Flüsterndes Chaos der Dunkelheit
Kapitel 3 — Zwischen Gespött und Erkenntnis
Flüsterndes Chaos der Dunkelheit
Kapitel 3 — Zwischen Gespött und Erkenntnis
Aurora wollte nicht charmant sein — und schon gar nicht die Hauptdarstellerin einer spontanen Wahnsinns-Komödie mitten auf der Straße. Doch als sie zum Gespött einer unsichtbaren Wahrheit wird, bleibt ihr nur ein letzter Ausweg: Flucht oder Knoten in die Zunge.
Ich sah es nicht ein, diesem arroganten Schnösel in irgendeiner Form den Vortritt zu gewähren. Sein breites Grinsen machte mich zusätzlich schier wahnsinnig und am liebsten hätte ich ihm etwas richtig Fieses an den Kopf geworfen. Aber ja, ich musste mich bremsen. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil sich der Ort langsam füllte. Womöglich hatte der verbale Schlagabtausch zwischen dem Fremden und mir dazu geführt, dass sich belustigte Menschen näherten, um mehr über die Streitigkeiten zwischen uns zu erfahren. Das kleine Mädchen von eben war auch dabei, vielleicht war sie sogar der Auslöser. Die Frau an ihrer Seite, vermutlich ihre Mutter, hielt sie an der Hand und lächelte amüsiert. Wie auch die anderen.
„Siehst du, was du da angestellt hast? Jetzt kommen sie schon in Scharen, um zu sehen, was für ein toller Hecht du doch bist. Bravo. Aber meine Begeisterung bekommst du ganz sicher nicht!“ Wütend drehte ich mich zur Seite, stemmte die Hände in die Hüften und hörte, wie die ersten anfingen zu kichern. „Was soll das? Habe ich ein Käsebrot im Gesicht? Lametta in den Haaren? Oder ein rosa Faultier auf meiner Schulter sitzen? Was stimmt denn mit euch nicht, dass ihr euch hier ohne ersichtlichen Grund amüsiert?“ Mein Ton war definitiv nicht der freundlichste, und meine Stimme vibrierte auf eine Weise, die mir bis dato unbekannt war. „Es ist eben interessant, mal jemanden zu erleben, der mit einem imaginären Freund spricht… oder in Ihrem Fall vielleicht sogar mit einem imaginären rosa Faultier?“ Was hatte er da gesagt? Imaginär? Das war zu viel für mein Ego. Ich platzte wie ein aufgeblasener Ballon, der auf eine scharfe Nadel trifft. „Imaginäres was?! Ich gebe dir gleich was aufs Imaginäre! Was stimmt denn mit dir nicht?“ Der junge Mann hörte nicht auf zu lachen, zog Grimassen, was mich nur noch wütender machte. „Ach nee, einen Clown haben wir wohl auch noch verschluckt? Du bist ja mal ein ganz großer Held. Sag mal, macht es dir eigentlich Spaß, wildfremde Menschen zu ärgern?“
Meine Stimme bebte, während auch die Umstehenden lachten. Mein Blick fiel auf den Kerl, der das Chaos entfacht hatte. „Du… du bist eine furchtbare Person. Kannst du nicht einfach verschwinden, statt mich zum Gespött zu machen?“ „Och nöö… ehrlich gesagt, so als dein privates… wie nannten sie’s? Rosafarbenes Faultier? Nein, da kann ich nicht einfach so weggehen, das empfinde ich gerade als viel zu spannend. Und nein, ich mache dich nicht zum Gespött…“ Er trat näher und sprach flüsternd: „Das bekommst du nämlich gerade ziemlich gut allein hin.“ „Verschwinde, du Klugscheißer! Geh jemand anderen nerven.“ Ich biss mir auf die Zunge, um nicht Worte zu benutzen, die ich später bereuen würde, vor allem nicht in Anwesenheit eines Kindes. Ich war vielleicht nicht freundlich, aber immerhin hatte ich genug Anstand, es zu versuchen. „Ich glaube, Sie sollten gehen.“ Eine ältere Frau trat näher, legte behutsam ihre Hand auf meine Schulter. „Sprechen Sie nicht weiter. Falten Sie sich einen Knoten in die Zunge. Alles, was die Leute um Sie herum sehen, das sind SIE. Niemanden anderen. Aber diesen ungehobelten Flegel vor Ihnen, den sehen gerade auch nur SIE. Genau wie mich. Bringen Sie sich daher nicht weiter in unschöne Situationen. Belassen Sie es dabei.“ Was hatte sie da gerade gesagt? Ich spreche mit jemandem, den nur ich sehen kann? War das der Grund für das ganze Gelächter? „Wie bitte?“ Ich blickte ihr ins Gesicht und sie schaute mich mahnend an und deutete auf ihren Mund. „Knoten, mein liebes. Denk an den Knoten.“ Okay, und da war es, das Gefühl der absoluten Verwirrtheit. Ich konnte nichts dagegen tun. Es blieb nur ein einziger Weg: Die Flucht. Ich drehte mich zur Meute, legte den Kopf schräg, lächelte und spürte, wie rot ich wurde. „Okay, Vorstellung beendet. Wie ich sehe, hat es funktioniert. Ich übe gerade… na ja… für ein Theaterstück. Es heißt…“ Ich warf dem Kerl, den angeblich nur ich sehen konnte, einen Blick zu und verengte die Augen. „Der unsichtbare Mistkerl Dumbi Bert!“ „Dumbi was? Moment mal, junges Fräulein, diesen Namen gibt es gar nicht!“, polterte er und ich wandte mich dem kleinen Mädchen zu. „Und du, Prinzessin, du bleibst eine Prinzessin.“ Ich wusste, sie wollte alles hören, aber garantiert nicht dieses eine Wort. Also lächelte ich und lief mit schnellen Schritten an allen vorbei. Ich drehte mich nicht mehr um und hielt mir die Hände vors Gesicht. Das alles musste ein schlechter Scherz sein. Vielleicht steckten alle unter einer Decke. Vielleicht gab’s Kameras überall. Ganz egal. Ich hatte mich zum Gespött gemacht und wollte nur noch eins: Nach Hause!!!
Gespannt auf Kapitel 4? Dürft ihr sein, denn es wird weitergehen.
메타데이터
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- 2026-07-18 19:06:02