Sprachlos unter Taubstummen
Kommunikation ist lebenswichtig. Kommunizieren zu können, ist ein Menschenrecht.
Sprachlos unter Taubstummen
Kommunikation ist lebenswichtig. Kommunizieren zu können, ist ein Menschenrecht.
Am vergangenen Freitag fand der Fachtag des Landesverbandes der Taubblinden NRW e.V. statt. Als interessierte Seelsorgerin tauchte ich dort auf und konnte nur staunen. Zuhören ging nur, wenn Menschen wie ich sprachen. Alle anderen gebärdeten oder lormten.
Es war wie bei jedem Klassentreffen. Man entdeckte sich wieder, tauschte sich aus, kam ins diskutieren, planen, informieren. Und insgesamt herrschte gute Laune. Meine Kollegin Schwester Judith Beule aus dem Erzbistum Paderborn schaute mich interessiert an. Sie gebärdet. Aber ich kann das nicht. Sie winkte eine Dolmetscherin heran. Kurze Klärung, wer ich sei und was ich wolle. Dann war ich abgemeldet. Wer nicht gebärdet, kann halt nicht teilnehmen.
Lernt gebärden ! Lernt lormen! Anders wird es nicht gehen. Wir haben im Bistum Essen keine Seelsorger oder Seelsorgerinnen mehr, die eine oder beide Sprachen können. Es ist ein Drama.
Während einer Zusatzqualifikation zur Behindertenseelsorgerin in den 90igern sagte uns noch ein Referent, Taubstumme könnten halt nicht gefirmt werden, da der Glaube vom Hören kommt. Wir Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren uns einig, dass das nicht sein könne. Im Selbststudium stellen wir fest, dass wirklich über Jahrhunderte und länger Menschen ohne Gehör für dumm gehalten wurden. Schließlich haben diese “dummen” Menschen selber eine Sprache entwickelt. Sie passt in die Reihe von Leichter Sprache und in das Konzept des Lormens.
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Die Community hat den Spieß umgedreht. Sie lässt uns Sprachlose nicht mehr teilnehmen. Da bei dem Fachtag auch Vertreter von Geldgebern anwesend waren, wurden natürlich Ausnahmen gemacht. Und natürlich gab es auch Sinnesbehinderte, die sich Mühe mit mir gaben. Wie anstrengend für alle Beteiligten! Alles in allem ist mir völlig klar, dass bei Anwesenheit von Vertretern und Vertreterinnen der Mehrheitsgesellschaft, dieser Satz immer wieder fiel:
Wir sind nicht dumm.
Es gab um den Hörsaal (!) herum Flure, auf denen Vereine und Verbände ihre Arbeit vorstellen. Außerdem zeigten einzelne Hilfsmittelhersteller ihre Produkte. Vom Handwerk des Flechtens über Frauengruppen bis zu Lese- und Vorlese-APPs war alles da.
Was davon brauchen wir im Bistum Essen? Was sollte die Mehrheitsgesellschaft vorhalten, damit Inklusion gelingen kann? Berechtigter Einwand auf diese Fragen: “Wir wollen auch mal unter uns sein.” Und damit sind wir beim Thema der Seelsorge. Denn es geht um unsere und eure und aller Menschen Gesundheit, wenn wir uns Gedanken machen. Diese Gedanken darf sich nicht nur die Mehrheitsgesellschaft machen, denn die ist schnell damit fertig. Landläufig gelten Taubstumme als arme Menschen. “Die Armen.” Ja, aber … . Ganz viel ABER, weil ich ja so verloren zwischen all den kommunizierenden Menschen war. Also nochmal die Frage an die Mehrheitsgesellschaft. Fragt mal die Community, geht mal auf ihre Veranstaltungen.
Nummer 1: Lernt Sprachen.
Da führt kein Weg dran vorbei.
Hier ein Film, der erzählt, statt zu informieren. Mir gefällt er.
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Wer mehr wissen will, dem seien diese Links empfohlen:
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- 2026-06-29 01:02:39