Gespräche in Nazareth
Den Sonntag nach Weihnachten widmet die Kirche der Heiligen Familie. Gott hat die Institution Familie erschaffen und sie ist ihm daher…

Gespräche in Nazareth
Den Sonntag nach Weihnachten widmet die Kirche der Heiligen Familie. Gott hat die Institution Familie erschaffen und sie ist ihm daher ungemein wichtig. Er wollte im Schoß einer Familie auf die Welt kommen. Und auch die göttliche Dreifaltigkeit wird uns als Familie präsentiert, d.h. eine Verbindung von Vater und Sohn zusammen mit dem Heiligen Geist. All das ist Grund genug, uns heute mit diesen drei Menschen zu befassen, die die Heilige Familie von Nazareth bilden.
Zweck dieses Artikels
Mit diesem Text verbinde ich ein Anliegen: In den Alltag von Jesus, Maria und Josef tiefer einzutauchen, und dadurch sie besser kennen zu lernen. Das soll uns helfen, in der Liebe zu ihnen zu wachsen. Aus dem Betrachten, wie sie ihre Freuden und ihre Leiden erlebt haben, lernen wir, unseren Alltag mehr im Sinne Gottes zu gestalten. Wir erfahren auch, was sie bewegt, wie sie mit Familienangehörigen, Freunden und Fremden umgegangen sind. Dieser Artikel soll ein Ratgeber für unser Leben sein, indem wir die Heilige Familie von Nazareth als Model für uns nehmen. Gern würde ich hier einen Text aus dem heutigen Tagesgebet hinzufügen: „Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast Du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Gib das auch wir in unseren Familien in Frömmigkeit und Eintracht leben, und einander in der Liebe verbunden bleiben“.
Wir gehören zur Familie von Nazareth
Den Satz „zu dieser Familie gehören wir“ habe ich in meiner Jugend gehört. Er stammt vom Josefmaria Escrivá. Es handelt sich um eine Umschreibung dessen, was die Erlösungstat Gottes bewirkt hat: Dadurch sind wir Kinder Gottes (Joh 20,17) und Kinder Mariens (Joh 19,26) geworden. Deswegen sagte Johannes Paul II so treffend: Am Kreuz hat uns Jesus nicht nur einen Vater, sondern auch eine Mutter geschenkt.
Wenn Maria unsere Mutter ist, dann ist ihr Bräutigam Josef unser Vater. Und Jesus? Jesus ist unser Bruder! Das heißt, wir sind vollständig in diese Heiligen Familie von Nazareth integriert, und zwar mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben: Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten.
Vielen Menschen ist ihre Zugehörigkeit zu dieser Familie nicht bewusst -wie ich in vielen Gesprächen feststellen konnte. Mir war diese Zugehörigkeit zwar bekannt, aber sie bestimmte nicht mein ganzes Leben. Das änderte sich 2011, als sich mir die Zugehörigkeit zu dieser Familie wie mit Feuer einprägte. Diese Eingebung während einer Zeit des Gebetes hat ein neues Kapitel in meinem Leben eröffnet.
Quellen für diese Erzählung
Zur Recht werden Sie sich fragen, lieber Leser, liebe Leserin, woher will ich die Gespräche innerhalb der Familie kennen? Gut, vier Wortwechsel zwischen Jesus und Maria sind uns überliefert worden:
Gespräch Jesus, Maria und Josef nach der Tempelauffindung (Lk 2,48–49)
Gespräch Jesus und Maria bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,3–4)
Wortmeldung Jesu an seine Mutter (Mt 12,48–50, Mk 3,33–35, Lk 8,21)
Übergabe Maria an Johannes ( Joh 19,26–27)
Absichtlich werden wir hier nur kanonische Quellen verwenden, d.h. nur aus dem Evangelium, d.h. keine Apokryphen-Schriften.
Wir werden hier keine Wortwechsel erfinden, sondern vielmehr die Themen aufzählen, die sich situationsbedingt ergeben haben könnten.
Wenn wir in diesem Artikel manche Gespräche „erdichten“, dann auf Basis der psychologischen Profile von Jesus, Maria und Josef (siehe Literatur unten) und aus überlieferten Texten aus den Evangelien wie z.B.:
Verkündigung: Lk 1,34 und 1,38
Besuch bei ihre Base Elisabeth: Lk 1,46–56
Aufopferung im Tempel: Lk 2,33
Aufteilung der Gesprächszeiten
Für gewöhnlich führen wir in unserem eigenen Alltag viele Gespräche. Ihr Inhalt ergibt sich aus den anwesenden Personen und aus dem Kontext und Bedarf. Gleiches gilt für die Heilige Familie. Aus diesem Grund haben wir hier mehrere Zeit- und Kontext-Abschnitte berücksichtigt, um die Themen aufzuschlüsseln.
Gespräche vor der Geburt Jesu
Noch vor der Verlobung zwischen Marien und Josef erhielt sie -so meine persönliche Meinung- die Eingebung Gottes, Jungfrau zu bleiben. Dies teilte sie -gemäß dem Eherecht noch vor der Verlobung- Josef mit. Er war damit einverstanden -wie wir aus dem Kontext entnehmen können.
Bei der Verkündigung durch den Engel Gabriel bekommt Maria den Auftrag, Mutter Gottes zu werden. Dem stimmte sie voll Herzens zu. Sie ging davon aus, dass anschließend auch Josef z.B. durch einen Engel in Kenntnis gesetzt werde. Aber der Himmel zögerte. Nach Monaten des Wartens wird Josef über die Ereignisse bei Maria informiert. Ohne zu zögern, geht er zum Haus Mariens und holt sie zu sich -wie im alten Israel üblich. Eine größere Freude bei diesem Besuch ist schwer vorstellbar. Sie küssen sich und weinen vor Freude. Das Kind im Bauch Mariens schien, als würde es die Ehe sprengen. Aber dann -wie sollte es anders bei Gott sein- dreht sich alles ins Erfreuliche. Es fällt uns schwer, in Worte zu fassen, welch gemeinsamen Gefühle gehabt haben. Diese führten zum gemeinsamen Lob Gottes und zum Dank!
Bei den Plänen Gottes geben sich Leid und Freud immer die Hand. Später wird Paulus solche Situationen mit den Worten beschreiben: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28).
Einige Monate später stand die Reise nach Bethlehem gemäß dem Edikt des Augustus (Lk 2,1) an. Dem Gesetz nach bestand nur für Josef die Anwesenheitspflicht. Wir wissen nicht, inwieweit den beiden in diesem Moment klar war, dass Jesus in Bethlehem in die Welt kommen sollte (Micha 5,1). Dann wäre offensichtlich, dass auch Maria mit reisen sollte. Wenn nicht, möchte ich mir ausmalen, wie die beiden das Gespräch geführt haben. Josef macht sich Sorgen, dass die Reise für die Hochschwangere zu beschwerlich wäre. Und Maria -diese Sorge abwischend- wollte mit reisen, um Josef nicht allein zu lassen. Eheleute kennen solche Gespräche, wo jeder das Wohl des anderen in den Vordergrund stellt. Und auch hier war es nicht anders. Mir persönlich bereiten verliebte Eheleute eine große Freude. Das habe ich bei meinen Eltern zeitlebens beobachten können und dies ist nach vielen Jahren Gesprächsthema mit meinen Geschwistern!
Kehren wir zur Heiligen Familie zurück. In dieser Phase vor der Geburt Jesu findet der berühmte Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth statt. Exegeten sind sich nicht einig, ob Josef bei diesem Besuch dabei war. Laut Josefmaria Escrivá war er dabei. Für andere, eher nicht. Das Evangelium erwähnt ihn mit keinem Wort. Seine Anwesenheit wäre allemal logisch. Auch hier gab es mit Sicherheit bei der Reiseplanung sehr schöne Gespräche zwischen Maria und Josef: wann, wie usw. die Reise stattfinden und wie lange der Aufenthalt dauern sollte. Das Motiv für den Besuch der alten Base war für Maria ganz klar: Hilfe anbieten. Dies ist eine Konstante ihres Lebens z.B. in Kana, am Kreuz, bei den Jüngern nach der Himmelfahrt ihres Sohnes. Liebe ist der Lebensmotor Mariens. Welche Lektion für uns alle!
Gespräche während der Kindheit Jesu
Ab einem bestimmten Alter wollen Kinder erfahren, was passiert ist, als sie Baby bzw. Kleinkinder waren.
Bei Jesus dürfte nicht anders gewesen sein. Während er sehr klein war haben seine Eltern allerlei erlebt: Die Fahrt von Nazareth nach Bethlehem, die Zurückweisung bei den Verwandten und Gasthöfen in Bethlehem, die Geburt im Stall, der Besuch der Hirten und der Sterndeuter, die Flucht nach Ägypten, der Aufenthalt dort, die Rückkehr nach Nazareth. Und auch die Zeit vor seiner Geburt: die Verlobung, die Verkündigung, der Besuch bei Elisabeth usw.
Und dazu noch die entscheidende Frage: Wie und wann hat Jesus erfahren, dass er Sohn Gottes ist? Hat er dies als Mensch durch seine göttliche Natur gewusst oder sind es seine Eltern, die im das mitgeteilt haben? Ich plädiere fürs Zweite. Wir können uns die Situation -wie folgt- vorstellen: Maria und Josef warten auf eine passende Gelegenheit. Und dann sagen sie ihm: „Jesus, wir wollen Dir etwas erzählen. Du bist mein Sohn, weil der Geist Gottes Dich gezeugt hat. Das heißt neben deiner menschlichen Natur hast Du auch die göttliche“. Dieses Gespräch beruht auf einer Hypothese, dass sich Jesus anfänglich nur im Rahmen seiner menschlichen Natur bewegt hat. Nur so lässt sich -aus meiner Sicht- die Reaktion Mariens auf die Antwort Jesu bei der Tempelauffindung erklären, als er vom Vater Gott spricht. Maria hat Jesus als ihren Sohn angesprochen: „Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht“ (Lk 2,48). Jesus aber antwortet als Sohn Gottes (Lk 2,49) (mehr dazu im Artikel Der Schlüssel zum Dialog zwischen Jesus und Maria).
Die Erziehungsrolle Maria stelle ich mir ungemein schwer vor. Auf der einen Seite ist er ihr Sohn und damit darf sie ihm Anweisungen geben. Auf der anderen Seite ist er Gott, d.h. Maria soll ihm Gehorsam zollen. Diesen Aspekt sollen wir berücksichtigen, wenn wir den oben erwähnten Dialog entschlüsseln wollen. Der Evangelist Lukas liefert uns nach dem oben erwähnten Dialog im Tempel einen sehr tröstlichen Satz: „und er war ihnen gehorsam“ (Lk 2,51). Das heißt, Jesus hat zwar klar gemacht, dass er Sohn Gottes ist, aber das bedeutet nicht, dass er nicht seinen Eltern untertan wäre. Das ist für mich einer der großartigsten Sätze im Evangelium: Der allmächtige Gott unterwirft sich dem Willen von Menschen. Was für eine Lehre für uns!
Lukas aber auch Matthäus berichten von Szenen aus dem Leben der Heiligen Familie vor dem öffentlichen Auftritt Jesu. Wie gelangten diese Infos zu ihnen? Durch die Gespräche während der Predigerjahre Jesu oder durch die Erzählungen Mariens nach der Himmelfahrt ihres Sohnes? Lieber Leser, das ist keine Neugierde meinerseits, sondern Interesse für eben diese Familie, zu der wir gehören. Auch wir hegen -wie Jesus- den Wunsch, mehr über die eigene Familie zu erfahren!
Gespräche während der öffentlichen Zeit Jesu
Von der Zeit, die wir als des öffentlichen Lebens Jesu kennen, übermitteln uns die Evangelisten wenige Treffen von Jesus mit seiner Mutter. Dazu zählen die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12), wo sowohl Maria als Jesus mit den Jüngern dabei waren und dann als Maria ihn zusammen mit seinen Brüdern sprechen wollte (Mt 12,46–50, Mk 3,31–35, Lk 8,19–21). Beim letzterem sind viele Exegeten der Meinung, dass ein Gespräch nicht zustande kam. Sie berufen sich darauf, dass dazu uns die Evangelisten keinen Text überliefert haben. Andere sind nicht dieser Ansicht -dazu gehöre ich. Und dann ein weiteres tiefgreifendes Treffen: Die ergreifende Begegnung Mariens mit Jesus am Kreuz. Ob er nach der Auferstehung seine Mutter als erste aufsuchte, wissen wir nicht. Viele Heilige sind dieser Ansicht, und zwar aus reiner Logik (siehe mein Artikel Sieg des Lebens über den Tod). In vielen Kirchen hängen Bilder mit eben diesem Motiv z.B. in Mayrhofen, Tirol oder im Kloster auf der Fraueninsel am Chiemsee, Oberbayern, um nur einige wenige zu erwähnen, die mir bekannt sind.
Fazit
Unsere Zugehörigkeit zur Familie von Nazareth soll für uns zugleich Ansporn und Pflicht sein, unser Leben gemäß dem Willen Gottes zu gestalten. So haben Jesus, Maria und Josef gelebt, und so sollen wir leben. Wir haben in diesem Text Review passiert, wie vielfältig und ereignisreich das Leben dieser Familie war. Sie haben alles durchlebt, was wir als Model für unser Leben brauchen: Freuden und Schmerzen, allesamt getragen aus der Liebe zu Gott.
Literatur
Jesus von Nazareth — ein Persönlichkeitsprofil
Josef — Sohn Davids und Bräutigam Mariens
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Die Heilige Familie von Nazareth
Der Autor
Dr.-Ing. Karl-Maria de Molina hat Ingenieurwissenschaften, Philosophie und Theologie studiert, und in Fahrzeugtechnik promoviert. Er hat Bücher über Automobiltechnik und Arbeitsmethodik geschrieben, und über Arbeitskultur und Kompetenzentwicklung herausgegeben. Er hat mehrere Lehraufträge in deutschen Universitäten; er hält Seminare über Führungskräfteentwicklung; er hat mehrere Unternehmen gegründet, und innovative Produkte entwickelt und vermarktet.
Das notwendige Wissen für diese Artikelreihe hat der Autor erworben durch das Studium der Philosophie und Theologie, durch die tägliche Lektüre des Evangeliums und geistlicher Bücher; durch den täglichen Besuch der Eucharistie; durch die wöchentlichen Gespräche mit dem geistlichen Leiter und durch die Beichte; durch die wöchentliche Teilnahme an Vorträgen über geistliche Themen; durch monatliche Einkehrtage; durch jährliche Exerzitien.
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