Ree im Park
Oder: Warum Bänke mich testen
Ree im Park
Oder: Warum Bänke mich testen
Ree im Alltag 14/2026
Ich wollte nur frische Luft. Ein bisschen gehen, ein bisschen denken, ein bisschen so tun, als hätte ich heute nicht schon drei innere Monologe in Dissertationstiefe geführt.
Ich setze mich auf eine Parkbank.
Holz. Neutraler Ausdruck. Diese Art Bank, die aussieht, als würde sie sagen: „Ich beurteile niemanden.“
Sie lügt.
Kaum sitze ich, taucht ein Mann auf. Nicht creepy. Nicht bedrohlich. Nur… kontaktbereit.
Er fragt: „Darf ich mich setzen?“
Ich, höflich-deutsch automatisiert: „Ja klar!“ (In meinem Inneren: WARUM SAG ICH DAS IMMER?)
Er setzt sich. Atmet tief ein. Das war schon zu viel.
Dann beginnt er zu reden.
Ich kenne ihn nicht. Er kennt mich nicht. Aber plötzlich erklärt er mir sein gesamtes Leben in folgender Dramaturgie: — Kindheit — Arbeitskollegen — Lieblingsessen — Ampelsysteme in Supermärkten — und warum Berlin energetisch „zu viel Wolke“ hat.
Ich sitze daneben wie eine notgedrungen engagierte Wohlstandspsychologin.
„Ah ja.“ „Verstehe.“ „Das klingt… viel.“
Er hört: Erzähl weiter.
An einem Punkt sagt er: „Ich weiß gar nicht, warum ich Ihnen das alles erzähle…“
Mein Nervensystem schreit: ICH AUCH NICHT.
Ich lächle weiter. Höflich wie eine Frau, die emotional auf Bewährung ist.
Nach 15 Minuten sagt er: „Es hat gut getan, mal mit jemandem zu sprechen.“
Ich nicke. Das stimmt ja. Für ihn.
Er geht.
Ich bleibe sitzen. Die Bank schweigt unschuldig.
Ich starre in den Himmel und frage mich: Warum bin ich der Mensch, der Gespräche gewinnt, die ich nie führen wollte?
Dann stehe ich auf. Langsam.
Nicht, weil ich schwach bin. Sondern weil ich beschlossen habe:
Die nächste Bank teste ich zuerst.
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