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3 Tage mit einem Juden

Letzte Woche habe ich 3 Tage mit dem deutsch-jüdischen intellektuellen Autor Chaim Noll verbracht. Diese Begegnung hat mich sehr…

Sascha Të Light · 2025-09-24 07:40 · 0 claps · 3.3 min read
#judentum #jude #autor #erasmus #politik
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3 Tage mit einem Juden

Wie du vielleicht mitbekommen hast, habe ich vergangene Woche drei Tage mit dem deutsch-jüdischen Intellektuellen und Autor Chaim Noll verbracht. https://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Noll

Diese Begegnung hat mich wirklich sehr inspiriert und bewegt, sodass ich kurz die Erfahrung mit dir teilen mag.

Im Zuge meines Praktikums am deutsch-ungarischen Institut in Budapest ist es unter anderem meine Aufgabe, die Gäste am Institut auf ihrem Programm während ihres Aufenthaltes zu begleiten und darüber einen Bericht zu schreiben. Den offiziellen, von mir geschriebenen Bericht dazu kannst du hier lesen:

https://magyarnemetintezet.hu/de/veranstaltungen/veranstaltungsbericht-antisemitismus-in-europa-heute

Bevor Herr Noll in das Auto stieg, mit dem wir von Budapest in den Osten Ungarns fuhren, hatte ich sehr überschaubare Kenntnisse über sein Wirken. Da er Jude ist, ist dieser Austausch auch von gehobener Sensitivität für mich gewesen. Ich hatte zuvor kaum kommunikative Berührungspunkte mit Juden. Daher wusste ich nicht, was ist angemessen zu sagen? Inwieweit ist es möglich, meine bisherigen Eindrücke und Empfindungen mit Juden auszusprechen? Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Ungarn eine sehr philosemitische (judenfreundliche) Haltung einnimmt. (Als kurzer Exkurs: Dies auch aus dem politisch, pragmatischen Ansatz Orbańs, mit allen zu kooperieren, um die Konnektivität und somit die Wohlfahrt Ungarns zu fördern, auch wenn man nicht in allen Punkten mit den Ansichten anderer Nationen übereinstimmt.)

Zunächst verhielt ich mich ruhig im Auto. Ich trug zunächst kaum etwas zu dem Gespräch zwischen Herrn Noll und dem ungarischen Kollegen vom Institut bei. Ich habe wahrgenommen, wie welche Dinge und Sichtweisen ausgetauscht werden. Als wir an einem ersten Ziel angekommen waren, ereignete sich ein sonderbarer Zwischenfall. Ein orthodoxer Jude, der in seiner traditionellen Kleidung gekleidet war, eilte zu unserem Auto und begann auf hebräisch zu reden. Zunächst dachte ich, er hätte vielleicht Herrn Noll erkannt, doch dieser reagierte ebenso perplex. Dann rief der orthodoxe Jude zwei weitere heran. Sie öffneten den Kofferraum und packten ihre Sachen bereits in den Kofferraum. Wir hatten keine Ahnung wie uns geschah! Dann machten wir ihnen klar, dass wir nirgends hinfahren und dass dies nicht zulässig sei. Sie wollten von uns irgendwohin gefahren werden und handelten, bevor wir dem zustimmen konnten. Später erzählte uns ein gemäßigter Jude (auch im Judentum gibt es unterschiedliche Strömungen, ähnlich wie Katholiken, Evangeliken, etc.), dass dies quasi eine typische Verhaltensweise orthodoxer Juden sei. Er brachte die Analogie, dass Orthodoxe in einem Flugzeug solange auf dich einreden und alles von dir nehmen, bis sie alles für sie interessante hätten. Dann würden sie dich aus dem Flugzeug fallen lassen, um danach gleichgültig festzustellen, dass du ja gar keinen Fallschirm hättest.

Herr Noll ist auch von sich aus interessiert gewesen und fragte mich zu meinem Studium und Werdegang. Auch aufgrund dessen wurde ich gesprächiger und fragte ihn zu seinem Werdegang und zu seinen Ansichten. Er ist konservativer Denkrichtung, kritisiert offen die Geschehnisse in Deutschland, insbesondere die Umstände im Bezug auf Muslime. Er schreibt unter anderem in seinen Büchern fundiert, wie inhärent unfriedlich der Islam gegenüber anderen Glaubengemeinschaften sei. Die Kritik am Islam und der politischen Entwicklung in Deutschland förderte interessante Gespräche zwischen uns. Nachdem ich erwähnte, dass ich bald vergleichende Religionswissenschaften studieren würde, schenkte er mir eines seiner Bücher. Ich sagte, dass ich dafür selbstverständlich auch bezahlen würde, doch er bestand darauf und schrieb mir noch einen persönlichen Gruß in das Buch.

Ich schätze dies sehr wert. Der Austausch hat einiges an Verständnis und auch Befähigung in mir für den Austausch mit Juden geschaffen. Besonders hautnah zu erleben, wie jemand so authentisch die inneren Empfindungen und Sichtweisen ausspricht, davo

n können wir Deutschen sehr viel lernen. Wir merken gar nicht, wie oberflächlich und nicht tiefgründig viele eigentlich argumentieren. Wir wissen nicht, was wir nicht wissen. Dies ist auch ein gut studiertes Phänomen, der Dunning Kruger Effekt. https://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt

Dies ist mir während meines Aufenthaltes hier in Ungarn bewusst geworden, wo eine viel transparentere, ehrlichere und tiefgründigere politische Debatte herrscht. In Ungarn sind sich die Menschen der verschiedenen Sichtweisen der verschiedenen Lager sehr wohl bewusst und haben ihre eigene Präferenz, die sie auch immer und überall frei, öffentlich aussprechen und vertreten können. In Deutschland oder gar Großbrittannien sieht das mittlerweile ganz anders aus, wo Menschen für online geteilte Bilder verklagt werden.

Somit möchte ich meinen kurzen Erlebnisbericht mit diesem Plädoyer schließen. Spreche immer aus, wonach du dich innerlich fühlst und was du für richtig hältst. Habe dabei den Demut und die Kompetenz, vielleicht falsch zu liegen und bereit für eine offene Debatte zu sein, in der hierarchiefrei das beste Argument gewinnt. (Grüße gehen raus an Jürgen Habermas.) Nur, wenn wir alle für die Freiheit und Wahrheit, eine erfreuliche Zukunft laut eintreten, kann diese auch verwirklicht werden.

Sonnige Grüße aus Budapest an dich.


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