Liebes Jugendamt, du machst es falsch.
Sobald etwas zu holen ist, greift der Staat zu. Und das nicht nur bei Erwachsenen sondern auch bei Kindern und Jugendlichen.
Liebes Jugendamt, du machst es falsch.
Sobald etwas zu holen ist, greift der Staat zu. Und das nicht nur bei Erwachsenen sondern auch bei Kindern und Jugendlichen.
Wenn man (wie ich) in einer schlechten Familie aufwächst will man auch mal da raus. Also geht man zum Jugendamt.
Das Jugendamt bringt einen dann nach ungefähr sechs Monaten voller Gespräche in eine sogenannte “Jugendschutzstelle”. Kein Ort wo man sich wohlfühlt, geschweige denn wie zuhause fühlt.
“Die Jugendschutzstelle ist kein Ort in dem man sich wie zuhause fühlen soll sondern ein Ort in dem man sich Sicher fühlen soll.” so ein Mitarbeiter der Jugendschutzstelle in Dortmund eines Tages zu mir.
Ganz von den banalen Regeln abgesehen wie beispielsweise dass man erst ab 14 Uhr raus darf wenn man mal keine Schule hat (außer an Wochenenden), dass man kein Handy mit in der Schutzstelle haben darf oder dass man keinen Besuch empfangen darf, muss man sagen dass die Ausstattung und das Erscheinungsbild dieser besagten Stelle alles andere als schön ist. Ich darf euch leider keine Fotos zeigen da ein Mitarbeiter mich gebeten hat kein Bericht über diese Zeit zu machen und das Aufnehmen von Fotos und Videos selbst in den Hausregeln strengstens untersagt ist. (Hat da jemand Angst vor der Öffentlichkeit?) Ich halte mich nur soweit dran dass ich keine Namen und Fotos verwende. Von den Zuständen dort werde ich trotzdem berichten.
Nach einer sehr unangenehmen Zeit von insgesamt 2 Monaten in der Jugenschutzstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen kommt man in eine Jugendwohngruppe von sozialen Trägern wie der AWO oder der VSE.
Die Jugendwohngruppe ist im Gegensatz zur Jugendschutzstelle ein Ort indem man sich zuhause fühlen soll und kann. Liebevoll eingerichtet und auf die Dauer gedacht.
Apropos “auf Dauer”: Die Jugendschutzstelle ist nur ein vorübergehender Ort an dem man Leben soll, sagen die Mitarbeiter. Stimmt nicht so ganz: Ein Junge, nennen wir ihn mal Jonas, lebt in dieser Einrichtung bereits ganze sieben Monate und ist komplett auf eine schlechte Bahn geraten. So nebenbei.
In der Jugendwohngruppe angekommen gibt es eine nach der anderen Überraschung: Es gibt kein Internet (wird es bald geben, ist nur ein Luxusproblem) und jetzt kommt der Hammer.
Man ist nach Paragraph 94 des achten Buchs des Sozialgesetzes dazu verpflichtet ganze 75% somit drei viertel seines Einkommens an das Jugendamt abzugeben. Das ganze wurde mir erst eine Woche nach dem Einzug in diese gesagt.
Ich bin freier Journalist und verdiene pro Artikel etwa “nur” 128 Euro. Nun soll ich (wenn es hart auf hart kommt) 96 Euro pro Artikel an das Jugendamt abgeben. Mir bleiben somit nur etwa 32 Euro pro Artikel übrig. Drei Artikel pro Monat plus das vorgeschriebene Taschengeld von 60 Euro ergeben etwa 156 Euro im Monat. Verpflegung ist in der JWG natürlich inklusive. Frühstück, Mittagessen und Abendessen ebenfalls.
Angemerkt: Würde ich die 75% nicht abgeben müssen hätte ich pro Monat etwa 444 Euro zur Verfügung. Somit 288 Euro mehr als der zu verpflichtenden Abgabe.
Nun mal im Ernst: Sollen wir Jugendlichen die in der Jugendhilfe aufgenommen worden sind für die Fehler unserer Eltern bezahlen? Dafür dass unsere Eltern so dermaßen schlecht waren dass wir ausziehen mussten sollen wir dem Jugendamt das Geld in den Arsch stecken? Nicht zu vergessen bezieht das Jugendamt ebenfalls eine beachtliche Summe an Unterhalt von meinen Eltern.
Nicht nur bei solchen Beträgen wie bei mir greift das Jugendamt zu, sondern auch bei deutlich geringeren Summen von etwa 100€ im Monat vom Zeitung austragen.
Wo sollen Jugendliche dann die Motivation herkriegen arbeiten zu gehen; für ihr eigenes Geld zu arbeiten? Wenn wir über die hälfte des verdienten Geldes an das Jugendamt abgeben sollen?
Für das Geld kann ich mir auch eine eigene Wohnung leisten.
Spannende Beiträge über den die 75% Abzocke: 1. SWR, 2. Sozialhilfe Forum
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- 2026-07-09 15:12:33