V-Mount, Powerstation und Regen: Mein bewährtes Wet-Weather-Kit
Kein Strom am Set, dafür Starkregen. Wie ich LED-Leuchten ohne feste Stromversorgung zuverlässig betreibe, was ich gelernt habe, und wo die…
V-Mount, Powerstation und Regen: Mein bewährtes Wet-Weather-Kit
Kein Strom am Set, dafür Starkregen. Wie ich LED-Leuchten ohne feste Stromversorgung zuverlässig betreibe, was ich gelernt habe, und wo die echten Stolperfallen liegen.
Außendrehs ohne Stromversorgung sind alltäglich. Ein Parkplatz im Regen, eine Baustelle, ein Feld irgendwo zwischen Köln und dem nächsten Verteilerkasten. Wer dort professionelles Licht stellen will, braucht eine verlässliche Akkuversorgung, und die muss nicht nur ausreichend Kapazität haben, sondern auch mit nassem Wetter klarkommen. Ich habe in den letzten Jahren unterschiedliche Setups ausprobiert, einiges davon hat funktioniert, manches nicht. Was heute in meiner Kit-Kiste landet, ist das Ergebnis davon.
V-Mount oder Powerstation: Zwei Welten, zwei Einsatzbereiche
Bevor es ums Wet-Weather-Setup geht, muss man verstehen, dass V-Mount-Akkus und Powerstations grundsätzlich verschiedene Werkzeuge für verschiedene Situationen sind. Beides hat seinen Platz im Kit, aber keines davon ersetzt das andere komplett.
V-Mount-Akkus (auch V-Lock genannt) sind der Profi-Standard für Kamera, Monitor und Licht am Set. Sie liefern 14,4 Volt über D-Tap-Ausgänge, sind hot-swappable, also tauschbar während das Licht läuft, und passen direkt oder über eine Adapterplatte an viele LED-Panels. Kapazitäten von 98 Wh bis 290 Wh decken die meisten Anwendungen ab. Sie sind kompakt, stapelbar und jeder am Set weiß, wie sie funktionieren.
Powerstations wie EcoFlow Delta, Jackery Explorer oder Bluetti sind Allrounder mit 230-Volt-Ausgang. Sie sind schwerer, weniger Set-tauglich als eigenständige Einheit, aber unschlagbar, wenn mehrere Lampen gleichzeitig laufen sollen, man Wechselstrom braucht oder längere Laufzeiten ohne Batterietausch gefragt sind.
Faustregel: V-Mount für einzelne LED-Panels und schnellen Batteriewechsel. Powerstation für mehrere Leuchten gleichzeitig, AC-Verbraucher oder wenn der Batterietausch zeitkritisch ist.
Die Laufzeitrechnung: Was wie lange läuft
Hier machen die meisten Fehler, weil sie die Angaben auf dem Datenblatt zu optimistisch nehmen. Die Formel ist simpel:
Laufzeit (Stunden) = Batteriekapazität (Wh) ÷ Leistungsaufnahme Licht (W) × 0,85
Der Faktor 0,85 berücksichtigt Energieverluste durch Umwandlung, Kabelwiderstand und die Schutzschaltung des BMS (Battery Management System). Im Regen und bei Kälte sinkt die reale Kapazität weiter, manchmal auf 70 bis 80 Prozent des Nennwerts.
Konkrete Beispiele für gängige LED-Panels:

Wichtig: Bei Kälte unter 10 Grad Celsius realistische Kapazität auf 70 bis 75 Prozent des Nennwerts ansetzen. Akkus vor dem Dreh aufgewärmt halten, am besten im Fahrzeug, nicht im Kofferraum.
Das Wet-Weather-Problem: Wo V-Mount und Powerstation versagen
Standard-V-Mount-Akkus haben keine IP-Zertifizierung. Sie sind für den Setbetrieb in normalen Umgebungen konzipiert, nicht für Regen. Ein herkömmlicher V-Mount-Akku mit offenen Kontakten und ungeschützten D-Tap-Buchsen ist bei nassem Wetter ein potenzielles Problem: Feuchtigkeit in den Kontakten führt zu Korrosion, Kurzschlüssen und im schlimmsten Fall zu Bränden.
Powerstations sind in der Regel ebenfalls nicht regenfest. Die meisten Hersteller (EcoFlow, Jackery, Bluetti, Instagrid) bauen ihre Geräte für den geschützten Außeneinsatz, aber nicht für direkten Dauerregen. Einzige Ausnahme: Die Jackery Explorer 1000 V2 ist die einzige IP68-zertifizierte Powerstation auf dem Markt und übersteht selbst einen kurzen Tauchgang. Für alle anderen gilt: schützen.
Ausnahmen beim V-Mount: SWIT PB-R290S+ (IP54, 290 Wh) und die Fxlion 559 Wh High Power Battery (IP54) sind speziell für raue Außenbedingungen gebaut, mit versiegelten Gehäusen und Gummidichtungen. Blueshape MVSPLASH-P ist eine IP65-zertifizierte V-Mount-Adapterplatte, die Batteriekontakte im Regen schützt, ohne einen neuen Akku zu brauchen.
Mein bewährtes Wet-Weather-Kit
Nach verschiedenen Außendrehs in nassem Wetter habe ich ein Setup entwickelt, das funktioniert. Es besteht aus drei Säulen: wasserfeste oder geschützte Stromquelle, wasserdichte Verbindungen, und eine klare Regenprotokoll-Routine.
Säule 1: Die Stromquelle
- Für einzelne LED-Panels bis 150 W: Zwei SWIT PB-R290S+ (je 290 Wh, IP54). Hot-swappable, Regen kein Problem, D-Tap direkt ins Panel. Im Set-Betrieb läuft ein Akku, der andere lädt im Fahrzeug.
- Für mehrere Leuchten oder Panels über 150 W: EcoFlow Delta 2 (1.024 Wh) oder Delta Pro (3.600 Wh), platziert unter einer großen Regenschutz-Box oder im Kofferraum des Fahrzeugs, mit verlängertem Kabel zum Licht. Die Powerstation selbst bleibt trocken, nur das Kabel geht raus.
- Reserveoption für kleines Budget: Standard-V-Mount-Akkus (z.B. 190 Wh) in einer wasserdichten Transportbox (Peli-Case oder günstige Alternative), die erst kurz vor dem Anschluss geöffnet wird. Kontakte nach dem Dreh sofort trocknen und mit Kontaktspray pflegen.
Säule 2: Wasserdichte Verbindungen
- Seetronic IP65-Verbinder: Für alle Kabelverbindungen zwischen Akku und Licht bei nassem Wetter. Seetronic bietet wasserdichte XLR- und Powercon-Verbinder bis IP65.
- Neutrik powerCON True1 IP65: Für alle 230-Volt-Verbindungen aus der Powerstation. Standard-Schuko-Stecker sind im Regen nicht zulässig und gefährlich.
- D-Tap-Kabel mit Gummiabdichtung: Standard-D-Tap-Kabel sind offen. Im Regen entweder IP-rated D-Tap-Kabel verwenden oder die Verbindung mit Isolierband und Feuchtigkeitsschutz (z.B. Scotch 88 oder selbstverschweißendes Silikonband) abdichten.
- Blueshape MVSPLASH-P Adapterplatte: Wer Standard-V-Mount-Akkus bei nassem Wetter nutzen muss, schützt die Kontaktzone mit einer IP65-zertifizierten Adapterplatte.
Säule 3: Die Regenroutine
- Abdecken mit Regenplanen
- Schukoverbindungen am Besten mit Frischhaltefolie umwickeln
- Akkus trocken lagern und nach Benutzung säubern/trocknen
- Verbindungen abkleben
V-Mount vs. Powerstation: Wann was?

Die häufigsten Fehler beim Akkubetrieb im Regen
- Standardakkus ohne Schutz bei nassem Wetter verwenden: Offene Kontakte und Regen sind eine schlechte Kombination. Mindestens IP54 oder abgedichtete Verbindungen.
- Kapazität zu optimistisch rechnen: Kälte und Feuchtigkeit fressen 20 bis 30 Prozent der Nennkapazität. Immer mit Puffer planen.
- Powerstation direkt in den Regen stellen: Fast alle Powerstations ohne IP-Zertifizierung gehören unter Schutz. Nur die Kabel gehen raus.
- D-Tap im Regen offen lassen: Nicht angeschlossene D-Tap-Buchsen mit Blindstopfen oder Klebeband abdichten.
- Nach dem Dreh nichts trocknen: Feuchtigkeit in Kontakten oxidiert über Nacht. Wer nach dem Nassdreh nichts pflegt, hat beim nächsten Dreh Probleme.
- Zu wenig Akkus mitbringen: Bei langen Drehtagen im Winter mit reduzierter Kapazität und verlängerten Ladezeiten braucht man mehr Einheiten als im Sommer.
Fazit: Nass ist kein Problem, wenn man vorbereitet ist
Akkubetrieb bei nassem Wetter funktioniert zuverlässig, wenn man die richtigen Komponenten wählt und ein klares Schutzprotokoll hat. V-Mount-Akkus mit IP54-Zertifizierung für einzelne Leuchten, Powerstations geschützt und kabelgebunden für mehrere Verbraucher, wasserdichte Verbindungen durchgehend.
Was nicht funktioniert: Standardequipment einfach in den Regen stellen und hoffen. Das kostet Equipment und im schlimmsten Fall Zeit und Geld auf einem Set, bei dem der Fehler nicht passieren darf.
Mein Setup hat sich in mehreren Außendrehs bei schlechtem Wetter bewährt. Es ist nicht das günstigste, aber es ist das, das zuverlässig funktioniert. Und zuverlässig ist auf einem Außendreh im Regen mehr wert als günstig.
Quellen & weiterführende Links
- hkeglobal.com: The Ultimate Guide to V-Mount Batteries for Filmmakers & Broadcasters
- smallrig.com: V Mount Battery Guide 2026
- momanx.com: Guide to V Mount Battery for Lights
- filmmakersacademy.com: Master On-Set Power with the CinePower Calculator
- gpbatteries.co.za: How to Calculate Battery Runtime for LED Video Lights
- switusa.com: PB-R290S+ 290Wh Heavy Duty IP54 V-Mount Battery
- fxlion.net: 14,4V 559Wh High Power Waterproof Battery (IP54)
- blueshape.net: MVSPLASH-P IP65 V-Mount Adapter
- tipps.de: Die beste Powerstation im Test 2026 (Jackery Explorer 1000 V2 IP68)
- outdoor-magazin.com: Powerstations im Test 2024: Jackery, DJI, EcoFlow im Vergleich
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