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Warum ich (endlich) aussteige.

Gemeint ist der Ausstieg aus Facebook. Seit meinem ersten Smartphone, 2010, nutzte ich WhatsApp sechs Jahre lang.  Seit 2016 nicht mehr…

herrselent · 2018-10-12 15:27 · 0 claps · 3.6 min read
#facebook #ausstieg #fomo #datenschutz #sicherheit
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Photo by Thought Catalog on Unsplash

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[DE] Warum ich (endlich) aussteige.

Gemeint ist der Ausstieg aus Facebook. Seit meinem ersten Smartphone, 2010, nutzte ich WhatsApp sechs Jahre lang. Seit 2016 nicht mehr. Sämtliche Apps der Facebook Inc. verbrauchen schon lange keinen Platz mehr auf meinem Smartphone. Websuchen führe ich durch DuckDuckGo, sowohl auf meinem Smartphone, als auch auf meinem MacBook, aus. Ich nutze einen Inhaltsblocker in Safari und einen Adblocker (Ka-Block!) und außerdem einen Tracker-Blocker (Ghostery), der z.B. den Schnüffeleien von Google und Facbook ein Ende setzt. Meinen Kalender und mein Adressbuch, werde ich zukünftig in einer eigenen Cloud, oder zumindest in einer Cloud eines kleinen Europa-ansäßigen Unternehmens ablegen.

Mehr Persönlichkeit und Privatsphäre. Die letzten zwei Jahre — mit den bekanntgewordenen Datenskandalen durch Facebook — haben mir gezeigt, dass Facebook Inc. der Schutz meiner persönlichen Daten vollkommen egal ist. Diese werden fröhlich mit Drittanbietern geteilt, um damit Gewinne zu generieren. Umsatz und Werbegewinne sind offensichtlich die alleinige Motivation für Facebook. WhatsApp und der fb Messenger saugen private Inhalte und Kontaktdaten auf und sammeln außerdem fleißig Meta-Daten über uns, die mindestens genauso so viel über uns aussagen, wie die tatsächlichen Inhalte, die schön E2E-verschlüsselt täglich zwischen Endgeräten getextet werden. Über die Inhalte braucht man übrigens nicht mal wirklich diskutieren. Wir wissen alle, welche gehaltvollen Posts und Kommentardiskussionen hauptsächlich auf Facebook stattfinden und wie gedankenvoll haufenweise Geburtstagswünsche gemeint sind, wenn jeder Morgens quasi mit der Nase darauf gestoßen wird. Es geht hier weniger darum, was man mitteilt, sondern wann, wo und mit wem man kommuniziert — oder wo man sich einfach nur aufhält, weil auf diese Daten von entsprechenden Apps zugegriffen wird (Schau mal in den Berechtigungen für Standortzugriff, Adressbuchzugriff, Kamerazugriff etc. in deinem Smartphone nach).

Weniger Zeitfresser — mehr Relevantes. In Expertenkreisen spricht man von “FoMo” (Fear of Missing out), also der Angst etwas zu verpassen, die im Umgang mit Sozialen Medien und Messengern eine große Rolle spielt. Bin ich nicht Erwachsen genug, damit umgehen zu können? Ich habe mich im letzten Jahr sehr zurückgenommen, habe seit etwa zwei Jahren keine Bilder mehr meiner Kinder gepostet und nur zu sehr kritischen Themen Postings erstellt. Die Interaktion auf Facebook mit meinen “Freunden” ist derart eingeschlafen, dass ich mir selbst eingestehen musste, dass ich auch genauso gut hätte nicht vorhanden sein können. Beobachte dein Verhalten selber einmal eine Zeit lang. Sei ehrlich zu dir selbst und stelle dir die Fragen dann erneut. Eventuell klappt es phasenweise gut, dann wieder nicht, dann mal wieder besser nicht ständig Posts und Stories zu überprüfen und ellenlang durch deinen Feed zu scrollen. Die Zeit, die ich nicht mehr bei Facebook verbringen werde, kann ich sinnvoller gestalten.

Selektive Aufmerksamkeit. Jedermann postet fast nur die aufmerksamkeitshaschenden Momente seines Lebens. Knallhart gesagt: Posts sind reine Selbstinszenierung! Ich stelle mir die Frage, ob man das bei der Kommunikation von Gesicht zu Gesicht auch tut. Vermutlich nicht, aber Fakt ist doch, dass es in den Posts oder Stories Sozialer Medien um den Urlaub, das besondere Fotoshooting, das neue Auto, das elegant dekorierte Frühstückscroissant, der Besuch des neuen angesagten Cafés oder die Anwesenheit bei einem Konzert geht. Mit meinem Ausstieg nehme ich mir selber die Möglichkeit in diesem, meiner Meinung nach dämlichen, gesellschaftlichen Wettinszenieren teilzunehmen. Das hat auch etwas mit Authentizität zu tun: Mein Leben besteht nicht nur aus den Hochs (und Tiefs), sondern auch aus dem Dazwischen, dem Belanglosen und Unspektakulären, nur, das postet man natürlich niemals.

Ziele setzen — neu definieren. Ich denke nicht, dass ich mehr als andere, Probleme damit habe mir Ziele zu setzen und diese mittel- oder längerfristig verfolgen zu können. Erwiesen ist aber, dass durch die Nutzung von Social Media (Posts erstellen, Likes dafür erhalten, positive Reaktionen auf Kommentare erhalten etc.) vermehrt die Region im Gehirn aktiviert wird, die für Belohnungen zuständig sind. Wir sind alle betroffen, ich also auch, schnell mal eben einen Like da zu lassen, oder nachzuschauen, wer meinen letzten Post geliked hat oder sich meine Storie angesehen hat. Mein Belohnungszentrum im Gehirn wird getriggert. In der Summe und auf längere Zeit gesehen, verlerne ich vielleicht damit den Fokus für meine eigentlichen Ziele. Vergleichbar ist das möglicherweise mit dem Konsum von Zuckerhaltigem, der mir den Geschmack an gesundem Obst und Gemüse kaputt macht und mich langsam in die Obesität führt.

Warum das Ganze — meine Daten sind doch ohnehin schon bekannt? Neben den beschriebenen Effekten auf Psyche und Emotionen, möchte ich den großen Datensammlern keine weiteren persönlichen Hinweise über mich zu geben. Ich werde zukünftig als Produkt für Werbetreibende uninteressant und Facebook kann mit meinen Interessen, Neigungen, Tendenzen kein Geld mehr verdienen. Für mich klingt das nur logisch.

Wie man mich kontaktieren kann Ich werde weiterhin auf Twitter erreichbar sein. Dort ergibt sich für mich ein produktiverer Austausch zu Themen, weil dort Menschen publizieren, die ihre Posts tendenziell überlegter vornehmen. Außerdem habe ich ein Profil auf Medium, um z.B. umfassendere Texte zu veröffentlichen. Je nach dem wie eng wir befreundet sind, gebe ich dir meine Handynummer und wir können gerne SMS oder Nachrichten über iMessage schreiben. Außerdem bin ich über die Messenger Threema und Wire zu erreichen. Verständlicherweise veröffentliche ich jetzt hier nicht alle Details, sondern verweise auf meine Webseite. Dort kannst du mich über ein Formular anschreiben, darin deine Kontaktdaten, über die ich dich erreichen kann, hinterlegen und dann schicke ich dir gerne meine.

Meine Webseite findest du unter www.benjamin-selent.de .

Vielleicht treffen wir uns mal auf einen Kaffee oder Tee außerhalb der digitalen Welt und quatschen eine Runde über Relevantes?


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