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Der Überlebenskampf

Mit letzter Kraft schnappe ich nach Luft - eine Kurzgeschichte

Finja · 2026-02-10 14:03 · 0 claps · 6.1 min read
#mental-health #kurzgeschichte #angst #überleben #allein
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Wiki topics: PSY · Mental Health & Psychiatry

Eine Kurzgeschichte über den Kampf ums Überleben in einer rauen Welt.

Triggerwarnung: Es werden teilweise sensible und sehr emotionale Themen angesprochen. Bitte lies diese Geschichte nur, wenn du dich stabil genug fühlst.

Erbarmungslos stürzt eine Welle nach der anderen über meinem Kopf zusammen. Meine Augen schmerzen wegen des Salzwassers und meine Lungen brennen angesichts der aussichtslosen Situation. Ich befinde mich irgendwo in den Fängen des rauen Ozeans, wo die Wellen mit dir zu spielen scheinen als wäre man ein kleiner Ball. Hilflos rudere ich mit den Armen über die Wasseroberfläche. Ich darf nicht untergehen! Meine Beine strampeln angestrengt in der Wassermasse, während die Strömung an mir zerrt. Mal reißt sie mich mit, drückt mich nach unten, um im nächsten Augenblick wieder die Richtung zu wechseln. Langsam weiß ich nicht mehr, wie lange ich schon in diesen Fluten kämpfe. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit und so bald ist auch kein Ende in Sicht. Der Ozean zeigt keine Gnade.

Plötzlich bricht auch schon die nächste Welle über mir zusammen. Immer mehr und mehr Wasser klatscht gegen mein Gesicht und dringt in meine Nase. Mein Mund ist weit aufgerissen und schnappt bei jeder kleinsten Gelegenheit nach Luft. Er ist schon ganz ausgetrocknet wegen des Salzes, was mich zum Würgen bringt.

Schon kommt die nächste Welle und drückt meinen Kopf unter Wasser. Panisch bewege ich meine Beine und greife nach der Oberfläche. Bitte! Ich muss nach oben! Einen Moment später durchbricht mein Kopf die Wasseroberfläche und ich ringe hustend nach Luft. Schwerfällig führe ich kreisende Bewegungen mit meinen Armen aus, damit ich nicht untergehe, während mich die Wellen hin- und herschieben.

Erneut trifft mich eine Welle, diesmal mit viel Wucht, sodass ich erneut nach unten gedrückt werde. Entsetzt und erschrocken atme ich das viele Wasser um mich herum ein. Schmerzhaft findet es seinen Weg in meine Lungen, die zu zerplatzen drohen. Dieses zerreißende Gefühl in meiner Brust bringt mein Herz zum Rasen. Mir geht die Luft aus! Ich muss wieder nach oben! Mit kraftvollen Stößen meiner Beine bewege ich mich erneut Richtung Oberfläche. Doch diesmal komme ich kaum voran. Mein ganzer Körper fängt an zu zucken, während mein Kopf nach Sauerstoff schreit. Verdammt! Komm schon! Der Schmerz zerrt unaufhaltsam an meinen Kräften. Ich hebe die Arme über meinen Kopf und versuche mich nach oben zu bewegen. Doch kurz vor der Wasseroberfläche krampft sich mein gesamter Körper zusammen. Ich spüre ein lautes und schmerzhaftes Pochen in meinem Kopf. Meine Arme sinken kraftlos nach unten, genau wie meine Beine, die mit dem Strampeln aufgehört haben. Langsam verschwimmen jegliche Konturen vor meinen Augen und ich verliere die Orientierung. Wo ist unten? Wo ist oben? Ich weiß es nicht.

Ich spüre nur noch aus der Ferne, wie die Strömung mich mit sich zieht. Mein Körper erschlafft und ich verliere mit jeder weiteren Sekunde immer mehr das Bewusstsein. Nein, das darf jetzt nicht das Ende sein!

Diesen Kampf werde ich verlieren. Da ist keine Kraft mehr zum Kämpfen. Der Schmerz zerreißt mich von innen. Ich kann nicht mehr zur Oberfläche. Die ganze Anstrengung war umsonst. Jetzt bleibt mir nur noch der Druck auf meiner Brust, in meinen Ohren und meinem Kopf. Das Wasser nimmt mir nicht nur mein Leben, sondern verschluckt mich gleich vollständig.

Der Ozean nimmt sich meine Seele.

Während ich weiter nach unten sinke, spüre ich die Kälte des Wassers, die mich wie eine Decke umhüllt. Beinah scheine ich durch die unendliche Dunkelheit zu gleiten, ohne einen Weg oder ein Ziel. Weiter, immer weiter. Mittlerweile umgibt mich nur noch Schwärze. Das Tageslicht sehe ich schon gar nicht mehr. Ich sinke immer tiefer und tiefer. Es wird kälter und kälter.

Ein grauenhafter Schmerz lässt mich scharf Luft holen. Hustend und spuckend drehe ich mich auf den Bauch und stütze mich leicht auf, bevor ich mich vollständig übergebe und das ganze Meerwasser meinen Magen verlässt. Nachdem ich noch das überschüssige Wasser aus meiner Lunge bekommen habe, lasse ich mich wieder kraftlos auf den Rücken fallen. Desorientiert schaue ich in einen strahlend blauen Himmel und muss meine Augen erst mal an die Helligkeit der Sonne gewöhnen. Wo bin ich? Was ist passiert?

Vergeblich suche ich nach einer Antwort in meinem Gedächtnis. Ich kann mich nur noch an Schmerz, Angst und Dunkelheit erinnern. Die Erinnerungen sind ganz verwaschen vor meinem inneren Auge, sodass ich nicht den Hauch einer Chance habe, nach ihnen zu greifen. Einzelne Frequenzen erscheinen klarer als andere, dennoch sind meine Erinnerungen getrübt.

Von der Neugier getrieben, bewege ich vorsichtig meine Finger über den weichen Untergrund. Es ist Sand. Feinkörniger Sand, der durch meine Fingerspitzen gleitet. Doch nicht nur das nehme ich bei dieser Bewegung wahr. Ich spüre auch ein schmerzhaftes Brennen im Arm. Mein Körper scheint gegen jegliche Anstrengung zu protestieren, als wäre keinerlei Energie mehr vorhanden. Jetzt erst merke ich auch die Müdigkeit, welche mich umgibt. Ich brauche mehr Energie, sonst überstehe ich das nicht. Meine Lippen fühlen sich ganz trocken an und schreien nur so nach Feuchtigkeit. Erschöpft versuche ich mich wieder aufzurichten, doch es klappt nicht. Jeder einzelne Muskel schreit nach einer Pause. Ausgebrannt liege ich nun auf dem weichen Sand und suche krampfhaft nach einer passenden Lösung für mein Problem. In der Ferne höre ich dabei das Rauschen von Wellen. Sie scheinen in einem bestimmten Rhythmus gleichmäßig zu brechen.

Auf einmal durchfährt es mich wie ein Blitz. Wellen, Wasser, Strömung, Sauerstoff, Tiefe.

Ich bin untergegangen! Das Meer hat mich verschluckt! Aber wieso bin ich dann hier und liege nicht regungslos am Grund des Ozeans? Was ist nach meiner Bewusstlosigkeit passiert? Fragen über Fragen sammeln sich in meinem Kopf, doch ich habe auf keine eine passende Antwort parat.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die ich mit den rasenden Gedanken in meinem Kopf verbringe, probiere ich erneut aufzustehen. Mit all meiner gesammelten Kraft schaffe ich es mich hinzusetzen. Ich sitze wirklich an einem langgestreckten Strand und nur wenige Meter vor mir liegt das weite Meer, wie ich mit einem kurzen Blick feststelle. Ängstlich beobachte ich die Wellen in der Brandung, aber diese hier schienen friedlich zu sein. Ganz anders als auf offener See, wo ich um mein Überleben gekämpft habe.

Dort hatten sie eine zerstörerische Kraft gehabt, die über Leben und Tod entschied.

Beinah entspannt schaue ich nun die vertraute blaue Masse an. Ich scheine jetzt in Sicherheit zu sein, aber Entspannung setzt trotzdem nicht vollständig ein. Großes Misstrauen prägt meine Meinung zum Meer. Der Kampf ums Überleben sitzt tief in meinen Knochen. Vor allem die Müdigkeit und Erschöpfung lassen mich nicht vergessen, was vorher passiert ist.

Ich verbringe mehrere Minuten damit, den Ozean zu betrachten. Irgendetwas sagt mir, dass dieser Kampf noch lange nicht vorbei ist. Ein ungutes Gefühl lässt mich jede meiner Gedanken überdenken. Ich sollte gehen. Sobald ich genug Kraft habe, sollte ich dringend verschwinden und niemals wieder die Nähe zum Wasser suchen. Ich brauche es zum Leben, obwohl es mich genau so gut töten kann. Genau deshalb darf ich mein Glück mit diesem Element nicht herausfordern.

Müde von der vorherigen Anspannung, fallen mir langsam die Augen zu. Immer wieder versuche ich mich gegen die aufsteigende Müdigkeit zu wehren, doch irgendwann überwältigt sie mich vollständig.

Ich wache erst wieder auf, als das Rauschen der Wellen ganz nah an meinem Ohr ist. Von der erneuten Lautstärke alarmiert, hebe ich meinen Kopf, und realisiere, was für einen törichten Fehler ich begangen habe. Ich habe nicht auf das Meer geachtet und jetzt kommt die Flut und nimmt sich alles was sie kriegen kann.

Der Ozean ist eben unersättlich.

Schnell versuche ich aufzustehen und wegzulaufen, doch meinem Körper fehlt weiterhin die benötigte Kraft. Außerdem machen sich meine schmerzenden Gliedmaßen bemerkbar und protestieren stark gegen die Anstrengung. Verzweifelt sinke ich zurück auf den Sand, der schon leicht überschwemmt ist. Das Wasser geht schon bis zu meinen Knöcheln. Ich war so unendlich dumm.

Innerhalb weniger Minuten wird der Ozean stärker und zerrt an mir. Ich versuche auf allen Vieren davon zu krabbeln, doch die Wellen reißen mich mit sich nach Draußen. Ich will nicht sterben! Bitte, lass mich gehen! Aber das Meer hört nicht auf mich und mit der nächsten großen Welle, verliere ich endgültig den Boden unter mir und werde mit der starken Strömung weggetrieben. Hilflos muss ich mit ansehen, wie das Ufer sich immer weiter entfernt und mit jedem neuen Zentimeter zerbricht etwas in mir.

Jegliche letzte Hoffnung stirbt endgültig. Noch ein paar Mal versuche ich gegen das Wasser anzukommen, doch die Kraft reicht nicht mehr aus. Ich schnappe nach Luft und rudere mit meinen Armen, während meine Beine strampeln. Weiter, immer weiter. Aber es reicht nicht aus. Die nächste größere Welle bricht über mir zusammen und nimmt mir die letzte Energie, die noch in diesen müden Knochen gesteckt hat. Ich kann nicht mehr und lasse los.

Ich lasse los vom Kämpfen und der Kraft.

Ich lasse die Hoffnung los.

Ich lasse mein Leben los.

Es gleitet aus meiner Brust hinaus, während die Wellen ihr Machtspiel mit mir spielen. Sie reißen mich auseinander, drücken mich nach unten und lassen mich endgültig von der Oberfläche verschwinden. Sanft wiegt mich das Wasser hin und her, während oben der Sturm weiter tobt.

Meine Seele verlässt meinen Körper endgültig, während dieser wieder kraftlos Richtung Grund sinkt.

Traurig und beschämt erschlafft der Körper und die Augen verlieren jeglichen Glanz, wo einmal Funken der Lebensfreude gewesen sind.

Ich lasse los.

Wenn dich dieser Text belastet hat oder du selbst kämpfst, sprich bitte mit jemandem, dem du vertraust, oder wende dich an eine Hilfsstelle.


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