Die Ukraine vor der Haustür
Berlin zeigt sich solidarisch
Die Ukraine vor der Haustür
Berlin zeigt sich solidarisch
Es nieselt, der Himmel ist grau, aber das weiße Zelt auf dem Washingtonplatz hinter dem Berliner Hauptbahnhof springt sofort ins Auge. Vor dem Eingang des Zelts der Berliner Stadtmission steht eine zierliche junge Frau mit langen roten Haaren und einer orangenen Weste. Ihr Name ist Kateryna. Sie kommt aus der Ukraine und ist inzwischen seit fast drei Wochen in Berlin. Jetzt engagiert sie sich als Freiwillige. „Ich kann ein bisschen deutsch, deswegen will ich hier helfen. Ich helfe den ukrainischen Leuten.“

Das Willkommenszelt der Berliner Stadtmission am Hauptbahnhof / Foto: Claudia Bothe
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 sind laut des UNHCR mehr als 5,8 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. In Deutschland wurden dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zufolge mehr als 600.000 Ukrainer*innen registriert. Hier im Willkommenszelt der Berliner Stadtmission bekommen die Geflüchteten etwas zu essen und zu trinken, wenn nötig erste Hilfe und die Möglichkeit sich nach der langen Reise einen Moment auszuruhen, bevor es mit dem Bus weiter nach Tegel geht. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Tegel werden die Geflüchteten dann registriert und weiterverteilt auf die Bundesländer.
Da es immer stärker regnet, folge ich Kateryna in das Zelt. Drinnen herrscht Stimmengewirr, Geflüchtete sitzen an langen Biertischen und essen eine warme Mahlzeit oder warten auf die Abfahrt des nächsten Busses. Zwischen ihnen laufen überall Freiwillige in bunten Westen herum. Eine orangene Westen bedeutet, die Person spricht ukrainisch oder auch russisch. Freiwillige wie Kateryna sind also Dolmetscherinnen. Grün signalisiert dagegen, dass die Person nur deutsch und englisch spricht. Freiwillige mit weißen Westen bieten medizinische Unterstützung und Helferinnen in roten Westen sind für minderjährige Geflüchtete zuständig, erklärt Matthew. Er kommt aus London und macht gerade einen Bundesfreiwilligendienst im Kindergarten. Im Moment unterstützt er zusätzlich die Freiwilligen am Berliner Hauptbahnhof. “Ich helfe hier jetzt seit fast zwei Wochen. Meistens übernehme ich die Schichten von 7 bis 13 Uhr, aber heute war ich ein bisschen spät“, meint Matthew.

Im Berliner Hauptbahnhof hängen Karten mit Angaben zur Weiterreise innerhalb Deutschlands / Foto: Claudia Bothe
Die Arbeiten sind genau aufgeteilt und Freiwillige können sich in einem Online-Dienstplan für jeweils Drei-Stunden-Schichten eintragen. Auch das Willkommenszelt ist klar nach den einzelnen Aufgaben unterteilt. Matthew hilft gerade in der Spielecke. An kleinen Tischen sitzen geflüchtete Kinder und malen mit Buntstiften Bilder, die dann aufgehängt werden. Inzwischen hängen überall an den Zeltwänden und Regalen bunte Bilder.

In der Spielecke hängen überall Bilder, die geflüchtete Kinder gemalt haben / Foto: Claudia Bothe
Außerdem gibt es eine Wickelstation und einen Bereich für medizinische Versorgung. Neben der Eingangstür des Zelts befindet sich die Information mit Auskünften zu Weiterreise und Zugverbindungen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zelts, direkt neben dem Ausgang zu den Bussen, befindet sich die Essensausgabe. Auch eine Station für Haustiere gibt es. „Viele Leute kommen mit ihren Hunden. Hier bekommen Sie ein bisschen Futter“, erläutert Matthew.

Im Willkommenszelt gibt es auch eine Haustierstation / Foto: Claudia Bothe
Neben der Haustierstation gibt es noch eine weitere Tür, davor steht Laura. Heute ist ihre erste Schicht und man hat ihr gesagt, sie solle hier bei der Tür stehen und aufpassen, dass keiner durchgeht. „Dabei will hier eigentlich auch niemand durchgehen“ sagt die junge Frau mit den kurzen braunen Haaren und lacht. Sie trägt eine grüne Weste und hat das Willkommenszelt der Berliner Stadtmission immer vom Zug aus gesehen. Eine Lautsprecherdurchsage auf Ukrainisch durchbricht den Trubel in dem Zelt für einen kurzen Moment. „Das ist jetzt der Bus nach Tegel alle halbe Stunde“, sagt Laura.
Überall im Zelt laufen Helferinnen umher. Manchmal scheint es fast mehr helfende Hände zu geben als Aufgaben. Vielleicht bewacht Laura auch deshalb gerade eine einsame Tür. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Berlinerinnen scheint groß. „Ja es ist auf der einen Seite schön, auf der anderen Seite fragt man sich, warum es jetzt funktioniert und zu anderen Zeiten nicht so gut funktioniert hat“, überlegt Laura.
Ähnlich wie Laura engagiert sich auch Peter das erste Mal „aktiv“ für Geflüchtete, wie er es ausdrückt. Der drahtige Mann mit den kurzen weißen Haaren ist Lehrer. Angesprochen darauf, warum gerade jetzt die Solidarität so groß sei, druckst er ein wenig herum: „Ich glaube, wie soll ich sagen, dass natürlich diese rechte politische Situation da ist, dass viele Menschen gegen die Afrikaner mehr Widerstände haben als die Ukrainer, die ein bisschen näher an Westeuropa dran sind.“ Peter hofft, dass die Solidarität anhält bis der Krieg zu Ende ist.
Wann die Ukrainer*innen wieder in ihre Heimat können ist nicht abzusehen. Kateryna bleibt daher erst einmal in Deutschland und möchte weiterhin anderen Geflüchteten bei der Ankunft in Berlin helfen. „Ich werde hier studieren deswegen bleibe ich hier für fünf Monate auf jeden Fall, aber ich will sehr, sehr nach Hause, weil dort in der Ukraine ist meine Familie, meine Katzen.“ Sie lacht schüchtern „Ich vermisse sie sehr. Aber ich bin hier und ich muss hier sein und ich will einfach helfen und was ich machen kann, dann mache ich das.“
메타데이터
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- 2026-07-27 03:31:02