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Erwachsenwerden — ein Erfahrungsbericht

Als ich jung war, es muss so mit 14 Jahren gewesen sein, und voller Ehrgeiz, hab ich mir jeden Tag dreizehn neue Ziele vorgenommen. Ich…

Julian Hotea · 2025-10-13 14:15 · 0 claps · 3.8 min read
#erwachsene #jugend #deutsch
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Erwachsenwerden — ein Erfahrungsbericht

Ich mit 14 Jahren

Ich mit 14 Jahren

Als ich jung war, es muss so mit 14 Jahren gewesen sein, und voller Ehrgeiz, hab ich mir jeden Tag dreizehn neue Ziele vorgenommen. Ich war gerade dabei, erwachsen zu werden, und war überzeugt, ich könnte alles schaffen — ohne viel Aufwand. Alles erschien mir selbstverständlich. Ich hatte das Vorrecht der Jugend, ein Hirn, von dem man mir meine ganze Kindheit lang sagte, es sei außergewöhnlich, und einen riesigen Hunger auf all die Dinge, die einem als Kind verwehrt blieben.

Es schien mir, es reiche, etwas einfach zu wollen, um es zu kriegen. So war es ja auch bisher immer gewesen (Danke Mama & Papa!). Irgendwie habe ich es gar nicht mitbekommen, dass das aufgehört hatte zu funktionieren. Vermutlich war ich zu sehr damit beschäftigt, der coolste Kerl auf der Welt zu sein und so viel Spaß wie möglich zu haben.

Plötzlich bekam ich die Dinge nicht mehr so einfach in den Schoß gelegt, und ich verstand nicht, warum. Ich wollte im Gymnasium weiterkommen und Erfolg haben, aber lernen wollte ich sowieso nicht mehr, und an den meisten Tagen nicht mal den Unterricht besuchen. Sollte funktionieren, rechnete ich mir aus. Ich wollte mir ständig die neuesten Sachen leisten, hab aber nie drüber nachgedacht, wie man mit Geld richtig umgeht, geschweige denn, wie man überhaupt an welches kommt. Ich wollte gesund, fit und gutaussehend sein — aber auf gutes Fast Food, das mir nun niemand mehr verbieten konnte, und gemütliches „Abhängen“ wollte ich nicht verzichten. Ich wollte, wie in meiner Kindheit, an besondere Orte reisen und wundervolle Dinge erleben. Ja gut, aber die dafür nötige Arbeit wollte ich nicht machen. Musste ich ja bisher auch nicht — warum also jetzt?

Das passt schon so, dachte ich mir, dass andere hinter mir alles wieder aufräumen, wenn ich Fehler mache. Schlechte Noten? Meine Eltern sprachen mit den Lehrern. Wenn ich auf Diät gesetzt wurde, holte ich mir bei Opa heimlich 3–4 Knackwürste und habe sie notfalls heimlich auf dem Klo verspeist. Wenn ich durch unüberlegtes Verhalten mir selbst schadete, wurde alles repariert. Ich nahm das als selbstverständlich hin, anscheinend genügte meine bloße Existenz, damit die Dinge gut liefen.

Als dieser Zauber mit dem Älterwerden verschwand — ich sah nicht mehr so süß aus und versuchte mich auch ganz bewusst von meinen Eltern abzukoppeln — merkte ich erst Schlag auf Schlag und ganz langsam, was es heißt, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und erwachsen zu werden. Ein Prozess, der für mich noch immer überraschend, nun schon 13 Jahre dauert.

Ich habe einige Rückschläge erlebt, besonders wenn die Dinge nicht so liefen, wie ich sie haben wollte, weil ich nicht wusste, wie ich sie in die Realität bringen sollte. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, kann ich kaum die Unwissenheit als Ausrede gelten lassen. Oft wusste ich genau, was zu tun gewesen wäre — doch ich habe es einfach nicht gemacht. Tief in mir hoffte ich anscheinend immer noch, dass sich alles irgendwie von selbst regelt und dass schon jemand die schweren Aufgaben für mich übernimmt, wenn ich nur charmant genug bin. Und charmant bin ich ja eigentlich.

Doch das passiert so gut wie nie — und das ist auch okay so. Denn mittlerweile bin ich an einem Punkt im Leben angekommen, an dem ich selbst die Person sein sollte, die anderen bei den schweren Aufgaben hilft. Bevor ich das tun kann, sollte ich diese Verantwortung wenigstens für eine einzige Person bedingungslos übernehmen: für mich selbst.

Ich will nicht schwarzmalen — nach einigen deftigen Rückschlägen, die das Leben mir verpasst hat, schaffe ich es inzwischen, in vielen Bereichen eigenverantwortlich zu leben und hab ganz gut raus, wie ich meine Bedürfnisse zufriedenstellend stillen kann. Trotzdem bin ich auch dort, wo ich es schon etwas besser beherrsche, noch nicht wirklich am Ziel. Und das ist halt so. Ziele sind, so scheint es, eher ein fixer Punkt am Horizont, den man im Auge behält — und am Ende freut man sich, wenn man wenigstens mehr oder weniger in die richtige Richtung marschiert ist.

In anderen Bereichen bin ich aber noch weit davon entfernt, meinen Vorstellungen nahe zu kommen. Da versuche ich oft mit allerlei Blödheiten, mich davon abzulenken, dass ich darin einfach noch nicht gut bin. Und es fühlt sich wirklich nicht gut an, nicht gut zu sein. Aber tief drinnen weiß ich natürlich, dass das Leben mir da schon noch eine ordentliche Ohrfeige verpassen wird — und ehrlich gesagt, darf’s ruhig so kommen. Denn die Backpfeifen, die ich bisher kassiert habe, haben mir irgendwann den Schatten von der Nase genommen. Anscheinend lernt ein Mensch erst dann, wenn der Schmerz vom Stillstand schlimmer wird als der Schmerz, sich zu verändern.

Und dann wird mir langsam klar, dass diejenigen, die uns lieb haben und hatten, genau deshalb für uns sorgen konnten, weil sie selber ihre ordentlichen Schellen vom Leben gekriegt und daraus gelernt haben. Es ist aber auch echt eine schwierige Balance: Man will die Menschen, die man mag, vor den richtig harten Schlägen schützen und gleichzeitig zulassen, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Weil manche Sachen glaubt man eben erst, wenn man sie am eigenen Leib gespürt hat.

Und genau dafür bin ich dankbar: für die Menschen in meinem Leben, für die Möglichkeit zu wachsen und für das Leben an sich.

Da bekomme ich jetzt so eine verrückte Lust, selbst wieder ordentlich eine zu kassieren — so eine richtig saftige Backpfeife. Aber die kriegt man nicht, wenn man ständig in der Deckung bleibt, aus Angst davor. Also heißt’s raus aus der Schutzblase, rein in die Welt, schauen, ob es zum Austeilen oder Einstecken wird. Weil wenn gar nichts passiert, passiert halt einfach auch nichts. So oder so, man wird was daraus lernen.


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2026-07-16 21:00:47