Sterben Freundschaften aus?
Wieso ist es heute so schwer Freundschaften zu halten? Freundschaften, die wirklich echt sind. Die ein Leben lang halten und man blickt…

Sterben Freundschaften aus?
Wieso ist es heute so schwer Freundschaften zu halten? Freundschaften, die wirklich echt sind. Die ein Leben lang halten und man blickt irgendwann gemeinsam auf die schöne Zeit zurück, die man gemeinsam erlebt hat. Ich frage mich oft, liegt es an mir, oder hat sich die Zeit so gewandelt, dass Freundschaften einfach nicht mehr so einen Stellenwert haben, wie es mal war?
Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass man Menschen erst im “Erwachsenendasein” kennenlernt und man sich anfreundet. Zum Beispiel über die Arbeit, gemeinsame Hobbies etc. Dennoch sind diese Freundschaften oft begrenzt. Auf der Arbeit verbringt man so viel Zeit zusammen, man freundet sich an, teilt viele Erfahrungen miteinander, fängt an sich auch außerhalb des Jobs zu treffen und man bindet sich aneinander. Doch spätestens, wenn man den Job wechselt wars das. In der Anfangszeit schreibt man miteinander, man verabredet sich noch, doch dann kommt irgendwann der Punkt, an dem der Kontakt immer weniger wird. Dann wird die einst sogenannte “workbestie” zur Fremden. Jeder geht einen anderen Weg, die Treffen werden weniger, Nachrichten werden unpersönlicher und seltener. Und still und heimlich schleicht sich die Freundschaft, die einst so eng war, aus. Was auch irgendwo verständlich ist, weil die Freundschaft durch etwas entstanden ist, was man nicht vermeiden konnte.
Das soll auch gar nicht das Thema heute sein. Ich rede von Freundschaften, die man schon seit Kindheitstagen hat. Freunde, die man in der Schule oder bereits im Kindergarten kennengelernt hat. Freunde mit denen man gemeinsam Erwachsen wurde. Ich fange von vorne an: Wir waren eine Gruppe von 5 Mädels. Kennen uns alle schon seit Kindertagen. Teilen die tiefsten Geheimnisse miteinander. Doch mittlerweile ist aus diesem 5er Gespann bereits eine 4er Gruppe geworden und ich habe das Gefühl, dass der Rest der Gruppe ebenfalls so langsam zerbricht. 3 der 4 Freundinnen haben einen Partner. Jede von uns hat einen Job und tagtäglich mit anderen Menschen zu tun, die andere Lebensumstände haben. So etwas beeinflusst einen natürlich. Unsere Treffen werden immer schwerer zu planen, da jede von uns andere Verpflichtungen hat und die zeitliche Verfügbarkeit stark begrenzt ist. Also planen wir Treffen Wochen oder Monate im Voraus, aber trotzdem kann nie jede dabei sein.
Eine der Mädels, ich nenne sie Tabea, hat seit ca. 1 Jahr einen festen Partner. Dieser hat Probleme damit sich in die große Freundesgruppe (ca. 15 Freunde) zu integrieren. Könnte auch daran liegen, dass Tabea bereits etwas mit Johann hatte, und ihr Partner das nicht für gut befindet. Also kapselt sich Tabea immer mehr von der Gruppe ab und unternimmt viel mit dem Freundeskreis ihres Partners. Ich sehe Tabea noch mehr oder weniger regelmäßig bei unserem gemeinsamen Hobby doch ich habe das Gefühl wir sind einfach nicht mehr so miteinander wie wir es mal waren. Ich habe sie immer noch super lieb, aber ich hab das Gefühl durch die lange zeit, in der wir uns nicht sehen oder schreiben oder telefonieren, leben wir uns immer mehr auseinander. Ich gelange an einen Punkt an dem ich sage, wieso muss ich mich immer melden? Eine Freundschaft sollte doch nicht immer einseitig sein. Interessiert sie sich nicht mehr für mich, oder den Rest der Mädels?
Sie erzählt mir in der einen Stunde bei unserem Hobby welche Treffen mit seinen Freunden geplant sind und wie schön es mit denen ist. Und ich denke mir insgeheim “du Heuchlerin”, während ich ihr ins Gesicht lächele und ihr sage, dass sich das toll anhört. Macht mich das zu einer schlechten Freundin? Bin ich einfach nur Eifersüchtig, weil sie nun auch andere Freunde hat? Ich habe aber gar nicht mehr das Bedürfnis ihr meine “Geheimnisse” anzuvertrauen. Ihr zu sagen, was momentan bei mir los ist, weil ich das Gefühl habe ich habe einfach nicht mehr so einen großen Stellenwert bei ihr, wie es mal war. So langsam fühlt sich das an wie mit einer ehemaligen Arbeitskollegin. Man trifft sich noch ab und zu, aber die Treffen werden weniger und oberflächlicher. Man hat andere Prioritäten, Treffen werden irgendwann gezwungener und man lebt sich auseinander. Wie bei einer Liebesbeziehung, die langsam in die Brüche geht, weil man so nebeneinander her lebt. Ich frage mich, ob sie das genauso empfindet. Vielleicht bin ich die Einzige, die noch festhält.
Zum Teil erwische ich mich selbst auch dabei, wie ich ihren Partner anfange dafür verantwortlich zu machen. Der sie von uns fern hält. Der sich nicht drum bemüht, dass sie ihre Freundschaften ebenso pflegt wie er seine. Aber sollte es nicht eigentlich an ihr liegen, ihre Freundschaften zu pflegen? Natürlich ist es klar, dass man weniger Zeit hat sobald man in einer neuen Beziehung ist. Und wenn ihr Partner sich einfach nicht so integrieren kann, dann ist es auch klar, dass er andere Treffen bevorzugt. Kann ich überhaupt etwas daran ändern? Ist das vielleicht einfach der Lauf des Lebens und ich selbst kann das gar nicht beeinflussen? Irgendwo ist es ja auch normal, dass man mal mehr mal weniger Kontakt hat und vielleicht legt sich das auch wieder, aber vielleicht läuft es auch einfach darauf hinaus, dass wir nicht mehr so werden wie früher. Wahrscheinlich sollte ich mich einfach damit abfinden und die Zeit genießen, die wir aktuell miteinander haben. Manchmal fühlt sich Erwachsenwerden an, als würde man Teile von sich verlieren.
메타데이터
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