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EXIL (1939), von Lion Feuchtwanger

Resenha

Vanessa Nunes Kaut · 2023-08-22 18:37 · 0 claps · 4.7 min read
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EXIL (1939), von Lion Feuchtwanger

Resenha

Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren. Er studierte Philologie und Philosophie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der pazifistische, sozialkritische Schriftsteller aus Deutschland ausgebürgert; seine Werke fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Feuchtwanger floh nach Frankreich, wo er bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1940 lebte. Noch im selben Jahr gelang ihm die Flucht über Spanien und Portugal in die USA. Gemeinsam mit Bertolt Brecht und Willi Bredel veröffentlichte Feuchtwanger Das Wort Emigrant. In seinem ersten historischen Roman, Die hässliche Herzogin (1923, später unter dem Titel Margarete Maultasch veröffentlicht), schildert er das Leben im Tirol des 14. Jahrhunderts. Es folgten Jud Süß (1925), eine Reihe von Romanen aus dem 18. Jahrhundert, und die Josephus-Trilogie, bestehend aus den Romanen Der jüdische Krieg (1932), Die Söhne (1934) und Der Tag wird kommen (1945). Es gibt Hinweise darauf, dass der Autor bereits vor der Fertigstellung dieser Trilogie andere Werke veröffentlicht hat, die ebenfalls zu einer Trilogie werden sollten, die so genannte Wartesaaltrilogie oder Wartesaalzyklus. Diese besteht aus Erfolg — Drei Jahre Geschichte einer Provinz, Die Geschwister Oppermann und Exil.

Die Trilogie Das Wartesaal versucht, die Situation in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, Hitlers Machtergreifung und die Exilsituation der Andersdenkenden darzustellen. Das Warten auf eine Rückkehr in die Heimat und auf eine bessere Ordnung in der Gesellschaft der Zukunft spielt vor allem in Exil eine zentrale Rolle. Die Hauptfiguren Sepp, Hanns und Anna finden für sich selbst die richtige Lösung, um mit dieser Situation umzugehen. Ursprünglich sollte die Trilogie um ein viertes Buch ergänzt werden. Dieser sollte die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat schildern, wurde aber nie vollendet. Feuchtwanger starb am 21. Dezember 1958 (74 Jahre) an den Folgen einer Krebserkrankung in Los Angeles in den USA. Er kehrte nie nach Deutschland zurück.

Bevor man über da Buch Exil sprechen kann, ist es wichtig ein wenig über die beiden anderen Geschichten, die die Trilogie bilden, zu erfahren. Im ersten Roman der Wartesaal-Trilogie, Erfolg — Drei Jahre Geschichte einer Provinz, wird die Atmosphäre der frühen 1920er Jahre in München aus politischer, kultureller und wirtschaftlicher Sicht geschildert. Der Aufstieg des Nationalsozialismus auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft wird durch den historischen Kontext beleuchtet, wobei oft reale Zeitzeugen angesprochen werden. Jaques Tüverlin und seine Freunde kämpfen für das Recht des Münchner Museumsdirektors Dr. Martin Krüger, der nach einer Justizkomödie unschuldig aus politischen Gründen ins Gefängnis kommt. Seine Freunde erreichen, dass er freigesprochen wird, aber er kommt nie wieder frei und stirbt vor seiner Entlassung. Die politische Reaktion in Bayern bis zum Zusammenbruch wird von dem hysterischen Kleinbürger Kutzner geschildert. Er taucht in Gasthäusern auf, scheitert schließlich mit seinem Putschversuch und stellt somit keine politische Bedrohung dar.

Der Roman Die Geschwister Oppermann handelt von der Notlage einer jüdischen Familie zur Zeit der Machtergreifung Hitlers. Das Buch wurde zwischen November 1932 und Spätsommer 1933 geschrieben. Die großbürgerliche jüdische Familie Oppermann muss die Folgen der Machtergreifung am eigenen Leib erfahren. Dies wird durch die Einzelschicksale der Familienmitglieder verdeutlicht. Gustav Oppermann, ein Möbelladenbesitzer und Schriftsteller, durchlebt die verschiedenen Phasen der Judenverfolgung in Deutschland. 1933 kehrt er aus dem Exil nach Deutschland zurück, um die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten aufzudecken. Er wird verhaftet und stirbt an den Folgen seines Aufenthalts in einem Konzentrationslager. Gustav Oppermanns Geschwister Martin, Edgar und Klara werden zur Auswanderung gezwungen. Berthold Oppermann muss sich mit dem Einfluss der Nationalsozialisten in seinem Schulleben auseinandersetzen und erliegt dementsprechend.

In Exil porträtiert Feuchtwanger die Debatten, die politischen Ideen und das Leben deutscher Intellektueller, die vor den Nazis geflohen sind, und setzt damit seine Beschäftigung mit dem Lauf der Zeit in den 1930er Jahren fort. Die Handlung spielt sich in Cafés, Hotelzimmern und Verlagsbüros im Paris des Jahres 1935 ab, wo sich Exilanten und Nazis, Agenten und Beamte, Künstler und Journalisten treffen. Der Roman schildert eindrucksvoll den tristen Alltag der Emigration: den Kampf gegen Bürokratie und Depression, politische Zwietracht, Verzweiflung und Einsamkeit. Der Protagonist Sepp Trautwein, ein bayerischer Musiker, verließ Deutschland aus Abscheu vor den neuen Machthabern. Er kämpft nun für die Freilassung des von den Nazis entführten Journalisten Friedrich Benjamin und veröffentlicht Artikel in den “Pariser Nachrichten”, um die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam zu machen.

Im anschließenden Tauziehen zwischen der faschistischen Parteizentrale und den in Paris lebenden Exilanten vermischen sich private und politische Interessen. Der Kompromiss für oder gegen Benjamin, für oder gegen die Redaktion bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Schicksale der Emigranten und ihrer nationalsozialistischen Pendants.

Anna, Trautweins Frau, bricht aus der Einsamkeit des Exils aus und setzt ihrem Leben ein Ende. Ihr Sohn Hannes wendet sich dem Kommunismus zu und geht schließlich in die Sowjetunion, um Architektur zu studieren. Trautwein, der dann Zeuge von Benjamins Befreiung wird, bleibt isoliert.

Der zweite Protagonist, Erich Wiesener, ist der Pariser Korrespondent der Westdeutschen Zeitung. Nach Hitlers Machtergreifung schreibt er seine Feuilletons im Geiste des neuen Reiches. Doch als Opfer seiner eigenen feigen Handlungen verliert der Opportunist die Menschen, die ihm wichtig sind, wie seinen Sohn Raoul, der wegzieht, und seine langjährige Geliebte.

Das Werk ist einer der wichtigsten deutschsprachigen Romane, die sich mit dem Exil beschäftigen. Lion Feuchtwanger schrieb seinen Roman aus einer genauen Kenntnis der gebrochenen deutschen Emigration heraus, dieses elenden Flohzirkus, der viele terrorisierte, klein und elend machte, manche abhärtete und manche breiter werden ließ.

Viele engte das Exil ein, aber den Besseren gab es mehr Weite, Elastizität, es gab ihnen Blick für das Große, Wesentliche und lehrte sie, nicht am Unwesentlichen zu haften. Menschen, von New York nach Moskau geworfen und von Stockholm nach Kapstadt, mußten, wenn sie nicht umkommen wollten, über mehr Dinge nachdenken und tiefer in die Dinge hineinschauen als solche, die ihr Leben lang in ihrem Berliner Büro festhockten (Lion Feuchtwanger, Exil, 2008, p. 161).

Exil wird in 3 Bücher aufgeteilt: Sepp Trautwein, Pariser Nachrichten, Der Warteraum. Jedes Buch steht unter einem Motto, das durch ein Gedicht illustriert wird. Dieses Motto spiegelt auch die zentrale Botschaft des Buches wider. Das Buch wird als ein Zeitroman betrachtet und ebenfalls als ein Schlüsselroman. Die Handlung greift einige der Personen und Ereignisse dieser Zeit auf und bringt sie ins Spiel. Die Ereignisse in den Pariser Nachrichten orientieren sich an dem Streit, der 1935 um die Exilzeitung Pariser Tageblatt entbrannte. Es wurde vermutet, dass Nazis in die Redaktion eingedrungen waren. Auch die Entführung des Journalisten Benjamin beruht auf Fakten. Am 9. März 1935 wurde Berthold Jakob in Basel von den Nazis entführt, massive internationale Proteste führten zu seiner Freilassung.

Exil wurde 1939 von Querido in Amsterdam veröffentlicht, dann 1940 von Viking Press England, 1949 in der DDR. In Deutschland gibt es bisher nur lizenzierte Editionen. Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger begann die Arbeit an diesem Typoskript des Romans Exil im Mai 1935 und schloss den Roman im August 1939 ab. Durch seine regelmäßigen Besuche in dem ruhigen Fischerdorf Sanary-sur-Mer, das er als Wohnsitz im französischen Exil wählte, kannte Feuchtwanger die Pariser Exilkreise und ihr turbulentes Leben. Er reiste unter anderem nach Paris, um mit Heinrich Mann an der Gründung der Deutschen Freiheitsbibliothek zu arbeiten.

Feuchtwangers Figuren ringen um ein Gleichgewicht zwischen der Anpassung an die harten Anforderungen des Lebens im Exil und dem Festhalten an ihren Idealen. Obwohl der Autor für einzelne Motive des Romans auf reale historische Ereignisse zurückgriff, zog er es vor, einzelne Figuren bildlich darzustellen. Er wollte keine echten, sondern historische Menschen porträtieren und man kann sagen, dass es ihm komplett gelungen ist.

Referências

FEUCHTWANGER, Lion. Exil. Aufbau Taschenbuch Verlag, 2008.

FEUCHTWANGER, Lion. Lebenslauf, Biografie, Werke. Wortwuchs. Disponível em: https://wortwuchs.net/lebenslauf/lion-feuchtwanger/ Acesso em: 18.06.2022.


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