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Erinnerungen

Wandel der Zeit

ATRAA · 2025-11-25 11:02 · 0 claps · 4.5 min read
#erinnerungen #weihnachten #rückblick #früher
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Erinnerungen

Wandel der Zeit

Es ist mal wieder kurz vor der Adventszeit, die besinnliche Zeit. Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten kommen hoch. Viele davon schön, fröhlich, glücklich, einige aber auch traurig und bedrückend.

Viel ist passiert in den vergangen Jahren, vieles hat sich verändert. So ist der Lauf der Zeit, aber ist es auch immer gut? Oder war es früher besser?

Ich weiß es nicht, kann es nicht beurteilen.

Ich weiß nicht wie ihr es empfindet, aber ich persönlich habe das Gefühl, das ganze Leben war früher, trotz wesentlich schwererer Arbeit, viel längeren Arbeitszeiten viel ruhiger, ausgeglichener wie heutzutage.

Der ganze Mensch war wesentlich entspannter. Heute habe ich das Gefühl die Menschheit ist getrieben. Alles muss immer schneller passieren, jeder Tag / Stunde / Minute muss mit irgendwelchen Aktivitäten gefüllt werden. Bloß nicht mal zur Ruhe kommen und anderen schon gar nicht zeigen das man auch einfach mal zehn Minuten ruhig da sitzt und die Gedanken wandern lässt. Alles ist in einem festen Plan geregelt. Nicht nur Schul- und Arbeitszeiten. Selbst die sogenannte Freizeit ist klar durchstrukturiert und mit möglichst vielen Aktivitäten in kürzester Zeit vollgepackt. Nur ja keine Zeit mit einfachem mal nichts tun verbringen.

Ob diese Art von Leben gesund ist bin ich mir nicht so sicher. Mein Gefühl sagt mir das es nicht so ist. Wie ihr das seht weiß ich nicht. Ich, für meinen Teil vermisse so manches mal die Zeit in der man mit der Oma im Garten die Ernte eingeholt hat, das anschließende stundenlange putzen und zerkleinern von Obst und Gemüse um das Alles haltbar zu machen. Klar es war „Arbeit“ trotzdem in meinen Augen wesentlich entspannter und ruhiger wie das Leben heute.

Jeder hat seine Arbeit gemacht und das in seinem eigenen Tempo. Der eine war schneller beim Bohnen schnippeln, der andere konnte dafür schneller Erbsen pahlen. Es hat sich niemand darüber aufgeregt. Es wurde so lange gemacht, bis alles fertig war.

Nebenbei hat man sich unterhalten. Oma erzählte Geschichten aus ihrem Leben oder Märchen, rezitierte Gedichte, es wurde miteinander Volkslieder gesungen oder auch für die Schule Texte gelernt.

Zwischen drin, wenn der Opa, der Vater von der Arbeit heim kamen, wurde Kaffee getrunken und es gab ein Stück selbstgebackenen Kuchen. Ich weiß noch, wie der Opa immer den Kuchen, wenn er schon zwei drei Tage alt war, in den Kaffee gestuft hat.

Anschließend ging die Arbeit weiter. Die Männer meist nach draußen in die Werkstaube, Stall oder Garage. Die Kinder halfen, saßen einfach daneben oder spielten.

Ich kann mich noch daran erinnern, was für ein aufregender Tag es war, als bei uns das erste richtige Radio einzog, später dann irgendwann ein schwarz-weiß Fernseher. War das toll, wenn man dann als Kind mal für ein paar Minuten Fernsehen schauen durfte, konnte. Oder was man sich geärgert hat, weil man es verpasst hat, da die Eltern einen gerade gerufen hatten oder warum auch immer man es verpasst hat.

Besuche von oder bei Verwandten wurden Tage im voraus geplant, oftmals mit Übernachtung.

Zum Einkaufen in die Stadt fuhr man nur zu besonderen Anlässen. Was für den täglichen Bedarf gebraucht wurde kam vom örtlichen Bäcker, Fleischer, Krämer, sofern man es nicht selber anbauen, herstellen und zubereiten konnte.

Computer, Handy, Internet, Spielekonsolen gab es nicht. Telefone zogen erst nach und nach ein. Zu Anfang waren sie auf wichtige Personen im Ort beschränkt. Es wurden Briefe und Karten geschrieben um andere am Leben teilhaben zu lassen. Es war einfach nicht so schnelllebig wie heute. Auf Sachen wurde mehr geachtet, versucht zu reparieren sollte mal was kaputt gegangen sein.

Geschenke zu Weihnachten, Geburtstag, Ostern wurden oftmals noch selbst gemacht. Man hat sich wirklich Gedanken darüber gemacht, was braucht der zu Beschenkende oder besser, was würde ihm wirklich Freude machen.

Wenn ich mir dagegen das heute anschaue. Wie viele machen sich wirklich noch Gedanken? Wie oft wird schnell ein Gutschein über eine monströse Summe geholt, weil man keine Lust / Zeit hat was zu überlegen. Selbstgemachte Geschenke werden nur noch Wert geschätzt, es zählt nur noch das es möglichst teuer und zum Angeben geeignet ist. Ist das wirklich so, oder ist es einfach nur mein Empfinden?

Gerade jetzt, wo es langsam auf Weihnachten zugeht, empfinde ich es besonders stark. Während früher die Zeit gefühlt langsamer lief, habe ich heute das Gefühl das alles doppelt so schnell geht. Ich weiß nicht ob es am Alter liegt, das man einfach das Gefühlt hat alles geht schneller oder liegt es daran das immer mehr in weniger Zeit erledigt werden muss? Ich kann es nicht sagen, wie geht es euch?

Ich vermisse jedenfalls die Zeit der Ruhe von damals, gerade jetzt zu Weihnachten. Wie um diese Zeit die ersten Weihnachtssachen in die Geschäfte einzogen, in den Städten und Dörfern nach und nach die ersten Weihnachtsdekorationen und Beleuchtungen aufgebaut wurden.

Ich versteh bis heute nicht, warum bereits August / September die Weihnachtssachen in den Läden stehen. Für mich beginnt die Weihnachtszeit erst nach dem Totensonntag. Wird vorher auch nicht gekauft.

Erste Weihnachtsdekoration wird kurz vor dem ersten Advent aufgestellt, Plätzchen werden auch erst in der Woche davor gebacken, allerdings zum Verzehr erst am Sonntag freigegeben. Die Advents- und Weihnachtszeit soll etwas besonderes und nicht schon durch vorherigen Konsum übersättigt sein. So meine Meinung.

Wenn ich mich jetzt mal so umschaue und die letzten zwei Monate zurückdenke, stelle ich erschreckend fest, das bereits seit Oktober hier in den Häusern und Gärten die Weihnachtsdekoration steht.

Adventskränze wurden selber gemacht aus selbst geschnittenen Tannenzweigen (war damals noch erlaubt, bzw. man sprach kurz mit dem Förster und holte sich die Erlaubnis), Es wurde dekoriert mit Äpfeln, später Mandarinen / Orangen, gesammelten Nüssen, Zapfen und vielem mehr. Tannenzweige und Zapfen wurden auf die Öfen gelegt, ebenso Zimt und andere Gewürze. Dadurch entstand ein ganz besonderer Duft. Ich finde absolut nicht vergleichbar mit den heutigen chemisch hergestellten Düften.

Dazu kam dann der Duft von Bratäpfeln, selbstgebackenen Plätzchen und für mich ganz besonders, die vom Opa selbstgemachten Bienenwachskerzen.

Bei Kerzen fällt mir gerade der Weihnachtsmarkt ein. Viele kleine Stände wo wirklich handgearbeitete Sachen verkauft wurden, gedämpfte Weihnachtsmusik, schöne nicht so übertrieben bunte Beleuchtung, Weihnachtlicher Duft nach Äpfeln, Zimt, Mandeln, Glühwein, heiße Maronen, …..

Heute geh ich gar nicht mehr gerne dorthin. Irgendwie fehlt für mich die Gemütlichkeit, Intimität, ich kann es nicht genau sagen. Es wirkt alles übertrieben auf mich und nur noch auf Kommerz ausgelegt.

Je dichter Weihnachten kam, desto mehr wurde die Weihnachtsdeko aus den Kartons geholt. Teilweise waren die Sachen über Generationen weitergereicht worden und man war ehrlich traurig wenn was kaputt gegangen ist.

Lametta, ich weiß heute ein absolutes Tabuthema. Damals ging der Weihnachtsbaum ohne gar nicht. Ich weiß nicht wie es bei euch war, aber wenn der Weihnachtsbaum dann irgendwann wieder abgeräumt wurde, meist gegen Ende Januar, hat der Opa gestanden und jeden einzelnen Lamettastreifen vom Baum gesammelt, gut verpackt und für das nächste Jahr aufgehoben. Nur das wirklich kaputte wurde weggeworfen und der Tannenbaum wurde klein gemacht, zum trocknen in den Keller gepackt. Stücke davon kamen dann in der folgenden Adventszeit in den Kamin. Ach wie herrlich das damals duftete.

Jetzt genug der Erinnerungen, werde ja ganz sentimental. War aber mal schön so zurück zu blicken.

Würde mich freuen, wenn ihr eure Erinnerungen / Erfahrungen auch teilt.


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