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Was wäre, wenn du einfach nicht aufgibst?

Wenn Mütter kämpfen: Gegen das System und für ihr Kind

Kolumnenrebellin · 2025-09-02 09:21 · 57 claps · 3.1 min read
#mutter #alltag #kolumne #herausforderung #einschulung
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Was wäre, wenn du einfach nicht aufgibst?

Jana S. Rot

Jana S. Rot

Was tust du, wenn dir alle sagen: “Das geht nicht”? Wenn sich jeder Amtsschreibtisch, jede Infoveranstaltung und jede andere Mutter sicher ist: “Du hast keine Chance.” Genau das ist mir passiert. Und ich habe nicht locker gelassen. In dieser Kolumne erzähle ich, wie ich trotz aller Bedenken, Widerstände und einem Berg aus Formularen erreicht habe, dass mein Sohn erst mit sechs eingeschult wird. Warum ich darum kämpfen musste, obwohl er eigentlich “bereit” war. Und was ich dabei über mich, mein Kind — und unser Bildungssystem gelernt habe. Wer selbst schon mal für etwas gekämpft hat, was angeblich “nicht geht”, wird sich hier wiederfinden.

Wenn sie alle sagen: Keine Chance

Mein Sohn sollte mit fünf Jahren eingeschult werden. Fünf! Und das nur, weil er neun Tage zu früh geboren wurde. Wäre er etwas später zur Welt gekommen, hätte er ganz regulär erst mit sechs in die Schule gemusst. Aber das interessierte niemanden. Corona-Kind? Kaum Sozialkontakte? Langsame Eingewöhnung im Kindergarten? Egal. Hauptsache: Einschulen, der Platz im Kindergarten wird gebraucht.

Ich erinnere mich noch an die erste Infoveranstaltung. Die Kita-Leitung sagte freundlich: “Eine Rückstellung ist so gut wie ausgeschlossen. Alle Kinder werden regulär eingeschult.”

Ich dachte: “Na, das werden wir ja sehen.”

Denn mein Sohn war nicht einfach nur “zurückhaltend”. Er brauchte Jahre, um sich an seine Großeltern zu gewöhnen. Gruppen, Trubel, neue Menschen — für ihn war das alles kein Spaß, sondern Stress. Der Kindergarten war ein Kraftakt. Jedes Jahr gab es Rückschläge. Gerade lief es gut, dann kam wieder ein Umbruch, ein neues Kind, eine neue Bezugsperson — und alles ging von vorne los.

Aber genau das interessierte keinen. Die Standardantwort lautete: “Er ist so intelligent, der langweilt sich doch nur im Kindergarten.”

Ach so? Und was ist mit seinem Wohlbefinden? Seiner sozialen Entwicklung? Seiner Bindung zu den Kindergartenfreunden, die allesamt erst im nächsten Jahr eingeschult würden?

Ich habe den Film schon mal gesehen. Unser ältester Sohn wurde ebenfalls mit fünf eingeschult. Hochbegabt, sagten sie. Klar packt er das. Und ja, die Noten waren gut. Aber sozial? Ein einziges Aufholrennen. Andere Interessen, andere Themen, andere Reife. Das zog sich bis zur sechsten Klasse, dann kam Corona, ein Schulwechsel, ein Übersprungsjahr, und ENDLICH war er in der richtigen Altersgruppe. Ich wollte das meinem zweiten Sohn ersparen.

Also begann ich, zu sammeln: Ein ärztliches Gutachten, eine Stellungnahme der Kita, ein Schreiben einer Schulleiterin. Ich wurde zur Akten-Anwältin meines eigenen Kindes.

Am Tag des Gesundheitsamt-Termins sagte ich noch zu meinem Sohn: “Du bist doch sehr schüchtern, oder?” Er nickte. Ich fragte: “Und wenn die dich fragen, ob du gern in die Schule willst, was sagst du dann?” “Nein, ich bin doch sehr schüchtern.”

Großartig. Manipulationsversuch gescheitert. Ich beschloss, ehrlich zu sein. Ich schilderte die ganze Geschichte. Und traf auf eine Frau, die zu mir sagte: “Ich verstehe Sie. Ich habe das Gleiche durchgemacht. Und ich tue alles, was ich kann, damit Ihr Sohn noch ein Jahr wachsen darf.”

Ich hätte sie am liebsten umarmt.

Das Gesundheitsamt sprach eine Nicht-Empfehlung für die Einschulung aus. Gold wert. Aber die Entscheidung lag bei der Schule. Und dort? Machte er natürlich einen viel zu guten Job. Er bestand die Einschlungstests locker. “Schulfähig?” Ja. Aber eben nicht schulbereit. Emotional. Sozial.

Sechs Monate später kam der Bescheid: Einschulung um ein Jahr verschoben.

Ich habe geweint. Nicht nur vor Erleichterung. Sondern auch, weil ich gemerkt habe, wie viel Energie es kostet, für etwas zu kämpfen, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Dass man auf das Kind schaut, nicht nur auf die Statistik.

Abschlussgedanke

Hättest du mich gefragt, ob ich das nochmal machen würde, während ich zwischen Formularen, Anrufen und Ablehnungen jonglierte — ich hätte gezögert. Jetzt sage ich: Ja. Immer wieder.

Und falls dir gerade jemand sagt, dass du “keine Chance” hast: Vielleicht stimmt das nicht. Vielleicht braucht es nur eine Person, die dich sieht. Vielleicht bist du diese Person.

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Und jetzt du!

Was war dein größter “Keine Chance”-Moment? Und hast du ihn trotzdem gewonnen?

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„Ich bin nicht auf dieser Welt, um leise zu sein. Ich bin hier, um laut zu leben — und trotzdem zuzuhören.“

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