Media Recap KW 43 / 2025
Letzte Woche hat die Republik eine Auswertung zu bezahlten Mandaten in unserem nationalen Parlament veröffentlicht. Das hat mich wieder…
Media Recap KW 43 / 2025
Letzte Woche hat die Republik eine Auswertung zu bezahlten Mandaten in unserem nationalen Parlament veröffentlicht. Das hat mich wieder einmal dazu bewegt, mir Gedanken zu unserem Miliz-Parlament zu machen. Ausserdem hat das Bundesgericht vegetarischen Produkten verboten, Tierbezeichnungen im Namen zu nutzen, und am letzten Montag stand das Internet still, weil AWS einen Fehler hatte.

Wöchentlich versuche ich, die konsumierten Inhalte, die mich in dieser Woche bewegt haben, hier festzuhalten und mit einer Prise von meiner Meinung vorzustellen. Meist sind diese politischer Natur, manchmal bringe ich aber auch persönliche Interessen mit ein.
Haben Parlamentarier einen Interessenskonflikt?
Philipp Albrecht Autor von republik.ch schreibt: “National- und Ständeräte verdienen nicht sehr viel, und für einen Beruf daneben bleibt ihnen kaum Zeit. Deshalb haben sie in den letzten fünf Jahren 20 Prozent mehr bezahlte Mandate angenommen, wie unsere Auswertung zeigt.”
Das parlamentarische Gesamteinkommen pro Jahr liegt im Median bei 91'000 CHF für Nationalräte ohne Mitarbeiter (bei solchen mit, bei 63'000 CHF) während 2011 bis 2015. Das ist effektiv “nicht sehr viel”, aber eigentlich ein guter Lohn. Vor allem wenn wir diesen mit dem medianen Jahreslohn in der Schweiz vergleichen, welcher aktuell bei 81'456 CHF liegt (was eig. noch kein fairer Vergleich ist, da die parlamentarische Arbeit eines NR im Median erst einem Beschäftigungsgrad von 87% entspricht).
Fast alle Parlamentarier haben neben ihrem Amt noch zusätzliche Jöbbli in denen sie Geld verdienen. Das ist unvermeidbar, da wir ein Miliz-Parlament haben. Die Idee wäre, dass man hauptsächlich einem “normalen” Beruf nachgeht und nebenbei noch das Amt des Parlamentariers inne hat. Oft sind diese Jobs aber Sitze in Verwaltungsräten, Beiräten, Stiftungsräten oder Verbandsvorständen. Das ist noch praktisch, denn diese haben oft einen kleinen Arbeitsaufwand, aber ein grosses Einkommen. Dass diese Stellen beliebt sind, macht historisch Sinn, denn der Arbeitsaufwand eines Parlamentariers hat sich in den letzten Jahren erhöht und ist komplexer geworden.
Seit 2020 haben sich diese Nebenjobs erhöht, bei bezahlten sogar um 20% wie in der Grafik unten zu sehen ist. Da kann man sich schon fragen: Wie unabhängig ist ein Parlamentarier noch, welcher mehrere bezahlte Mandate hat?

Grafik: Philipp Albrecht (Republik) Quelle: öffentliches Register, eigene Auswertung
Im Artikel der Republik zeigt der Autor anhand eines schönen Beispiels auf, wie eine solche Interessensbindung sich auf die politische Arbeit auswirkt. Der St. Galler Mitte-Ständerat Benedikt Würth, ist Präsident der AOP-IGP, dem Verband hinter den Ursprungsbezeichnungen von Lebensmitteln und vertritt im Parlament viele Schweizer Hersteller von Käse und Wurstwaren. Mit einer Motion (welche vom Parlament angenommen wurde, trotz Ablehnungsantrag vom Bundesrat) hat Würth bewirkt, dass der Nutri-Score eingeschränkt wird, was dazu führen könnte, dass Käse und Würste gesünder dastehen, als sie es eigentlich sind.
Ich finde dieses Thema schwierig. Es macht für mich Sinn, dass Parlamentarier aufgrund höherer Komplexität und mehr Arbeitsaufwand über die Zeit weg von normalen Jobs (welche ja auch eine Art von Interessensbindung sind) zu Mandaten in Verwaltungsräten wechselten. Im besten Fall werden Mandate angenommen, deren Interessen sowieso schon durch die politische Meinung vertreten werden (Bsp.: Nationalrat Jürg Grossen (GLP) sitzt vor allem im Vorstand und VR von Firmen und Vereinen im Bereich der erneuerbaren Energien).
Trotzdem scheint es für mich so, dass unser Milizsystem an seine Grenzen kommt und nicht mehr so gelebt wird, wie es eigentlich angedacht war. Ich finde es auch gut, wenn unsere Parlamentarier ihr Amt ernst nehmen und mehr Zeit für immer komplexere Themen aufwenden. Da stellt sich für uns die Frage: Soll das System geändert werden (Berufspolitiker, wöchentliche Sessionstage wie im Kantonsrat ZH) oder sind wir einverstanden mit der aktuellen Entwicklung?
Ändern wird sich in naher Zukunft wahrscheinlich nichts, daher fände ich als zusätzliche Massnahme eine erhöhte Transparenz sinnvoll. Aktuell müssen nur Interessensbindungen deklariert werden und ob diese bezahlt sind. Ich wäre dafür, dass auch die Höhe der Bezahlung angegeben werden muss. Schliesslich sind Parlamentarier öffentliche Personen, die vom Volk gewählt sind. Leider wurden solche Vorstösse schon mehrfach abgelehnt.
lobbywatch.ch ist übrigens auch noch praktisch, wenn du nachschauen möchtest, welche Parlamentarier welche Interessen vertreten.
https://www.republik.ch/2025/10/22/beruf-parlamentarier-nicht-ganz-unabhaengig
Es geht um die Wurst
Und zwar wortwörtlich, denn das Bundesgericht hat geurteilt, dass Fleischersatzprodukte nicht mehr Tierbezeichnungen im Namen enthalten dürfen. Als Beispiel: Planted Chicken darf zukünftig nicht mehr so heissen, da das Produkt kein Poulet enthält.
Der Grund ist die Verwechslungsgefahr: Man könnte nach Poulet-Geschnetzeltem im Laden suchen, aus Versehen Planted Chicken kaufen (es steht ja Chicken drauf) und sich dann im Nachhinein betrogen und getäuscht fühlen, weil es kein richtiges Fleisch ist. Ich glaube, du merkst selber, wie unglaubwürdig diese Argumentation ist.
Für mich wirkt dieser Entscheid so, als ob die Fleischlobby unbedingt den bösen Vegetariern und Veganern einen auf den Deckel geben möchte. Es kann mir keiner sagen, dass er oder sie je durch eine Quorn-Bratwurst getäuscht wurde. Weiterhin stellt sich die Frage: Was kommt als Nächstes? Müssen wir bald weiteren Namen wie Fleischvögel (wo sind denn die Vögel?), den Fleischkäse (Käse hats dort sicher nicht drin …) oder Biberli ade sagen? Wo hört diese Diskussion auf?
Geh in die Cloud haben sie gesagt
Am Montagmorgen gab es viele Ausfälle bei Apps und Websites. Zoom, Coinbase, Snapchat, Netflix, Adobe und circa 2'500 weitere Dienstleister waren nicht mehr oder nur eingeschränkt erreichbar.
Was haben diese gemeinsam? Sie alle nutzen AWS (Amazon Web Services). Und wenn dieser ein Problem hat, haben sie alle auch eines. AWS ist ein Cloud-Anbieter, welcher anderen Unternehmen die eigene Computerinfrastruktur zur Verfügung stellt. So können Kunden Server mieten, anstatt diese selber zu kaufen. Weitere Vorteile sind schnelle Skalierbarkeit (an Black Friday wird bspw. mehr Leistung benötigt als normal) oder hohe Verfügbarkeit (fällt ein Server aus, gibt es noch Backup-Server).
Der Grund: Die DNS‑Auflösung zur DynamoDB in der US-EAST-1 Region von AWS hat nicht mehr funktioniert. Übersetzt für alle Nicht-Nerds: Wenn ein Dienst auf seine Datenbank zugreifen möchte, geschieht das über eine Verbindung. Diese wird mittels einer DNS-Auflösung gestartet. DNS ist die Abkürzung für Domain Name System und ist sozusagen das Telefonbuch des Internets. Wenn du bspw. eine Domain wie www.medium.com in deinen Browser eingibst, dann wird diese aufgelöst zur IP 162.159.152.4. Da nun diese Auflösung nicht mehr funktionierte, konnte kein Dienst mehr auf seine Datenbank zugreifen, was zu einem Ausfall des Dienstes führte.
AWS hat aktuell einen Marktanteil von 30%. Zusammen mit Google Cloud und Microsoft kommen sie auf 62% des globalen Cloud-Infrastrukturmarktes. Wir als Konsumenten sind also total abhängig von deren Betrieb. Meist funktioniert auch alles, aber wenn dann mal was schiefgeht, dann haben alle ein Problem.
Die Lektion daraus sollte sein, dass wichtige Dienste (ich denke da an unseren Staat) nicht vollumfänglich einer externen Cloud vertrauen. Nebst Totalausfällen, wie wir sie letzten Montag sahen, kommt nämlich noch die Frage der Datenhoheit und Sicherheit ins Spiel. Deshalb bin ich, wie auch Tech-Journalistin Adrienne Fichter, dafür, dass Bund und Kantone mehr auf Open-Source-Lösungen wechseln und nicht noch mehr abhängig von Tech-Giganten werden, zum Beispiel beim Nutzen der Microsoft-Cloud mit allen Office-Produkten. Das Bundesgericht in Lausanne setzt schliesslich schon erfolgreich LibreOffice ein.
Die Cloud ist natürlich nicht nur böse, sondern kann sich zu Beginn einer Unternehmensgründung lohnen. Start-ups können schnell wachsen und dementsprechend von der Skalierbarkeit profitieren. Aber ab einer gewissen Grösse macht eine Cloudrückführung wieder Sinn.
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Bonus Panel
Review zur DGX Spark
Spannendes Review zum neuen Mini-Computer DGX Spark von Alex Ziskind.
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Ich bin Dario Glasl, arbeite als Software-Engineer bei der Firma Swisslex und bin Mitglied der GLP in Dübendorf.
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