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AgNes und die Zukunft der Netzentgelte: Was der Wechsel zum Kapazitätspreis für die deutsche…

Die deutsche Energiewirtschaft steht vor einer der tiefgreifendsten regulatorischen Reformen der letzten Jahre. Unter dem Aktenzeichen…

Stromfee · 2025-12-08 14:04 · 0 claps · 2.6 min read
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AgNes und die Zukunft der Netzentgelte: Was der Wechsel zum Kapazitätspreis für die deutsche Industrie bedeutet

Die deutsche Energiewirtschaft steht vor einer der tiefgreifendsten regulatorischen Reformen der letzten Jahre. Unter dem Aktenzeichen GBK-25–01–1#3 treibt die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Reform der „Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom“ (AgNes) voran.

Warum ist das wichtig? Weil die bisherigen Regeln — verankert in der StromNZV und GasNZV — zum 31. Dezember 2025 auslaufen. Die neue Festlegung soll die Netze fit für die Energiewende machen, Fehlanreize beseitigen und die Finanzierung der Infrastruktur sichern. Doch für die Industrie bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Der Abschied vom vertrauten Leistungspreis hin zum Kapazitätsentgelt.

In diesem Beitrag analysieren wir die Kernpunkte der Reform und was Industrieunternehmen jetzt wissen müssen.

Das Ende des Leistungspreises: Warum das alte System ausgedient hat

Bisher zahlen Industriekunden (mit über 100.000 kWh Verbrauch) neben dem Arbeitspreis einen Leistungspreis, der retrospektiv auf Basis der Jahreshöchstlast (JHL) berechnet wird. Dieses System hat jedoch eine entscheidende Schwäche: Es ist ein Flexibilitätshemmnis.

Da die Kosten weitgehend durch eine einzige Lastspitze in der Vergangenheit bestimmt werden, sind die Netzentgelte starr. Ein Unternehmen, das flexibel auf Strompreisschwankungen reagieren möchte, riskiert durch eine einzige neue Spitze seine Netzkosten für das gesamte Jahr in die Höhe zu treiben. Die möglichen Einsparungen am Spotmarkt werden durch die hohen Fixkosten des Leistungspreises oft neutralisiert.

Die neue Logik: Kapazitätsentgelt als „Flatrate“

Die AgNes-Reform sieht vor, den Leistungspreis durch einen Kapazitätspreis zu ersetzen. Der fundamentale Unterschied: Statt rückblickend für die höchste Spitze zu zahlen, müssen Unternehmen künftig im Voraus eine Kapazität vertraglich buchen.

Dies bringt eine neue Dynamik ins Energiemanagement:

Planungssicherheit: Netzbetreiber können besser mit den Einnahmen planen.

Flexibilitätsspielraum: Unterhalb der gebuchten Kapazitätsgrenze kann der Anschluss wie eine „Flatrate“ genutzt werden. Das bedeutet, dass Schwankungen im Verbrauch keine zusätzlichen Kosten verursachen, solange die gebuchte Grenze nicht überschritten wird.

Dies zwingt Unternehmen jedoch zu einer präzisen Risikoabwägung: Bucht man zu viel Kapazität, zahlt man unnötig hohe Fixkosten. Bucht man zu wenig, drohen bei Überschreitung teure Strafzahlungen oder Nachbuchungen.

Die Forderungen der Industrie: Pooling und NAK

Für energieintensive Unternehmen entscheidet die Ausgestaltung der Details über die Wettbewerbsfähigkeit. Verbände wie der VCI und der VIK haben hierzu klare Positionen bezogen:

1. Das Muss: Pooling von Entnahmestellen Moderne Industriestandorte sind komplex. Sie verbrauchen nicht nur Strom, sie speisen oft auch ein (z. B. durch eigene PV-Anlagen oder KWK). Die Industrie fordert daher zwingend das Pooling, also die zusammengefasste Betrachtung aller Entnahme- und Einspeisestellen eines Standorts. Ohne Pooling würde ein Unternehmen, das lokal Strom erzeugt und verbraucht, doppelt zur Kasse gebeten, wenn interne Lastflüsse nicht saldiert werden. Nur die Gesamtwirkung auf das vorgelagerte Netz sollte bepreist werden, um Verursachungsgerechtigkeit herzustellen.

2. Das No-Go: Bepreisung der technischen Netzanschlusskapazität (NAK) Ein rotes Tuch für die Industrie ist die Idee, die Gebühren an der maximal technisch möglichen Anschlusskapazität (NAK) zu orientieren. Das Argument: Eine Bepreisung der bloßen Möglichkeit (des „Rechts“ zur Nutzung) statt der tatsächlichen Nutzung würde Investitionen in flexible Technologien abwürgen. Es entstünde ein Anreiz, Anschlüsse künstlich zu verkleinern, was volkswirtschaftlich unsinnig wäre. Stattdessen soll nur die tatsächlich vertraglich gebuchte Kapazität kostenwirksam sein.

Der Blick in die Zukunft: Dynamische Netzentgelte

Neben dem Kapazitätspreis soll der Arbeitspreis künftig dynamischer werden, um netzdienliches Verhalten anzureizen. Doch hier bremst die Realität die Vision: Die technische „Readiness“ der Verteilnetzbetreiber ist oft noch nicht gegeben. In der Niederspannung können aktuell nur etwa 22 Prozent der Netzbetreiber den Netzzustand überhaupt ausreichend erfassen, um dynamische Tarife sinnvoll umzusetzen.

Fazit: Strategische Neuausrichtung notwendig

Die AgNes-Reform ist ein notwendiger Schritt, um die Netze effizienter zu nutzen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu integrieren. Für Unternehmen bedeutet der Wechsel zum Kapazitätspreis jedoch, dass der Lastfaktor (das Verhältnis von Durchschnitts- zu Höchstlast) zur kritischen Kennzahl wird.

Unternehmen müssen sich auf komplexere Simulationen zur Kapazitätsbuchung einstellen und ihre Strategien zum Lastmanagement grundlegend überarbeiten. Die Zeit des „Abwartens“ ist vorbei — wer jetzt nicht plant, zahlt später drauf.


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