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Treibstoff für das Ego

Wie gängige Denkstrukturen unser Ego befeuern und wie man der Falle „Egotrip“ entkommen kann

Marlene Winterfeld · 2020-09-25 20:50 · 0 claps · 4.0 min read
#extend #persönlichkeit #ego #überwindung #inneres-wachstum
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Treibstoff für das Ego

Wie gängige Denkstrukturen unser Ego befeuern und wie man der Falle „Egotrip“ entkommen kann

Fire by Adonyi Gábor on Pexels.com

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Eine Kunstausstellung. Der Titel macht neugierig: Zero Ego Show. Kokettieren mit einem gleichzeitig geliebten und viel gehassten Thema der Gesellschaft. Warum erscheint es, als sei ein grosses Ego eine zelebrierte Ressource in vielen Teilen der Welt und wäre es zur Abwechlsung nicht mal schön, in einer Zero Ego Show zu leben?

Lokalisierung des Ego — ein Abriss

Stellen wir uns vor, in einer Person hat es mehrere Teile. Dort gibt es den Teil der Kindes, den Teil der Vernunft oder logischen Denkens, den Teil der Intuition und den des Egos. Sie alle nehmen ihren Platz innerhalb eines Menschen ein und je nach Betonung des Teils kommen im Menschen selbst verschiedene Züge zum Vorschein. Allerdings ist in der Art und Weise der Selbstdarstellung, des Konsums und der Kommunikation durch Massenmedien vermehrt eine personenfixierte Entwicklung zu beobachten. Somit liesse sich die These aufstellen, dass der Egoteil innerhalb eines individuellen Menschen mittlerweile eine Art Führungsposition übernommen hat. Einige Glaubenssätze, die unser kollektives Bewusstsein, unsere Ausbildung und sogar die Struktur unseres Wirtschaftssystems bestimmen, schaffen hierfür günstige Bedingungen.

3 problematische Glaubenssätze, die die Führungsposition des Egoteils begünstigen

  1. „Es gibt nicht genug materielle und immaterielle Ressourcen“ Das Prinzip der Verknappung, sei es in der Konsumgüterindustrie, der Finanzwelt oder den natürlichen Ressourcen versetzt das limbische System, oder genauer gesagt Teile der Amgydala in Angst. Verknappung heisst auch immer Überlebenskampf. Überlebenskampf bedeutet Gefahrensituation, in der man sich bereit für Angriff oder Verteidigung macht. Die ständige Konfrontation mit dem Glaubenssatz, dass es von allem nicht genug hat, versetzt uns in einen Zustand von Furcht. Jemand muss Kontrolle übernehmen, die Dinge regeln, aufpassen, dass es genug Ressourcen zum Überleben hat: Das Ego. Es bietet helfend eine Hand, um all diese (oft künstlich hergestellten) Verknappungszustände zu regeln. Wie wird jemand, der unterbewusst ständig von Knappheitsgedanken umgeben ist wohl reagieren? Er wird sich vor anderen schützen wollen, gleichzeitig versuchen seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, zu erst an sich denken, schliesslich geht ja um das nackte Überleben. Dementsprechend reagieren wir auch auf unsere Umwelt, selbst, wenn sie uns nicht an die Taschen wollen.
  2. „Du bist nicht genug“ Ressourcenverknappung führt auch zu Rangfolgen, Hierarchien. Erster, Zweiter, Dritter… Letzter. An welchem Platz will man stehen? Ein Kreislauf der Beurteilung ob in Noten, Plätzen, Gehältern oder Schönheit startet. Wie erfolgreich ist man im Beschaffen von finanziellen Mitteln, wie attraktiv ist man, welche Uni wurde absolviert und wie — wir beginnen uns obsessiv mit anderen zu vergleichen und merken (vermeintlich) innerlich schnell: Ich bin nicht genug. Es gibt Abhilfe, säuselt das Ego, hält uns eine vermeintlich rettende Leine hin und sagt: “Wir müssen nur nach aussen hin so tun, als ob alles wunderbar ist, als ob wir stark und clever sind, als ob wir besser sind als all die anderen. Lass uns andere verschmähen, dann ist es einfacher sich in einem besseren Licht zu sehen.” Und down the rabbit whole geht es mit allen moralischen Vorstellungen und den guten Vorsätzen eine offene und ehrliche Person zu sein. Wir möchten uns doch eigentlich nur genug fühlen. Innerlich verstanden werden, verstehen, dass wir da richtig sind, wo und wie wir gerade stehen.
  3. „Fehler sind Scheitern“ Fliegt man aus diesem Hamsterrad des Erreichen von besser, höher, weiter und landet unsanft auf dem Boden der Tatsachen, wartet die nächste interne und externe Schmähung in Form eines starken Glaubenssatzes auf uns: “Wenn du einen Fehler machst, scheiterst du.” Aua, harte Landung denkt man da. Das Ego hält ein weiches Kissen parat und grinst, es flüstert: “Erzähle es doch einfach niemandem, wir halten es geheim, tun so, als wäre alles richtig gelaufen.” Dankbar nehmen wir das weiche Kissen und setzen uns drauf. Für einen Moment fühlt es sich richtig gut an, bis man nach Fehler Nummer 485 auf einem so grossen Berg aus Kissen sitzt, dass man darin zu ertrinken droht. Innere Unehrlichkeit und das Gefühl, etwas verstecken, oder übertünchen zu müssen kostet nicht nur eine unglaubliche Menge an Energie, sondern ist gleichzeitig auch einer der abwehrenden Mechanismen, die egoistisches Verhalten gegenüber anderen stark fördert.

Möglichkeiten der Entkräftung

Nun mag der Punkt kommen, an dem diese Strukturen eher Schaden als Schatz gebracht haben und man vor der Wahl dieser beiden Optionen steht: 1) Resignieren und so weiter machen, oder 2) eine Alternative finden.

Das zweite Szenario bedeutet Aufwand, doch lockt mit einem dankbaren Lohn: weniger Ich, mehr Wir. Weniger Vergleich, mehr Gleichheit.

  1. Beobachtung: Wer ein Fan des Beobachtens von Leuten in Cafés oder Restaurants ist, wird jetzt jubeln. Denn es hilft andere zu beobachten, weil wir dann auf Handlungsweisen, Reaktionen und Probleme dieser Menschen aufmerksam werden. Eine Fähigkeit, die man jetzt hervorragend — mit einem objektiven, möglichst neutralen Blick — auf sich selbst anwenden kann. Beobachte dich in folgenden Situationen:
  • Du hast einen Fehler gemacht — wählst du (Ego-)Kissen oder Klarheit?
  • Ein Freund feiert einen Erfolg, wie reagierst du? Schmähen oder Jubeln?
  • Dein vorheriger Partner hat eine neue Freundin, was denkst du? Fühlst du dich besser oder erkennst die guten Seiten deines „Ersatzes“?
  1. Hinterfrage gängige Strukturen, Glaubenssätze, Gedankenmuster: Finde 5 starke eigene Gedankenmuster, die du häufig mit Aufmerksamkeit bedenkst. Meistens fangen sie mit „ich muss / ich soll“ an.
  2. Trainiere dich, die Gemeinsamkeiten von Dingen und Menschen zu finden, anstatt die Unterschiede: Jedes Mal wenn du andere beobachtest, dich vergleichst oder Fehler machst, finde die Gemeinsamkeit zu dir und anderen.
  3. Zentralisierung nach Innen (heraus aus dem Externen): Anstatt sich von Gefühlen, Wünschen und Gedanken des externen Umfelds und deren Erwartungen an dich zu beschäftigen, richte den Fokus auf deine eigenen Gefühle, Gedanken und Wünsche. Was beschäftigt dich eigentlich? Dies ist keinesfalls egoistisch, sondern investigativ. Du untersuchst dich, lernst dich besser kennen, um so langsam zum Verständnis deiner wahren Talenten und Verbesserungspotenzielen zu gelangen.

Vielleicht erkennst du nach einiger Zeit, dass dein Ego mit diesen Entkräftungen weniger oft einsprichen muss oder bzw. Treibstoff erhält, weil du mehr und mehr als Gesamtorganismus lebst und nicht diesen lauten Teil des Egos all die Kontrolle überlässt.


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