Konflikte auf Distanz
Eine neue Herausforderung in der Welt der ‚New Work‘
Konflikte auf Distanz
Eine neue Herausforderung in der Welt der ‚New Work‘
Konflikte sind oftmals nicht einfach zu beheben. Dies gilt bereits bei der Arbeit in Präsenz.
Photo by Daniel Cartin on Unsplash
Schwieriger und komplexer wird es jedoch, wenn Menschen sich nicht jederzeit persönlich begegnen. Zwar ist die persönliche Begegnung auch in Anlass für weitere Konflikte, jedoch sind die meisten Menschen daran interessiert, dass möglichst wenige Konflikte ungelöst bleiben bzw. auftreten.
Wie sind Konflikte handhabbar, wenn Menschen sich nicht persönlich treffen können?
Medium
Einer der häufigsten Gründe für die Eskalation von Konflikten auf Distanz ist die falsche Wahl des Mediums. Asynchrone Medien, somit Medien, auf welche nicht unmittelbar reagiert wird, haben ein deutlich höheres Konfliktpotential. Sie kennen dies von E-Mails, welche im Betreff nach Wochen bereits eine Zeichenfolge wie AW: AW: AW: AW: FW: WG: AW: AW: AW: AW: Projekt aufzeigen. Alternativ können Sie auch gerne an die letzte Eskalation in einer WhatsApp-/Telegram-/Signal-/Threema-Gruppe erinnern. Der Verlauf ist immer ähnlich: alle bleiben bei Ihrer Meinung, wenig bis nichts bewegt sich. Dafür sind alle jeden Tag umso wütender. Welch produktive Arbeitsumgebung. Erinnern Sie sich noch, als Sie eine E-Mail erhalten haben, diese als absolute Frechheit empfangen, eine mehr als deutliche Antwort schickten und am nächsten Tag dachten, dass das eventuell nicht die beste Idee war?
Es ist somit wichtig, dass Sie so schnell wie möglich auf synchrone Medien umsteigen. Wenn ein persönliches Treffen nicht möglich oder gestattet ist, dann vereinbaren Sie ein Treffen auf einem Portal, welches Audio und Video überträgt. Ein Telefonat ist ebenso möglich.
Bereits die Vermeidung der ständigen Kommunikation auf asynchronen Kanälen wird bereits immens hilfreich sein. Eine kleine Veränderung, welche Sie schnell umsetzen können.
Anlass
Trennen Sie generell Konflikte fachlicher und persönlicher Art. Fallen beide Aspekte in einem Konflikt zusammen, so ist, sofern dieser Konflikt sich nicht schnell beilegen lässt, zu raten, dass eine Mediation unter Begleitung von Dritten in Anspruch zu nehmen ist. Bei fachlichen Konflikten ist es vor allem wichtig, dass Meinung von der Faktenlage zu trennen ist (ein Problem, welches in jüngster Vergangenheit immer immanenter wird). Zudem ist zu klären, wie sich die Entscheidungswege gestalten, sofern Sie auch nach Einsicht valider und reliabler Quellen zu keiner Einigung kommen. Positiv ist zu sehen, dass fachliche Konflikte oft schneller zu klären sind, da es meist eine zu beurteilende Sachlage gibt und mit Hilfe sowie auf Basis von wissenschaftlich fundierten Quellen entschieden werden kann. Persönliche Konflikte hingegen sind nicht immer lösbar.
Führung
Die Tatsache, dass persönliche Konflikte nicht immer lösbar sind, sorgt leider nicht für einen besseren Umgang mit jenen. Oft ziehen sich Führungskräfte auf ein „Gehen Sie mal zusammen Mittagessen und klären das zusammen“ zurück. Das Mittagessen als neue Geheimwaffe im Kampf um den Betriebsfrieden. Spannend, dass insbesondere Führungskräften, welche sich nicht kümmern wollen und welche somit die eigene Aufgabe nicht wahrnehmen, nie verlegen sind die nächste Idee aus dem Hut zu zaubern. Das Mittagessen liegt dann praktischerweise auch noch außerhalb der Arbeitszeit. Manche Menschen können nicht miteinander auskommen. Dies kennen Sie aus dem Privatleben und das ist im Berufsleben nicht anders. Zumindest eine räumliche Trennung wäre das Mindeste, obgleich die persönlichen Konflikte immer wieder die Kooperation jener Personen beeinträchtigen werden. Der aus der Zeit gefallene Glaube, dass Persönlichkeitsentwicklung reine Privatsache sei, stimmt nur, wenn Ihre Mitarbeitenden deren Persönlichkeiten nicht mit zur Arbeit bringen. Wie realistisch diese Annahme ist können Sie selbst beurteilen. Insbesondere die Generationen X, Y, Z, Millenials, jedoch auch die generelle Wahrnehmung von Arbeits- Organisationskultur beinhaltet heute nicht mehr, dass man sich auf den Pfad des Leides für ca. 40 Stunden pro Woche begeben muss. Gefällt jemanden die toxische Kultur bei Ihnen nicht, so verlieren Sie Talente und erhalten im Gegenzug ein schlechtes Image als Arbeitgeber.
Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, dass Sie Konflikte ab einer gewissen Stufe begleiten, moderieren und zur Lösung beitragen. Sich hier zurück zu ziehen ist als Führungskraft weder angemessen noch richtig. Seien Sie sich jedoch ebenso bewusst, dass nicht jeder Konflikt lösbar ist. In diesen Fällen sind Sie als Führungskraft gefragt eine Entscheidung zu treffen. Möchten Sie solche Situationen meiden, so ist eine Führungsposition kaum das Richtige für Sie.
Egal, ob zwischenmenschlich oder fachlich: Konflikte besitzen auch weiterhin das Potential für Innovation, Optimierung und haben bei Auflösung zudem eine kathartische, eine reinigende, Wirkung. Es ist somit in Ihrem eigenen Interesse als Führungskraft wie auch als Organisation, dass Ihre Konfliktkultur, in Präsenz wie auf Distanz, positiv und proaktiv gestaltet wird.
Ihnen ist eine gute Konfliktkultur wichtig? Lassen Sie uns reden: NB@NB-Networks.com
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