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MelLog “Ein Freispruch der nicht befreit”

Über das Selbstverständnis der deutschen Bundeswehr und das Leitbild des Staatsträgers in Uniform

Melanie Lang · 2022-03-06 12:35 · 98 claps · 1.4 min read
#bundeswehr
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MelLog “Ein Freispruch der nicht befreit”

Über das Selbstverständnis der deutschen Bundeswehr und das Leitbild des Staatsträgers in Uniform

Der Artikel handelt von Oberstleutnant Marcel Bohnert, dem unterstellt wurde mit Rechtskadialen zu sympathisieren — zu Unrecht wie sich später rausstellte. Nebenbei wirft der Artikel einige interessante Fragen dazu auf, wie andere die Bundeswehr sehen und wie sie sich selbst sieht.

In der heutigen Bundeswehr prallen zwei konträre Bilder aufeinander:

  • Die Vorstellung vom deutschen Soldaten als globalem Sozialarbeiter, der als Retter, Vermittler und Verschützer weltweit hilft, Konflikte friedlich beizulegen und
  • die Berufsidentität des Kämpfers, geprägt von einem sozialen Kosmos in dem Begriffe wie Tapferkeit, Pflichterfüllung, Kameradschaft zur Alltagssprache gehören und dessen reale oder potenzielle Erfahrung vom Kämpfen, Töten und Sterben die Streitkräfte fundamental von anderen Gesellschaftsgruppen unterscheidet.

Aufgrund des fundamentalen Unterschiedes sei die Vorstellung des Bundeswehr als Spiegel der Gesellschaft überholt, denn nicht jeder Staatsbürger ist dafür geeignet an der Front zu stehen.

Auch der Leitgedanke des Staatsbürgers in Uniform hinterließe ein problematisches Vakuum. Seit 1955 soll die Bundeswehr nicht mehr blind gehorchen, sondern einer Inneren Führung folgen. Dieses Konzept sieht vor, dass sich Soldat:innen mit den Werten und Normen einer demokraitschen Gesellschaft identifizieren und den Vorrang des Zivilen in militärischen Fragen anerkennen. Sie sind damit zuerst ihrem Gewissen und nicht Vorgesetzten unterworfen und sollen alles Militärische auch kritisch hinterfragen.

Der grundsätzlich gute Leitgedanke entspringt direkt aus den Erfahrung der ND-Diktatur, nutze dem Soldaten im Schützengraben jedoch wenig, da er zu abstrakt und verkopft i. Im Einsatz brauche es Pathos, Vorbilder und Emotionen um das Optimale zu leisten und Kameraden zu schützen. Pathos ist in Deutschland jedoch aufgrund der NS-Erfahrung immer noch ein Tabu und wird nicht offiziell vermittelt. Dieser Umstand erzeuge jedoch ein Vakuum, indem Soldaten anfangen sich selber Vorbilder zu suchen, und oftmals nur welche in der Wehrmacht finden. Die bewusste Vermeidung von Pathos läuft also Gefahr, genau das Vakuum zu erzeugen, indem Soldaten nach rechts abdriften können.

Die These ist also, dass die Bundeswehr starke Vorbilder und Traditionlinien aufbauen und vermitteln muss, um den Soldaten emotionalen Halt im Einsatz zu bieten, sodass diese nicht nach rechts abdriften.

Notizen aus DIE ZEIT N° 7, 10. Februar 2022


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