Jahre habe ich damit verbracht, dich zu vergessen.
Die Stille, die mich verriet.
Jahre habe ich damit verbracht, dich zu vergessen.
Drogen. Alkohol. Flüchtige Körper. Alles, was laut genug war, um deine Stimme zu übertönen. Tag und Nacht kämpfte ich gegen das, was du in mir hinterlassen hattest. Gegen die Erinnerungen. Gegen die Sehnsucht. Gegen eine Hoffnung, die einfach nicht sterben wollte. Du warst die Liebe meines Lebens. Die einzige Frau, die mich wirklich sah. Nicht mein Gesicht. Nicht die Fassade. Mich. Und genau deshalb musste ich dich begraben. Doch je tiefer ich grub, desto heftiger brachst du wieder hervor. Wie etwas Lebendiges, das sich weigert zu verrotten. Mein Leben wurde zu Schmerz. Zu Trauer. Zu Dunkelheit. Jahrelang redete ich mir ein, ich könnte die Konsequenz tragen. Ein Leben ohne dich. Ich dachte es wirklich. Also lief ich weiter. Betäubte mich. Verlor mich in Nächten, an die ich mich kaum erinnern kann. In Menschen, deren Namen ich längst vergessen habe. Alles nur, um nicht fühlen zu müssen. Bis irgendwann nichts mehr übrig blieb, vor dem ich fliehen konnte. Da stand sie. Meine eigene Finsternis. Und zum ersten Mal lief ich nicht weg. Kein Alkohol. Keine Drogen. Keine Ausreden mehr. Ich kämpfte. Tag für Tag. Wie ein Boxer, der immer wieder zu Boden geht und trotzdem aufsteht. Ich kämpfte gegen jeden Dämon, den ich jahrelang gefüttert hatte. Und irgendwann glaubte ich, gewonnen zu haben. Die Dunkelheit wurde leiser. Die Narben begannen zu heilen. Zum ersten Mal seit Jahren konnte ich atmen. Ich dachte, der Kampf sei vorbei. Doch ich hatte mich geirrt. Denn als endlich Stille einkehrte, hörte ich das, was all die Jahre unter dem Lärm begraben lag. Dich. Nicht als Erinnerung. Nicht als Traum. Nicht als vergangenen Teil meines Lebens. Sondern mit der Wucht all der Jahre, in denen ich versucht hatte, dich zu vergessen. Du brachst aus mir hervor wie ein Löwe, der viel zu lange eingesperrt war. Und in diesem Moment zerbrach alles. Ich erkannte die Wahrheit sofort. Nein. Ich kann die Konsequenz nicht tragen. Nicht diese. Mein Herz schlug gegen meine Brust, als wollte es heraus. Es schrie. Und ich brach zusammen. Da lag ich nun. Am Boden. Der Boxer, der geglaubt hatte zu siegen. Der Mann, der dachte, er hätte die Dunkelheit besiegt. Ohne zu bemerken, dass der entscheidende Schlag ihn längst getroffen hatte. Als Verlierer verlasse ich den Ring. Du bist nicht mehr da. Nur Scherben. Überall Scherben. Und zwischen ihnen die Erkenntnis, die zu spät kam. Es gibt Menschen, die man verliert. Und es gibt Menschen, die man nur einmal im Leben trifft. Du warst Letzteres. Und ich habe dich von mir gestoßen.
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- 2026-06-25 07:00:49