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Kraniche und innere Zugvögel

Heute ist der Himmel über Münster voller Kraniche, die ihre Kontaktrufe trötend nach Süden ziehen und den dunklen Norden hinter sich…

Moorus_ · 2020-11-07 12:17 · 5 claps · 1.8 min read
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Kraniche und innere Zugvögel

Heute ist der Himmel über Münster voller Kraniche, die ihre Kontaktrufe trötend nach Süden ziehen und den dunklen Norden hinter sich lassen.

Ich merke, dass das mich das ziemlich wehmütig stimmt. Momentan gibt es bei mir und sicherlich bei Euch auch einige Dinge und Gefühle, die ich auch gerne hinter mir lassen würde, um – mal im Bild geblieben – etwas mehr Sonne sehen zu können. Der Winter steht langsam vor der Tür und auch andere Aussichten erscheinen düster und trist.

Weil ich jetzt nicht wegfliegen kann, um am sonnigen Nil Frösche fressen zu können, muss ich schauen, dass es mir hier gut geht. Mein Stichwort ist da Momentan immer „Unterbrechen“. Der neulich gestorbene münstersche Theologe Metz hat gesagt Religion (nett es gerne auch Glauben oder Achtsam-Sein) ist immer Unterbrechung.

Unterbrechung, in der ich für ein paar kurze Augenblicke den Blick nach innen richte. Ist da jemand? Und wenn ja, wie geht es mir? Jedes Gefühl ist legitim.

Wenns trist und dunkel und stressig wird, vergesse ich nämlich oft mich das zu fragen. Und dann nehmen mich diese Gefühle ganz unbewusst in die Mangel und treiben mich durch den Alltag und prägen unbewusst viele Begegnungen.

Wenn ich nachspüre wies mir geht, und das für mich benennen kann. Kann ich zu diesem Gefühl Distanz schaffen und es aus meinem Gedankensumpf herauspflücken (vllt. wie ein Kranich einen Frosch 🐸 am Nil). Ich kann dann sagen ich fühle mich so-oder-so, habe dieses oder jenes Gefühl, aber: das Gefühl besitzt mich nicht mehr unbewusst und treibt mich blind umher.

Ich persönlich bitte dann Gott um seinen Segen und Schutz, dass ich auch weiter merke und spüre, wie es mir geht und dass er mir Kraft gibt mich selbst gerade jetzt und so wie ich gerade bin zu sehen. Er wird mich nicht dafür verurteilen, weil er hat mich ja schließlich so gemacht wie ich bin.

Dann muss ich für den Moment und vielleicht auch für den weiteren Tag nicht mehr von meinen Gefühlen fliehen oder Wegziehen wie ein Kranich, dem die Kälte im Nacken sitzt. Und kann dann vielleicht auch für die Menschen um mich herum besser und aufmerksamer da sein.

Viele brauchen das gerade. Und auch mir tut es gut, zu wissen, dass nicht alle gerade innerlich nach Süden flüchten, sondern Einige auch für mich da sind und mit mir hierbleiben. Durch den Herbst und den Winter.

Zur Unterbrechung bei Metz:

Johann Baptist Metz: Glaube in Geschichte und Gesellschaft. Studien zu einer praktischen Fundamentaltheologie, Mainz (5)1992.


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