Jesus leidet für uns. Plädoyer für eine Gegenleistung.
Jesus ist mit seinem Leiden und seinem Tod in Vorleistung getreten. Er erhält dafür zumeist nur Undankbarkeit und Spott. Wir Gläubigen sind…

Jesus leidet für uns. Plädoyer für eine Gegenleistung.
Jesus ist mit seinem Leiden und seinem Tod in Vorleistung getreten. Er erhält dafür zumeist nur Undankbarkeit und Spott. Wir Gläubigen sind in dieser Fastenzeit aufgefordert, uns im Sinne der Gerechtigkeit zu überlegen, wie wir auf dieses Zeichen der Liebe Gottes reagieren wollen. Allein die liebevolle Annahme unseres Lebens mit Leiden, Schmerzen und Schicksalsschlägen ist schon ein guter Anfang.
Gegenseitige Hilfe
In einem 4000-Seelen-Ort der Eifel habe ich gesehen, wie die Einwohner ihre Häuser selbst bauen. Man erklärte mir, wie das funktioniert: Wenn jemand sein Haus bauen will, wird ihm von den Nachbarn geholfen, und so geht das der Reihe nach. Man hilft sich gegenseitig und das schafft eine Art positiven Ausgleich: „Wie Du mir, so ich Dir“.
Diese Methode der ausgleichenden Gerechtigkeit praktizieren wir in vielen kleinen Dingen, wie Einladungen zum Kaffeetrinken, zum Abendessen, zu Partys usw.
Bei einschneidenden Ereignissen, wie einem Hausbrand schaut man nicht auf gegenseitige Hilfe, sondern hilft direkt — ohne große Hintergedanken. Ein entsprechender Ausgleich für die Hilfe ist nicht immer möglich.
Gerne möchte ich diesen Gedanken der gegenseitigen Hilfe jetzt auf unser Verhältnis zu Gott anwenden. Seit einigen Wochen befinden wir uns in der Fastenzeit; die Karwoche ist nicht mehr weit. In der besagten Woche gedenkt die Kirche des Leidens und Todes Jesu. Greift auch hier der Gedanke der Gegenseitigkeit? Jesus ist vorgeprescht und in Vorleistung getreten. Er hat uns nicht gefragt, wie wir sein Leiden und seinen Tod vergelten wollen.
In diesem Artikel rege ich an, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir den Liebesbeweis Jesu erwidern wollen.
Fazit: Jesus ist in Vorleistung getreten. Im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit wäre es angebracht, ihm einen Liebesgruß zu schenken.
Jesus — ich mag Dich leiden
Der Satz „Ich mag dich leiden“ lässt sich mit „Ich mag dich“, „Du bist mir sympathisch“ oder „Ich kann dich gut leiden“ überschreiben. Das sind die üblichen Bedeutungen. Wie wäre es aber, wenn wir diesen Satz so verstehen: „Ich mag es, dass Du (Jesus) für mich leidest.“
Ja. Jesus, der Sohn Gottes, hat für uns gelitten, was kein Mensch je für uns leiden wird. Manche argumentieren heute — so wie damals die Pharisäer: „Wenn er der König von Israel ist, so steige er nun vom Kreuze herab“ (Matthäus 27,42). Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass uns der Tod Jesu am Kreuz überfordert. Es übersteigt unsere Vorstellungskraft. Wie könnte eine passende Antwort unsererseits aussehen?
Manche reagieren mit Unverständnis. Folgenden Spruch habe ich neulich in einem Buch aufgeschnappt: „Jesus, ich sehe Dich am Kreuz für mich bluten, und das juckt mich wenig. Warum bin ich so grausam zu Dir? Teresa von Ávila bekehrte sich bei so einem Anblick, und ich?“ Gilt dieser Satz auch für uns? Oder kommen wir vielmehr ins Grübeln, wenn wir daran denken, dass der Sohn des Allmächtigen für uns das Unvorstellbare gelitten hat, und zwar freiwillig, ohne Gegenleistung einzufordern?
Margareta Maria Alacoque schrieb nieder, was Jesus ihr offenbarte: „Siehe, dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es nichts zurückhielt, bis es sich verzehrte, um ihnen seine Liebe zu beweisen. Und als Lohn empfange ich von den meisten nur Undank, Kälte, Missachtung, Gleichgültigkeit und Beleidigungen. Aber du solltest mir wenigstens diese Kälte mit deiner Liebe vergelten.“ Dies ist ein klarer Vorwurf Jesu an uns alle. Die bevorstehende Karwoche ist — wie ich meine — eine gute Gelegenheit, uns dieses Zitat zu Gemüte zu führen und in ein ehrliches Gespräch mit Jesus zu treten. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er uns verständlich machen, was wir im Umgang mit Ihm ändern sollen. Z. B. dass wir Ihn bei der Gestaltung unseres Lebens stärker einbeziehen und seine Meinung berücksichtigen.
In den Gesprächen mit Margareta beließ es Jesus nicht beim obigen Kommentar, sondern er schlug weiter in die Kerbe, damit seine Idee haften bleibt: „Wie sehr dürstet mich, von den Menschen geliebt und geehrt zu werden, und ich finde fast niemanden, der sich darum bemüht, gemäß meinem Verlangen, mir zu trinken zu geben, indem er mir gegenüber Gleiches empfindet. Du wenigstens, mache mir die Freude, für ihre Undankbarkeit Ersatz zu leisten, so viel Du nur kannst, mit den Verdiensten meines heiligsten Herzens.“
Auch die Mutter Gottes hat sich in Erscheinungen über die Leiden ihres Sohnes geäußert. Z. B. bei der Heiligen Brigitta von Schweden (G. Hierzenberger, 1993) sagte sie: „Jetzt klage ich darüber, dass mein Sohn von seinen heutigen Feinden mehr gekreuzigt wird, als von den damaligen Juden. Und sie tun es heute mit ihren Lastern.“
Auch wenn Jesus freiwillig — und ohne uns nach unserer Meinung zu fragen — in Vorleistung getreten ist, wäre eine Antwort unsererseits mehr als angebracht. Wie könnte diese ausfallen? Das besprechen wir im nächsten Abschnitt.
Fazit: Der Tod Jesu darf uns nicht unberührt lassen. Eine Antwort unsererseits ist erforderlich.
So könnte unsere Antwort aussehen
Auch wenn Jesus freiwillig für uns gelitten hat, um uns von unseren Sünden zu erlösen und den Zugang zum Himmel zu ermöglichen, erwartet er von uns eine Gegenleistung. Am Kreuze sagte Er: „Mich dürstet.“ Dieser Satz hat neben dem unmittelbaren Sinn noch einen zweiten: „Jesus hat Durst nach unserer Liebe.“ Und so hat die Kirche über die Jahrhunderte hinweg diesen Satz ausgelegt, und auch Jesus hat ihn in Gesprächen mit Heiligen wiederholt. Z. B. bei Mutter Teresa von Kalkutta (1986). Aufgrund dieses Satzes hat sie den Orden der Missionaries of Charity (MC) gegründet.
Wir leben in der westlichen Welt in einer Wohlfühlgesellschaft. Über Leiden zu sprechen, klingt zuweilen befremdlich wie verpönt. Es sieht so aus, als möchten wir Leid, Armut, Elend aus unseren Augen verbannen. Sie könnten unser Wohlbefinden trüben — so meine Wahrnehmung. Schmerzen gehören doch zu unserem Alltag wie das Wasser zum Meer. Wie wäre es, wenn wir Jesus als Gegenleistung etwas anbieten würden, was uns schwerfällt? Was Opfer bedeutet? Z. B. auf Beleidigungen oder Ungerechtigkeiten nicht boshaft zu reagieren? Jeder von uns kennt seine Schmerzpunkte, an denen es weh tut. Wir zeigen Gott unsere Liebe, indem wir unseren Mitmenschen Gutes tun. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
1. Vorsatz: Gutes zu tun.
Von Josefmaria Escrivá (1982) stammt der Satz: “Du willst wissen, wie du dem Herrn für alles danken kannst, was Er für uns getan hat?”… Mit Liebe! Liebe vergilt man mit Liebe. Aber die Gewissheit, von Herzen zu lieben, erhältst Du nur durch das Opfer.” Und auch der Satz stammt von demselben Autor: „Die Heiligen brachen in Tränen der Reue aus, wenn sie an das Leiden unseres Herrn dachten. Und ich? Nun, es könnte sein, dass Du und ich das Ereignis nur betrachten, jedoch nicht “erleben”.
2. Vorsatz: Das Leiden Jesu tiefer in uns dringen zu lassen
Im Normalfall erwartet Jesus von uns keine großen Opfer. Allein die Annahme unserer Schicksalsschläge, und zwar aus Liebe zu Gott, ist für Ihn schon ein großes Geschenk. Meine Eltern haben uns, den neuen Kindern, ein großartiges Beispiel gegeben. Meine Mutter litt ein Jahr lang an Krebs, ohne sich jemals zu beklagen. An dieser Krankheit starb sie. Auch mein Vater verlor kein Wort der Verbitterung, als er die letzten vier Jahre seines Lebens ohne Sehvermögen auskommen musste.
3. Vorsatz: Leiden und Schmerz in unserem Leben annehmen und nicht dagegen rebellieren.
Zu allen Zeiten gab es Filme über das Leben Jesu. Diese ermöglichen es, sich in die Szenen seines Lebens zu versetzen. Auch die Evangelien leisten dazu einen guten Dienst. Mit etwas Einfühlungsvermögen sind wir sicherlich in der Lage, Jesus unsere Anteilnahme an seinen Leiden zu zeigen. Johann von Löwenstein drückt es so aus: „Liebe Mutter Maria, hilf uns bitte, damit wir für Jesus Balsam der Zärtlichkeit sind und seine Schmerzen lindern.“ Wie dieser Balsam aussieht, bleibt jedem von uns überlassen.
4. Vorsatz: Fragen wir uns, wie wir Jesus Freude bereiten wollen.
Zum Ende des Artikels möchte ich ein Zitat von Papst Johannes Paul II. anführen: „Wer einen Weg der Vollkommenheit beginnen möchte, darf nicht auf das Kreuz, die Abtötung, die Demütigung und das Leiden verzichten, die den Christen dem göttlichen Vorbild angleichen, das der gekreuzigte Christus ist.“
Fazit: Jesus erhält zumeist Undankbarkeit. Er freut sich über unsere Beweise der Zuneigung.
Literaturangaben
Escrivá, J. M. (1982) Kreuzweg, Adamas Verlag, Köln
Hierzenberger, G., Nedomansky, O. (1993) Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter Maria, Weltbild, S. 93
Mutter Teresa (1986) Die Sprache des Herzens — Gedanken für jeden Tag, Herder, Freiburg
Alacoque, M. M. große Offenbarung von 6/1675 in der Kapelle des Klosters Paray-le-Monial (Burgund)
Alacoque, M. M. (1920) Leben und Werke der hl. Margareta Maria Alacoque, 3 Bände, Paris, 1920, II, Nr. 580
Johannes Paul II (1997) Beten — seine spirituellen Gedanken, Planeta, Madrid
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Der Autor
Dr.-Ing. Karl-Maria de Molina hat Ingenieurwissenschaften, Philosophie und Theologie studiert und in der Fahrzeugtechnik promoviert. Er hat Bücher über Automobiltechnik und Arbeitsmethodik sowie über Arbeitskultur und Kompetenzentwicklung verfasst und herausgegeben. Er hat mehrere Lehraufträge an deutschen Universitäten; hält Seminare zur Führungskräfteentwicklung; hat mehrere Unternehmen gegründet und innovative Produkte entwickelt und vermarktet.
Das notwendige Wissen für diese Artikelreihe hat der Autor durch das Studium der Philosophie und Theologie, durch die tägliche Lektüre des Evangeliums und geistlicher Bücher sowie durch den täglichen Besuch der Eucharistie erworben.
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- 2026-06-25 12:15:08