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EZB legt Zinspause ein – Experte: „Phase stabiler Zinsen hat begonnen“

Erstmals seit Sommer 2022 hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen nicht erhöht. Was bedeutet das? Kommen bald Zinssenkungen?

MKloft in bergfuerst · 2023-10-27 08:51 · 0 claps · 2.1 min read
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EZB legt Zinspause ein – Experte: „Phase stabiler Zinsen hat begonnen“

Erstmals seit Sommer 2022 hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen nicht erhöht. Nach zehn Anhebungen in Folge legt sie nun eine Zinspause ein, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag mitteilte. Überraschend kam eine solche Ankündigung indes nicht, bereits beim vergangenen Zinsentscheid Ende Juli hatte die Notenbank diesen Schritt angedeutet.

Der Hauptrefinanzierungssatz, der oftmals als Leitzins bezeichnet wird, liegt damit weiterhin bei 4,5 %. Der Einlagensatz, den Banken für ihr bei der EZB geparktes Kapital bekommen, bleibt bei 4,0 %. Und der Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank leihen können, rangiert künftig wie bisher bei 4,75 %.

Doch was bedeutet die Zinspause jetzt für Sparer und Bauherren? Und vor allem: Wann wird es eine Zinssenkung geben?

Verivox: Sparzinsen dürften bald wieder sinken

Laut dem Vergleichsportal Verivox gab es auf einzelne Festgelder bis zu 4,75 % bei einem Jahr Laufzeit. Damit konnten sich Sparerinnen und Sparer erstmals seit der Zinswende Erträge oberhalb der Inflationsrate sichern, also Realzinsen erwirtschaften. Dass die Zinsen auf Tages- und Festgeld jedoch noch (sehr viel) weiter steigen werden, ist unwahrscheinlich.

Denn laut Verivox könnte „die Ära des anhaltenden Zinsanstiegs bald ein Ende haben“. Mit einem Plus von 0,02 bis 0,04 Prozentpunkten seien die Durchschnittszinsen aller ausgewerteter Termingelder im Oktober so schwach gestiegen wie seit Frühjahr 2022 nicht mehr.

„Ein Großteil der Markteilnehmer rechnet in Zukunft eher mit konstanten oder sogar wieder sinkenden Zinsen“, sagte Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich. „Momentan deutet viel darauf hin, dass die Festgeldzinsen ihren Gipfel bald erreicht haben.“

Für sicherheitsorientierte Sparerinnen und Sparer bedeutet das: Sich womöglich jetzt noch Festgelder sichern – bevor die Zinsen wieder sinken. Kapitalanlagen werden dagegen wieder attraktiver.

EZB-Sitz in Frankfurt am Main (Symbolbild). Bildquelle: © PantherMedia / bloodua

EZB-Sitz in Frankfurt am Main (Symbolbild). Bildquelle: © PantherMedia / bloodua

Immobilienaktien legten nach Zinsentscheid zu

Für den Immobilienmarkt könnte die Zinspause zunächst eine Verschnaufpause darstellen. So haben Immobilienaktien nach dem gestrigen Zinsentscheid zugelegt. Allerdings ist es möglich, dass die Bauzinsen bald etwas anziehen dürften.

Denn: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ist Anfang der Woche auf mehr als fünf Prozent gestiegen. Hypothekenzinsen richten sich dabei nach den Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen, die ebenfalls jüngst anzogen. Zuletzt lagen Bauzinsen mit zehn Jahre Laufzeit bei etwa 4 bis 4,2 %, sind im Vergleich zu den vergangenen Monaten also minimal gestiegen.

Wann wird es eine Zinssenkung geben?

Experten begrüßten indes mehrheitlich die Zinspause. Sie rechnen damit, dass die Zinsen erst einmal auf dem Niveau verharren werden.

„Mit dem Verzicht auf eine weitere Zinserhöhung dürfte nun eine Phase stabiler Zinsen begonnen haben“, kommentierte etwa Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, den Zinsentscheid. „Auch in den kommenden Sitzungen ist kaum mit Zinserhöhungen zu rechnen, denn die Daten, anhand derer die EZB ihre Zinsentscheidungen von Sitzung zu Sitzung prüft, dürften aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Anlass dazu geben.“

Der zur Deutschen Bank gehörende Vermögensverwalter DWS geht indes davon aus, dass die Inflation weiter zurückgeht – und sich mittelfristig die Tür für eine Senkung des Zinssatzes öffnet.

„Nach wie vor rechnen wir Ende des zweiten Quartals 2024 mit einer ersten Zinssenkung“, sagte Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa bei der DWS.


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