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Leben auf den Andamanen

Unsere ersten Tage in unserer neuen Wohnung

Stefanie Patel · 2026-06-29 04:11 · 0 claps · 5.4 min read
#indien #wohnen #insel #internationale-kulturen
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Leben auf den Andamanen

Unsere ersten Tage in unserer neuen Wohnung

Von Wasserausfällen und Stromunterbrüchen bis hin zu unerwarteten tierischen Mitbewohnern. Unsere erste Woche in einer Mietwohnung auf den Andamanen war alles andere als langweilig.

Der Einzug in unsere erste Wohnung auf den Andamanen war ein aufregender Schritt. Nachdem wir eine Zeit lang auf einem Boot gelebt hatten, fühlte es sich besonders an, wieder ein Zuhause an Land zu haben. Das Leben auf den Andamanen war bereits ein Abenteuer, doch mit unserer ersten Mietwohnung kamen ganz neue Herausforderungen auf uns zu.

Uns war bewusst, dass das Inselleben einige Überraschungen bereithalten würde. Dass unsere ersten Tage jedoch so ereignisreich werden würden, hätten wir nicht erwartet.

Wasser, oder eben keines

Als wir die Wohnung besichtigten, fragten wir nach der Strom- und Wasserversorgung. Uns wurde erklärt, dass der Strom nicht immer garantiert sei. Wenn der Staat die Stromversorgung unterbreche, müssten wir einfach warten, bis sie wieder hergestellt sei. Damit hatten wir gerechnet und konnten gut damit leben. Das gehört nun einmal zum Inselleben.

Beim Wasser hingegen hiess es, dass es keine Probleme geben würde.

Die erste Überraschung erlebte ich, als ich die Wohnung vor unserem Einzug putzen wollte. Es gab kein Wasser. Wir riefen den Vermieter an, der erklärte, dass die Wasserversorgung unserer Wohnung vorübergehend abgestellt worden sei. Zum Glück schickte er jemanden vorbei, um sie wieder einzuschalten, sodass ich die Reinigung fortsetzen konnte. Ganz typisch für das Inselleben dauerte es allerdings 40 Minuten, bis das Wasser tatsächlich lief, versprochen worden waren nur zehn.

Leider war das noch längst nicht das Ende unserer Wasserprobleme.

Ein paar Tage später, als wir offiziell einzogen, stellten wir erneut fest, dass kein Wasser vorhanden war. Offenbar hatte wieder jemand unsere Leitung abgestellt. Ich blieb bis spät in die Nacht wach und wartete verzweifelt darauf, dass das Wasser zurückkam, weil ich dringend die Toilette benutzen musste. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Eimer mit Wasser gefüllt hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als zu warten. Glücklicherweise kam das Wasser schliesslich sehr spät in der Nacht zurück.

Eine laute erste Nacht

Als wäre das fehlende Wasser nicht schon genug gewesen, stellte sich auch das Schlafen als Herausforderung heraus.

Alles war neu. Hunde bellten in der Nachbarschaft, Insekten summten in den Bäumen, Geckos liessen ihre typischen Geräusche hören, und unzählige andere Tiere erinnerten uns daran, dass wir in den Tropen lebten.

Gegen vier Uhr morgens begann die nahegelegene Moschee mit dem Gebetsruf. Kaum war es wieder ruhig geworden, fand jemand, dass halb sechs morgens der perfekte Zeitpunkt sei, um laute Musik zu hören.

In dieser Nacht kam ich wahrscheinlich auf gerade einmal drei bis vier Stunden Schlaf.

Mein Mann hingegen verschlief das Ganze und wachte am nächsten Morgen bestens erholt auf. Ich selbst brauchte dagegen ein paar Nächte, bis ich mich an all die neuen Geräusche gewöhnt hatte. Der Unterschied war klar zu erkennen, wer von uns schon einmal hier gewohnt hat.

Immer noch kein Wasser …

Am nächsten Morgen war ich erleichtert, dass die Toilettenspülung immerhin noch funktionierte. Die Hände waschen war allerdings unmöglich, weil das Wasser schon wieder weg war.

Zum Glück hatten wir am Vortag Trinkwasser in Flaschen gekauft.

Der Vermieter erklärte uns, dass der Wassertank zwar bereits wieder aufgefüllt worden sei, sich jedoch wegen eines Lecks erneut geleert habe. Seine Arbeiter seien bereits dabei, das Problem zu beheben. Nach einer Weile kam tatsächlich ein kleiner Wasserstrahl aus dem Hahn.

Dann fiel der Strom aus.

Ohne Strom funktionierte natürlich auch die Wasserpumpe nicht mehr, und aus dem Hahn kam nur noch ein kümmerliches Rinnsal.

Schliesslich gaben wir auf und wollten zurück aufs Boot gehen, um dort Wasser zu benutzen. Gerade als wir uns fertig machten, kam der Strom plötzlich wieder. Endlich konnte ich mir in Ruhe die Haare waschen. Da auch das Wasser auf dem Boot sehr begrenzt ist, hatte ich das Haarewaschen bewusst aufgeschoben, bis wir in der Wohnung waren. Entsprechend erleichtert war ich, endlich wieder fliessendes Wasser zu haben.

Bevor wir wieder losgingen, füllten wir vorsorglich zwei grosse Eimer mit Wasser.

Wieder etwas dazugelernt.

Ausserdem fragten wir den Vermieter, ob solche Probleme mit der Wasserversorgung künftig häufiger auftreten würden. Er versicherte uns, dass dies nicht der Fall sei. Hoffen wir, dass er recht behält.

Zur Sicherheit kauften wir zusätzlich ein 100-Liter-Wasserfass, das wir seither immer gefüllt halten, falls es erneut zu einem Ausfall kommt.

Um sicher immer Wasser zu haben, bewahren wir Wasser im Badezimmer auf.

Um sicher immer Wasser zu haben, bewahren wir Wasser im Badezimmer auf.

Die Farbe des Wassers

Die nächste Überraschung war das Wasser selbst.

Bevor wir in die Wohnung einzogen, hatten wir überlegt, einen Wasserfilter für unser Trinkwasser zu installieren. Als wir jedoch sahen, dass das Wasser gelblich verfärbt war und zudem viele kleine Partikel enthielt, änderten wir unsere Meinung ziemlich schnell.

Normalerweise bin ich beim Trinkwasser überhaupt nicht heikel. Auf meinen Reisen hat ein guter Wasserfilter bisher immer ausgereicht.

Hier war das allerdings anders.

Lässt man das Wasser einige Stunden in einem Eimer stehen, verfärbt sich sogar der Eimer gelblich.

Deshalb bleiben wir vorerst lieber bei Trinkwasser aus Flaschen.

Unser nächtlicher Besucher

In der ersten Woche hatten wir ausserdem einen unerwarteten Gast.

Jede Nacht schlich sich etwas auf unseren Balkon und hinterliess leere Plastiksäcke, in denen zuvor Lebensmittel gewesen waren, sowie jede Menge Kot.

Jeder Morgen begann deshalb mit Wischen, Putzen und Desinfizieren, in der Hoffnung, dass die Ratte irgendwann das Interesse verlieren würde.

Zum Glück zeigte unsere Hartnäckigkeit Wirkung. Nach gut einer Woche täglicher Reinigung blieb unser pelziger Besucher plötzlich aus und kam nicht mehr zurück.

Anders kochen lernen

Etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, als wir auf die Andamanen gezogen sind, war, dass man Kochgas nicht einfach in einem Geschäft kaufen kann.

Dafür braucht es verschiedene Unterlagen, und als Neuankömmlinge haben wir noch nicht alles, was nötig war.

In den ersten Wochen wurden Take-away-Mahlzeiten deshalb zu unserem besten Freund.

Schliesslich kauften wir stattdessen einen Elektroherd.

Bevor ihr euch jetzt allerdings ein modernes Induktionskochfeld vorstellt, muss ich eure Erwartungen etwas dämpfen.

Es handelt sich um eine einzelne Kochplatte.

Noch besser: Laut Bedienungsanleitung sollte man sie nicht länger als 30 Minuten am Stück benutzen.

Komplizierte Rezepte stehen deshalb vorerst nicht auf dem Speiseplan.

Meine Herdplatte zum Kochen.

Meine Herdplatte zum Kochen.

Die Wohnung mit der Tierwelt teilen

Da die Wohnung längere Zeit leer gestanden hatte, waren wir nicht gerade die ersten Bewohner.

Kakerlaken hatten es sich dort ganz offensichtlich gemütlich gemacht.

Ich kann sie überhaupt nicht ausstehen. Deshalb verbrachte ich Wochen damit, jede Ecke zu putzen, sämtliche Ritzen abzudichten und alles Mögliche zu unternehmen, damit sie draussen bleiben.

Nach und nach wurden es immer weniger.

Auch die riesigen Ameisen verschwanden beinahe über Nacht, was sich wie ein kleiner Sieg anfühlte.

Heute gehe ich jedes Mal, wenn ich aus dem Augenwinkel etwas huschen sehe, automatisch davon aus, dass es entweder eine Kakerlake oder eine Ratte ist.

Eines Nachmittags bemerkte ich plötzlich etwas, das über den Balkon flitzte.

Mir blieb fast das Herz stehen.

Für einen kurzen Moment war ich überzeugt, dass eine Ratte zurückgekehrt war.

Stattdessen stellte sich heraus, dass es ein niedliches kleines Eichhörnchen war.

Ich glaube, wir haben uns beide gleichermassen erschrocken.

Hoffentlich liegt das Schwierigste hinter uns

Rückblickend waren die ersten Tage in unserer eigenen Wohnung auf den Andamanen auf jeden Fall unvergesslich.

Ein Umzug an einen völlig neuen Ort bringt immer eine gewisse Eingewöhnungszeit mit sich, und auf eine tropische Insel zu ziehen, sorgt zusätzlich für einige Überraschungen. Wassermangel, Stromausfälle, unerwartete tierische Besucher und die Umstellung auf eine andere Lebensweise hatte ich mir zwar nicht so vorgestellt, aber all das gehört inzwischen bereits zu unserem Alltag.

Jeden Tag lernen wir etwas Neues über das Inselleben. Trotz aller Herausforderungen geniessen wir diese Erfahrung sehr. Hoffentlich wird das Leben in unserer kleinen Wohnung von jetzt an etwas ruhiger.

Wobei ich mich darauf, wenn ich an das Inselleben auf den Andamanen denke, wohl besser nicht verlassen sollte.


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