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LEHRER MERT ERINNERUNGEN EINES LEHRERS-ZUSAMMENFASSUNG MEINES ANDEREN BUCHES UND MEIN WEG VON NULL…

In diesem Text möchte ich euch erzählen, wie ich Deutsch gelernt habe, warum ich mich für diese Sprache entschieden habe, wie mein Umfeld…

Mertkkeskin · 2025-11-11 12:27 · 0 claps · 4.6 min read
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LEHRER MERT ERINNERUNGEN EINES LEHRERS-ZUSAMMENFASSUNG MEINES ANDEREN BUCHES UND MEIN WEG VON NULL BIS C1

In diesem Text möchte ich euch erzählen, wie ich Deutsch gelernt habe, warum ich mich für diese Sprache entschieden habe, wie mein Umfeld darauf reagierte und welche Rolle Deutsch in meinem Schul- und Berufsleben gespielt hat. Mit anderen Worten: Dieses Kapitel ist eine Zusammenfassung meines Buches „Mein Eigener Lehrer — von null auf C1“.

Alles begann irgendwann im November oder Dezember 2009. Ich war damals neun Jahre alt. In der Englischprüfung hatte ich mit 95 Punkten die beste Note der Klasse erzielt. Ich galt als der Junge mit dem besten Englisch, und das machte mich stolz. Mein Vater wollte mich für diesen Erfolg belohnen und fragte, was er mir kaufen solle. Ohne zu zögern sagte ich: ein Computerspiel. Ich liebte Ego-Shooter, die im Zweiten Weltkrieg spielten. Mein Vater kaufte das Spiel, installierte es, und ich begann zu spielen.

Doch etwas irritierte mich: Auf der gegnerischen Seite standen deutsche Soldaten — Nazis. Ihre Schreie, ihre Kommandos, ihre harte und seltsame Art machten mich nachdenklich. „Was sagen sie? Warum benehmen sie sich so?“ fragte ich mich. Da entstand in mir der Wunsch, diese Sprache zu verstehen. Ich wollte Deutsch lernen.

Aber mit neun Jahren war das natürlich zu schwierig. Ich gab bald auf und sagte mir: „Ich schaffe das nicht.“ Fünf Jahre später kam der Wunsch zurück. In diesen Jahren bemerkte ich, wie viele Türken nach Deutschland auswanderten, sah deutsche Mannschaften in der Champions League, hörte deutsche Namen, und die Neugier wuchs wieder in mir. So begann ich im Mai 2014 erneut, Deutsch zu lernen.

Doch diesmal war es kein einfacher Weg. In meiner Klasse gab es einen türkischstämmigen Deutschen. Anfangs verstanden wir uns gut — bis ich anfing, Deutsch zu lernen. Plötzlich wurde er wütend, beleidigte mich und versuchte, mich zu entmutigen. Einmal bot er mir an, beim Lernen zu helfen, aber er wollte mich nur verwirren. Er sagte:„Das Fenster heißt Auto, Mert. Und das Auto heißt Fenster.“

Ich merkte sofort, dass das nicht stimmte. Je mehr ich lernte, desto wütender wurde er. Ich ließ mich davon nicht abhalten. Mein Wortschatz und meine Grammatik verbesserten sich, während er immer gereizter wurde.

Doch das war nur der Anfang. 2015 kam ein neuer Schüler in unsere Klasse — ein Muay-Thai-Kämpfer. Ohne Grund begann er, mich zu provozieren. Zuerst mit Worten, dann mit Fäusten. Am 16. März 2015 schlug er mich brutal. Drei Schläge trafen meinen Kopf. Ich fiel zu Boden, fast bewusstlos. In diesem Moment dachte ich, ich würde sterben — aber ich überlebte. Körperlich blieb ich heil, seelisch nicht.

Ich erzählte meiner Familie lange nichts, weil sie oft Dinge anders verstehen wollten, als ich sie meinte. Doch irgendwann brach es aus mir heraus. Zum Glück fiel alles in die Zeit eines Elternabends. Meine Mutter versuchte, die Eltern des Jungen zu erreichen, und sprach stattdessen mit einem Verwandten, der ebenfalls dort war. Er sagte: „Das ist nicht das erste Mal. Es wird Konsequenzen geben.“

Kurz darauf kam der Junge zu mir, nannte mich „Bruder“ und tat, als wäre nichts geschehen. Ich jedoch wich ihm aus. Ein Jahr lang ertrug ich die körperliche Gewalt — aber sieben Jahre lang die seelische. Bis Juni 2022 ließ mich diese Angst nicht los.

Seltsam war, dass dieser Junge jedes Mal ausrastete, wenn er ein Superman- oder Superheldenlogo sah. Es war, als würde er die Kontrolle verlieren. Die anderen Kinder fanden das lustig und reizten ihn absichtlich. Einmal, kurz vor Schuljahresende 2015, band sich ein Schüler seine Trainingsjacke um die Schultern und spielte Superman. Der Muay-Thai-Kämpfer stürzte sich auf ihn, trat ihm gegen den Kopf, sodass er gegen den Spind fiel und blutete. Alle waren geschockt.

Erst Jahre später verstand ich, dass ich mich damals eigentlich verteidigt hatte — ohne es zu wissen. Die Bestätigung meiner Familie kam erst 2022, und da begriff ich, dass ich all die Jahre in einer stillen Wiederholung dieser Angst gelebt hatte. Immer wenn ich Deutsch lernte, fühlte es sich an, als würde ich wieder geschlagen. Ich schloss die Bücher, konnte kaum sprechen, stotterte.

Doch im Juni 2019 beschloss ich, mich meiner Angst zu stellen. Langsam, vorsichtig, aber entschlossen begann ich erneut zu lernen — und kam bis zum Niveau B1. Im Sommer 2019 schrieb mich meine Familie in einen Vorbereitungskurs für die Universitätsaufnahmeprüfung ein. Ich war ein ruhiger, zurückhaltender Schüler, aber sowohl mein Englisch als auch mein Deutsch fielen positiv auf. Meine Familie versprach: „Wenn du die Uni schaffst, darfst du weiter Deutsch lernen.“

Am 3. September 2020 bestand ich die Aufnahmeprüfung und wurde an der Yeditepe-Universität im Fach Englische Literatur angenommen. Sie hielten ihr Wort — ich durfte einen Deutschkurs besuchen. Zuerst kam der Einstufungstest: schriftlich und mündlich.

Der schriftliche Teil lief gut. Der mündliche sollte wegen der Pandemie telefonisch stattfinden. Es war um den 20. oder 25. September herum. Das Telefon klingelte, eine Stimme fragte:

„Hallo, wie geht es dir?“

Ich antwortete. Dann kam:

„Könntest du dich bitte vorstellen?“

Auch das klappte. Doch beim dritten Satz — „Was ist dein Plan für heute?“ — sprach der Prüfer so schnell, dass ich kaum Luft bekam. Ich bat ihn dreimal, die Frage zu wiederholen, und antwortete jedes Mal anders. Schließlich sagte er ruhig: „Mert, du bist kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Beruhige dich. Wovor hast du Angst? Vor dir sitzt nur ein 56-jähriger, glatzköpfiger Mann.“

Da wurde mir alles klar: Ich hatte keine Angst vor dem Mann am Telefon. Ich hatte Angst vor der Vergangenheit. Die Stimmen aus meiner Schulzeit, die Schreie, die Schläge — sie hallten noch immer in mir nach.

Mein Ergebnis war B1. Ich besuchte zweieinhalb Monate lang den Kurs und schloss ihn erfolgreich ab. Danach konnte ich mir den Unterricht nicht mehr leisten, also lernte ich allein weiter. B2 und C1 — ganz auf eigene Faust.

Heute, wenn ich zurückblicke, weiß ich: Eine Sprache zu lernen bedeutet nicht nur, Vokabeln und Grammatik zu beherrschen. Es ist eine Reise in die eigene Seele. Deutsch war für mich kein einfaches Kommunikationsmittel — es war ein Werkzeug zur Heilung, ein Weg, mich selbst neu zu finden.

Hinter jeder Grammatikregel steckt eine Narbe, hinter jedem Wortschatz ein Stück Hoffnung. Und am Ende habe ich verstanden: Eine Sprache zu lernen ist manchmal ein Krieg — aber es ist der stillste und edelste Sieg, den ein Mensch erringen kann.

ALLES WAS MUAYTHAI KÄMPFER WUTEND MACHT STEHT UNTEN


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