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Teaching by Design: Lehrveranstaltungen für das Semester planen

Weniger Themenliste, mehr Aktivität und vor allem Zielorientierung — Lehrplanung ist mehr als das Zusammenstellen von Lernstoff.

Ma.Wi · 2023-12-04 14:14 · 0 claps · 5.1 min read
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Teaching by Design: Lehrveranstaltungen für das Semester planen

Weniger Themenliste, mehr Aktivität und vor allem Zielorientierung — Lehrplanung ist mehr als das Zusammenstellen von Lernstoff.

Photo by Centre for Ageing Better on Unsplash

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Eine Lehrveranstaltung zu planen, ist eine Herausforderung. Allzu oft endet sie in einer Themenliste, die im Semester abgearbeitet werden muss. Eine schlechte Voraussetzung für eine Lehrveranstaltung, an denen Studierende gerne teilnehmen.

In seinem Buch Creating significant learning experiences fasst Dee Fink zusammen, was eine Lehrveranstaltung auszeichnet. Eine gute Lehre:

  • fordert die Studierenden heraus,
  • verwendet aktivierende Lernmethoden,
  • wird von Lehrenden durchgeführt, die sich dafür interessieren, wie die Studierenden mit dem Stoff umgehen,
  • erfolgt durch Lehrende, die an Interaktion interessiert sind,
  • verfügt über ein System für Feedback, Bewertung und Benotung.

Den meisten von uns sind die Kriterien bekannt. Die Herausforderung besteht auch weniger darin, zu verstehen, was eine Lehrveranstaltung auszeichnet, als vielmehr darin, wie man sie so plant, dass sie die Kriterien erfüllt.

Die von Dee Fink entwickelte integrierte Lehrplanung verspricht, von der situativen Planung wegzukommen und von Anfang an die Kriterien einer guten Lehrveranstaltung zu berücksichtigen.

Die Schwierigkeit der Lehrplanung besteht im Zusammenbringen von Lernziel, Lernaktivität und Lernerfolgskontrolle. Die integrierte Lehrplanung hält eine Struktur vor, an der man sich orientieren kann.

Integrierte Lehrplanung ist kein originärer Ansatz. Andere nennen es backward design oder constructive alignment. Diese und ähnliche Ansätze legen den Wert darauf, die Lernaktivitäten und die Lernerfolgskontrolle auf die jeweiligen Lernziele auszurichten. Wenn Lehrende diese Ausrichtung berücksichtigen, sind sie auf dem Weg zu einer erfolgreichen Lehrveranstaltung.

Themen, Aktivität und Zielorientierung — die drei Lehrplanstrategien

Auch wenn Du selten eine neue Veranstaltung entwerfen musst, stehen wir jedes Semester vor der Aufgabe, die anstehende Lehre vorausschauend zu planen. Wer gute Lehre anbieten will, aktualisiert den Lehrplan, passt Themen an und nimmt Entwicklungen auf — wobei jede Lehrperson eine eigene Strategie verfolgt. So individuell die Strategien der Semesterplanung auch sein mögen, sie lassen sich nach Dee Fink einem von drei Typen zuordnen.

Strategie 1: Themenliste erstellen

Die erste Strategie ist das Erstellen von Themenlisten. Gerade bei jenen, die am Anfang einer Lehrtätigkeit stehen, ist die Themenliste ein gängiges Vorgehen. Je nach Semesterlänge wählt die Lehrperson eine entsprechende Anzahl an Unterthemen aus. Für jedes Unterthema stellt sie Inhalte zusammen und konzipiert eine Lehreinheit. Mit der Auswahl der Prüfungsform steht das Semester. Die ausgewählten Themen ergeben sich aus dem Wissen der Lehrkraft oder die Zusammenstellung orientiert sich an der Gliederung eines Lehrbuches. Sich an Lehrveranstaltungen von Kolleginnen und Kollegen zu halten, ist ebenfalls geläufige Praxis. Man tauscht sich aus oder nutzt öffentlich zugängliche Seminarpläne.

Die Strategie ist beliebt. Sie ist einfach und schnell. Eine Themenliste für eine Veranstaltung zusammenzustellen, kann an einem halben Vormittag erfolgen. Auch der Stoff einer Lehreinheit lässt sich rasch in einer Foliensammlung aufbereiten. Das Ergebnis ist zumeist eine über das Semester erstreckende Vorlesungsreihe mit einer Lehrform, die auf Stoffvermittlung setzt. Diese Art von Veranstaltung berücksichtig die Bedürfnisse der Studierenden kaum und führt zu mäßigem Lernerfolg.

Strategie 2: Aktivitäten planen

Bei der zweiten Strategie geht es weniger darum, eine Liste an Themen, als vielmehr eine Reihe von Lern-/Lehraktivitäten zu erstellen. Auch hier entwirft die Lehrperson eine Struktur um ein Themengebiet herum, vermeidet aber eine passive Vorlesung, indem sie aktivierende Methoden integriert. Der Semesterplan enthält neben den zu behandelnden Themen genauso didaktische Elemente — eine Gruppenübung, ein Impulsvortag, eine Fallbetrachtung. Erfolgreich umgesetzt, kann diese Planung zu einem Unterricht führen, an der die Studierenden weitaus interessierter herangehen.

Jedoch führt diese Strategie ebenfalls zu Problemen. Problematisch wird es, wenn der Einsatz der Lehrmethoden keinem Konzept folgt, welches über die Einzelveranstaltung hinaus auf das Semester ausgerichtet ist. Eine für jede Einheit vorbereitete Übung verbessert zwar die Vermittlung des Stoffes, kann jedoch ohne Ausrichtung auf ein übergeordnetes Lernziel zu einer inkohärenten Veranstaltung führen.

Strategie 3: an Zielen orientieren

Die dritte Strategie verfolgt den integrierten Ansatz. Integriert bedeutet, die Lern-/Lehrmethoden sowie die Lernerfolgskontrolle konsequent an Lernzielen auszurichten. Die Lehrperson entwirft mit der Semesterplanung eine Lernumgebung, die drei Kernelemente aufeinander abstimmt. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, was in der Veranstaltung geschieht, sondern auch, wie das Lernen außerhalb der Lehre angeregt wird. Ausgangspunkt sind die Lernziele, an denen sich die weitere Planung der Inhalte, Lehr-/Lernaktivitäten und Prüfungsformate orientiert.

Lehrplanung mit System

Wer bei der Lehrplanung strategisch vorgeht, ist sich nicht nur der drei Strategien bewusst, sondern versucht eine integrierte Lehrplanung. Ausgangspunkt sind demnach die Lernziele, an ihnen richtet sich alle weitere Lehrplanung aus.

Lernziele sind wichtig, allein aber unzureichend

Eine an Lernzielen ausgerichtete Lehrplanung, verlangt einen Sichtwechsel: Es zählt weniger, was Du als Lehrperson versuchst zu vermitteln, sondern mehr, was die Studierenden tun, um die Lernziele zu erreichen. Lernziele stehen am Anfang aller Überlegung — und hier beginnt das Problem. Inzwischen sollte eine an Lernzielen ausgerichtete Lehrplanung gängige Praxis sein — Taxonomien gibt es genug. Jedoch scheitert sie allzu oft an einer pragmatischen Handhabung, mehr aber noch an einer Orientierungslosigkeit, wie Inhalte, Methoden und Prüfungen mit den Zielen verknüpft werden können.

In der Praxis fehlt es an einer pragmatischen Handhabung, wie sich Lernziele, Lehr-/Lernaktivitäten und Prüfungen aufeinander ausrichten lassen.

Wer sich damit nicht begnügen will, dem helfen Gestaltungsprinzipien, die ein systematisches Vorgehen erleichtern.

Gestaltungsprinzipien systematischer Lehrplanung

Zum Einstieg in ein systematisches Vorgehen bietet sich das Prinzip des backward desing von Wiggins und McTighe an. Wie der Name sagt, beginnt die Planung am Ende mit den Lernzielen, darauf aufbauend die Prüfungen und schließlich mit der Wahl der Lern-/Lehrmethoden:

  1. Im ersten Schritt definierst Du die übergeordneten Lernziele. Was sollen die Studierenden am Ende verstanden haben und können? Dazu gehören auch die zu behandelnden Themen. Da der Umfang des Lernstoffes den Rahmen einer Veranstaltung sprengt, erfolgt in diesem Schritt eine Priorisierung und Reduktion der Inhalte.
  2. Wie die Lernerfolgskontrolle erfolgt, bestimmst Du im zweiten Schritt. Das beinhaltet die klassische Bewertung der Studierenden am Ende der Veranstaltung. Für die Lehrplanung ist jedoch eher interessant, wie der Lernfortschritt während des Semesters verfolgt werden kann. Bevor einzelne Lehreinheiten ausgearbeitet werden, ist in diesem Schritt zu überlegen, wie man feststellt, ob die Studierenden ein gewünschtes Lernergebnis erreicht haben. Das kann über Zwischentests, kleinere Aufgaben oder einer Selbstevaluation geschehen.
  3. Nachdem die Lernziele und die Art und Weise, wie der Lernfortschritt überprüft wird, festgelegt sind, kannst Du im dritten und letzten Schritt über die Lernaktivitäten nachdenken. An dieser Stelle verbinden sich die Aktivitäten der einzelnen Lerneinheiten mit den Lernzielen der Gesamtveranstaltung. Hier kann definiert werden, welches Wissen die Studierenden für ihre Aufgaben benötigen und wie sie die angestrebten Kompetenzen erwerben.

Wiggins und McTighe haben eine Vorlage erstellt, die die wesentlichen Elemente des dreistufigen Vorgehens wiedergibt. Die Vorlage hilft, der Lehrplanung eine Struktur zu verleihen.

Vorlage zur systematischen Lehrplanung (Wiggins/McTighe, Understanding by Design, 2005, S. 22)

Vorlage zur systematischen Lehrplanung (Wiggins/McTighe, Understanding by Design, 2005, S. 22)

Lehrveranstaltungen planen, ist mehr, als Themen zusammenzustellen. Die integrierte Lehrplanung bietet einen Weg, um sicherzustellen, dass eine Veranstaltung die Studierenden herausfordert, aktivierende Lernmethoden verwendet und Interaktion fördert. Eine an diesen Prinzipien orientierte Lehre ist mit Aufwand und ist mit Unsicherheiten verbunden: Sind die Ziele ausreichend formuliert und im Konzept verankert? Erzielen die Methoden die angestrebte Wirkung? Eine Lehrplanung ist nie wirklich fertig. Du bist gefragt, deine Planung vor dem nächsten Durchgang zu reflektieren und anzupassen.

Dee Fink beschreibt sein Konzept der Integrierten Lehrplanung in „Creating Significant Learning Experiences: An Integrated Approach to Designing College Courses“ (Revised and updated edition. San Francisco: Jossey-Bass, 2013).

Ihr Prinzip des „backward-desings“ entwerfen Grand Wiggins und Jay McTighe in ihrem Werk „Understanding by Design“ (Expanded 2nd ed, Alexandria, Va.: ASCD, 2005). In Form einer Anleitung bereiten sie es später noch einmal auf: „The Understanding by Design Guide to Creating High-Quality Units“ (Alexandria, Va.: ASCD, 2011).


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