Die Weite des Herzens — wie groß ist richtig ohne zu zerbrechen?
Woher weiß ich wie groß und weit das eigene Herz eigentlich reicht? Wie groß es sein sollte — was mich berührt, kalt lässt und warum? Ist…
Wieviel Gefühl im Leben ist richtig?
Woher weiß ich wie groß und weit das eigene Herz eigentlich reicht? Wie groß es sein sollte — was mich berührt, kalt lässt und warum? Ist das eigene Tun so richtig und was sollte ich verändern?
Seit rund einem Jahr wohne ich mit 27 Patchwork-Familien-Mitgliedern auf einem antiken Segelschiff. Dieser Umschwung in meinem Leben, das hier aufgekommene Gefühl nicht gebraucht zu werden und seinen Platz im Leben immer noch nicht gefunden zu haben hat mich genau zu dieser Frage geführt:
Stimmt etwas nicht mit mir? Ist mein Herz zu klein — zu groß — nicht richtig auf mich abgestimmt?

Es ist ein Unterschied auf dem Meer zu wohnen — oder es ganz bewusst wahr zu nehmen.
Abends, wenn die Sterne schon da sind und Ruhe auf dem Schiff eingekehrt ist, sitze ich gerne draußen auf dem Aufbau und schaue in die glitzernde See. Viele von uns machen das gerne, ich denke alle aus demselben Grund: Um Ruhe zu finden. Ein Meer von Wellen, immer in Bewegung. Es gibt keinen Stillstand. Ungeahnte Tiefen, Schluchten, Lebewesen — das Meer hat etwas Faszinierendes an sich. Es birgt noch Wunder und Platz für Fantasie.
Warum wohl genau dieser Ausblick einem solche Ruhe verleiht, wo doch das Meer eben niemals ruhig ist? Vielleicht ist es der kleine feine Unterschied, der zwischen Ruhe und Stillstand besteht.
Das eine gibt Kraft weiter zu machen, das andere lähmt und verschließt das Weiterkommen.
Abwechslung und Gleichheit
Der alte Kapitän unseres Schiffes pflegte stets zu sagen Das Meer bietet die abwechslungsreichsten Landschaften unseres Planeten.
Recht hat er. Jeden Tag sind die Bewegungen anders, schmiegt sich die Welle in andere Bewegungen und verändert so tagtäglich ihren Tanz mit Luft und Licht.
Ok Leute, so schön dass oben geschriebene auch klingen mag: Vergessen darf man es nicht, sonst holt einen die Enge der stählernen Lady Stahlratte ein… Mich holt sie oft ein, da hilft nur ständige Eigenmotivation.
Positives Denken! Immerhin kann man auf der 38,5 m langen Stahl-Dame noch gut laufen, auf den kleineren Segelboot-Vertretern wohl kaum. Und wo meine Füße mich früher den abendlichen Ich-verarbeite-den-Tag-Spaziergang durch die unebenen Sträßchen und Feldwege führten unseres Dorfes führten, könnte man jetzt gut die Runden zählen die ich abends an Deck im Kreis herum laufe. Ich weiß, es klingt nicht logisch: Aber gehen hilft mir beim denken — und verarbeiten!
Trotz schwerfallender Wechsel weiter machen
Ich persönlich versuche seit unserem „Lebenswechsel“ vom Selbstversorger-Dörfchen auf ein Segelschiff so gut ich kann weiter zu machen mit Allem, enthusiastisch zu sein usw.
Leider muss ich mir inzwischen eingestehen, doch eine ganz typisch emotionale Frau zu sein (Ladys, bitte nicht angegriffen fühlen!). Wenn in meinem Kopf ein Gedanke quer sitzt, lässt er sich schwer vertreiben und ich muss Tage mit meinem eigenen Gehirn um das Für und Wieder kämpfen, bis Freude, Optimismus und Zuversicht wieder die Oberhand bekommen.
Einfach weg schieben geht nicht, das will durchgekaut werden — und wenn es fünfmal ist!
Ich persönlich habe ein Problem mit sprühenden Optimisten, die schauen sich meiner Meinung nach nur eine Seite im Leben an. Aber genau so habe ich das eben auch mit Pessimisten. Es gibt beide Seiten im Leben, und beide Seiten gehören beleuchtet.
Bloß: Steckenbleiben sollte man nicht!
Auf dem Ozean nah am Wasser gebaut
Und noch etwas: Ich konnte es noch nie an mir leiden nah am Wasser gebaut zu sein… Am schlimmsten ist es bei meinem Mann. Da hab ich ´n scheiß Tag, reiße mich zusammen um weiter zu machen — und genau dann kommt er auf die Idee zu fragen „Was ist eigentlich los?“
Dann ist´s vorbei, dann bröckelt die ganze Fassade von „ich geb mir Mühe“ direkt ab und ich könnte sofort los heulen… Oh Mann!
Mein Glück auf der einen Seite ist, dass er meinen Gemütszustand oft entweder nicht bemerkt oder nicht die Zeit dazu hat sich mit diesem Mysterium überhaupt zu beschäftigen. Und während ihm meine Gefühlszustände von Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt früher ziemlich auf die Nerven gingen, meckert er inzwischen ich wäre gefühlskalt geworden…
Herrjemine, wahrscheinlich kann man es gar nicht allen recht machen — das ist ja bei sich selbst schon schwer!
Tränenreicher Landgang
Vor ein paar Tagen hatte ich noch mal Landgang, weil ich als Kassenwart des Vereines etwas mit zu erledigen hatte. Wir fuhren zu viert mit einem Mietwagen durch die kurvigen Serpentinen von La Gomera, der aktuellen Kanareninsel, an der wir angelegt hatten.
Ich staunte! Überall Kaktusfeigen, atemberaubende Steinformationen, steile Klippen und Abhänge. Auf dem Kamm angekommen staunte ich noch mehr: Da lag weit unter mir das Meer und darüber eine weiße strahlende Decke aus Wolken. Von den Socken war ich, weil man den Horizont dazwischen gar nicht mehr erkennen konnte — das hatte ich noch nie gesehen: Ein Meer aus Wasser — und Wolken!
Die Tränen kamen mir dann (darüber haben wir oben schon gesprochen…) als wir in einen Wald hinein fuhren. Die Bäume wuchsen in die Straße hinein, dicht und mit hängendem Moos bewachsen. Wie lange hatten wir nichts wirklich Grünes mehr gesehen? Eine dicke Wolke schob sich nass durch diesen Wald, und tropfte ihr kühles Nass in Millionen glänzender Perlen herunter.
Während mich das schon ehrfürchtig atmen ließ kam der Hammer mit der grüßenden Sonne: Die streckte ihre Strahlen nach uns aus, und während sie ihr Licht durch die Wolken leuchten ließ, sich in den Bäumen mit ihren huschenden Schatten verteilte, kamen mir genau da die Tränen über die Schönheit dieses Bildes.
Zu meiner Verteidigung: Nur kurz — ich geb mir ja Mühe!
Abendliche Einkehr statt abendliches Weglaufen
Nach diesem Ausflug saß ich abends wieder draußen, glücklich über die Ruhe im äußeren — und die im Inneren. Die habe ich nicht oft, dass auch mal in mir Ruhe herrscht.
Der Mensch ist schon komisch: Wie oft will er genau das haben, was er gerade nicht hat? Für mich kann ich sagen, habe ich jetzt entschieden dieses ganze Gedanken-Kuddel-Muddel über Bord zu werfen! Die Zeit auf dem Ozean zu genießen und bewusster wahrzunehmen. Auch das ist ein Geschenk, das man nicht an sich vorüber gehen lassen sollte — ich erinnere mich selbst immer wieder mal dran, sonst ist der Gedanke schnell wieder verschüttet.
Welche Fragen sind wichtig im Leben?
Natürlich sollte man nicht einfach mit jeder Situation in seinem Leben zufrieden sein, dann hätte man ja fast schon aufgehört zu fühlen — und zu träumen. Vielleicht sollten wir uns bewusst darüber werden: WAS wollen wir? Und: WARUM? Und wieder: WAS sind wir bereit dafür zu tun?
Letztendlich schafft uns die Beantwortung dieser Punkte ein wenig Ruhe. Denn wenn wir bereit sind diesen konsequenter zu folgen, sollte auch klar sein, dass für die Umsetzung „Opfer“ folgen werden.
Was das Leben uns bringt
Früher aufstehen, anderes Essen, keine Bücher mehr, die wöchentliche Serie fällt aus, der tägliche Spaziergang, das joggen am frühen Morgen, Mittagspause, shoppen und, und, und….
Und? Und jetzt? Wenn wir es schaffen das Alles hinter uns zu lassen, weil wir stets vor Augen haben, WARUM wir das aufgegeben haben, und WAS es uns wirklich bringt — dann sind wir ein Stück weiter J Und: Immer noch auf dem Weg! Also bitte: Nicht verzweifeln!
Wir leben, also stehen wir nicht still, also sollte es immer weiter gehen. Auch an Punkten im Leben, die schön sind. In dieser Schönheit erstarren lässt uns auch unglücklich werden — und dann ist es eben auch nicht mehr schön. Wir speichern schöne Momente WEIL sie vergänglich sind — und wir sie erleben durften, sie im Herzen behalten dürfen!
Die Weite des Herzens
Und genau hier lerne ich die Weite meines eigenen Herzens ein bisschen mehr kennen. Was mich wirklich glücklich macht, was mich wirklich berührt — und was eben nicht. Ich habe durch mein Leben in dieser Gemeinschaft erkannt, dass es eben nicht bloß um Schönheit und Lebensqualität geht, darum angenehm Freizeit zu verbringen und erfolgreich Geld zu verdienen.
Das WARUM hat einen großen Platz in meinem, in unserem Leben eingenommen.
An vielen Stellen wirkt das recht unbequem — ist es auch. Aber es hilft mir weiter. Ich erkenne Verhaltensmuster und Denkweisen an mir, die ich abstoßend finde, obwohl ich sie schon so lange lebe. Wie konnte ich die so lange nicht sehen? Ich versuche meine Gegenüber neutraler zu prüfen und mit mir selbst härter ins Gericht zu gehen. Das Leben nicht als selbstverständlich hinzunehmen — und nicht nur meines, das aller Lebewesen.
Und jetzt, wo ich mich so richtig feurig eingeschrieben habe, merke ich wie mein Herz ein bisschen weiter geworden ist! Weil ich froh bin nicht alleine zu sein, weil ich schreiben darf. Es kann beängstigend sein ein winziges Pünktchen in der Galaxie zu sein. Genauso kann es glücklich machen, denn wer möchte so eine Vielfältigkeit ganz alleine erleben?
Unsere Herzen stehen nicht still — sie verändern sich weiter
Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, dass ich getrost lächeln kann (wenn auch ein bisschen schief) da ich genau weiß: Morgen geht es schon wieder los! Zweifeln, Ängste haben, Freude empfinden, traurig sein — wer weiß schon was morgen kommt? Irgendwas bestimmt!
Am dem Punkt, es allen recht machen zu wollen, arbeite ich angestrengt — ich selbst bin eigentlich nie mit mir zufrieden. Die Frage ist nur: WARUM?
Eure Kati
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- 2026-07-27 13:01:19