:13