Wie Bindungsstile unbemerkt unsere erwachsenen Beziehungen beeinflussen
Als ich das erste Mal dazu gelesen habe, wie sich Bindungsstile in erwachsenen Beziehungen abbilden, war ich angenehm schockiert.
Wie Bindungsstile unbemerkt unsere erwachsenen Beziehungen beeinflussen
Als ich das erste Mal dazu gelesen habe, wie sich Bindungsstile in erwachsenen Beziehungen abbilden, war ich angenehm schockiert.
Ich habe mich “ertappt” erlebt in meiner Innenwelt sowie meinen Beziehungsmustern.

Hier ein Beispiel:
Besonders zu Beginn der Beziehung mit meiner Partnerin wollte ich immerzu in Kontakt sein. Ohne dass ich es hätte benennen können, war ich ständig damit beschäftigt Rückversicherung und Beweise dafür einzuholen, dass Jessica da bleibt. Dann konnte ich mich einen Moment lang ausruhen — bevor ich erneut prüfen musste, ob sie wirklich bei mir bleibt.
Wenn es Themen gab, die mich verunsicherten, dann sprach ich diese sofort an. Ich hielt noch intensiver am Kontakt fest und wurde mega unruhig, wenn wir nicht in Harmonie waren.
Jessica war tendenziell davon genervt, dass ich schwierige Themen beharrlich einbrachte. Sie wollte die Dinge lieber für sich selbst ausmachen, sehnte sich nach Rückzug, nach ihrem eigenen Raum — und war gestresst und wütend wenn sie den Eindruck hatte, dass ich ihr solchen Raum wegnehme mit meinem Verhalten.
Kommt Dir das bekannt vor? Dass einer von Euch beiden immer dann wenn es schwierig wird, eher den Kontakt sucht und sprechen will — während derdie andere genau dann Raum für sich will, Rückzug und Alleinsein?
Tatsächlich spiegelt sich darin ein Aufeinandertreffen zweier Bindungsstile:
Mein Verhalten und Erleben im Beispiel oben ist typisch für einen “ängstlichen Bindungsstil”: Rückversichern, beständig in Kontakt sein wollen, mich nicht gut selbst regulieren können. Alleine zu sein, ist das Gefährlichste überhaupt! Und so sind ängstlich Gebundene ständig auf der Hut, und über-beharrlich damit, in Kontakt sein zu wollen.
Jessicas Verhalten im Beispiel oben ist typisch für einen “vermeidenden Bindungsstil”: Immer wieder starker Wunsch nach Distanz. Emotionen lieber alleine fühlen wollen, weil es ein tiefes Misstrauen gibt, einen Glaube, dass eh niemand da sein wird wenn sie sich wirklich zeigt.
Als wir über Bindungsstile lernten, wurde uns schnell klar was es in unserer Dynamik brauchte:
Für mich ging es darum zu lernen, denjenigen jüngeren Anteil in mir zu beinhalten, der so sehr nach Rückversicherung sucht: Die Angst zu spüren und willkommen zu heißen. Die innere Hitze und Unsicherheit. Der schier unaufhaltsame Drang, in Kontakt zu gehen.
Je mehr ich lernte, all das erstmal liebevoll in mir willkommen zu heißen, desto weniger lebte ich es direkt aus. Diese junge Bewegung bekommt dann nämlich Heimat in mir — statt auf Geborgenheit von Jessica angewiesen zu sein. So kann ich in schwierigen Situationen immer mehr aus dem Jetzt heraus dasein, statt Bindungsverhalten zu wiederholen.
Jessicas Lernaufgabe ist genau entgegengesetzt: Für sie gilt es, zu üben, in schwierigen Situationen in unserem Beziehungsraum verletzlich aufzutauchen, auch wenn sich das unfassbar bedrohlich anfühlt. So kann nach und nach ihr Vertrauen darin wachsen, dass jemand wirklich da bleibt, auch wenn es unangenehm wird.
Die Essenz ist:
Je nachdem wie die Beziehung zu unseren primären Bindungspersonen verlief, haben wir als Kinder verschiedene Bindungsstile entwickelt.
Wir bringen diese dann in unsere romantischen Beziehungen als Erwachsene, ohne dass wir sie für das sehen können was sie sind: Bindungsstile aus der Kindheit.
Der erste Schritt, um aus solchen Dynamiken auszusteigen besteht darin, dass wir wacher dafür werden, welche Bindungsstile wir tendenziell wiederholen.
Am besten lernst Du über Dich und Dein Bindungsverhalten wenn Du genau hinschaust wie Du Dich in Konflikten verhältst.
Unten findest Du eine Übersicht zu den verschiedenen Bindungsstilen.
Solche “Kategorien” bilden natürlich niemals die Komplexität unseres ganzen Seins ab. Wir sind so viel mehr als das!! Gleichzeitig können wir sie als Spiegel nutzen, um bestimmte Dynamiken klarer zu sehen.
Es geht auch nicht darum, Dich in eine der vier Boxen zu stecken. Tatsächlich erlebe ich, dass es möglich ist, in derselben Partnerschaft zwischen Bindungsstilen zu wechseln. So gibt es Phasen, in denen ich sicher und geerdet bin — während Jessica starke Verlustängste spürt. Dann ist sie wieder total in ihrer Mitte, und ich beobachte in mir, dass jüngere Anteile nach ihr “saugen”.
Ein Bekannter von mir sagt deshalb: “Don’t get attached to your attachment style!” 😉




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