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De père en fils

Es bedarf schon einiges an psychischer Anstrengung in Form von Verdrängungsleistung und massiver gedanklicher Verzerrungen, um das, was…

Tim · 2016-07-19 21:30 · 1 claps · 1.3 min read
#augstein #türkei
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De père en fils

Es bedarf schon einiges an psychischer Anstrengung in Form von Verdrängungsleistung und massiver gedanklicher Verzerrungen, um das, was Erdogan gerade tut, als irgendwie „neu“ oder gar „überraschend“ zu sehen. Ein sehr verbreiteter Umgang damit ist es, schon ein Erklärungsmuster parat zu haben, das sich bewährt hat. Man kann sich daher gut vorstellen, wie Jakob Augstein in seinem Garten in Berlin-Zehlendorf sitzt und nach dem dritten Glas Rioja so etwas veröffentlicht:

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Ja, was, wenn die Türken andere Ansprüche haben? In der im schlechten Sinne „multikulturellen“ Welt des linksbewegten Hobbyverlegers lässt sich wieder einmal das ablesen, was (insbesondere die deutsche) Linke immer antiquierter werden lässt und letztendlich wieder mit nationalkonservativen Rassisten zusammen bringt, nämlich das Fehlen universeller Vorstellungen von emanzipatorischen Ideen. Das muss nicht mal die Weltrevolution oder der Kommunismus sein. Auch bürgerlich-liberale Vorstellungen leben davon, allgemeingültig zu sein, ansonsten sind sie wertlos. Sowohl Rechte als auch postmoderne Linke stellen sich eine Welt vor, in der sich Völker im nationalsozialistischen Sinn, also als ethnisch homogene Kollektive, auf ihren ursprünglichen Territorien bewegen und ihre naturwüchsigen Brauchtümer praktizieren. Hat nun jedes Volk zum Beispiel seine eigene „Vorstellung“ von Menschenrechten, dann gibt es keine Menschenrechte mehr, sondern nur Volksrechte, die je nach politischer Lage mittelprächtig bis katastrophal ausfallen können. Ein konkretes Beispiel dafür findet sich im Vergleich von der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit der „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“.

Diese Universalität fehlt jedoch nicht völlig. Davon, dass es in solchen Weltbildern immer auch ein verhasstes „Anti-Volk“ gibt, das genau die universellen Ideen repräsentiert und so gut wie immer durch Juden konkretisiert wird, weiß nämlich auch ein Jakob Augstein. Dessen Obsession mit Israel bringt immer wieder peinliche Texte hervor, in denen der jüdische Staat als das Unglück der freien Völker präsentiert wird. Genau an dieser Stelle kommt der mühsam verdrängte und verhasste Universalismus ans Tageslicht. Nie würde er auf die Idee kommen, den Israelis „ihre eigene Vorstellung“ von Selbstverteidigung, Demokratie oder auch nur selbstbestimmte Existenz zuzugestehen. Das dürfen nur richtige Völker.


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