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Vom Katzenmädchen Isabell

Das Katzenmädchen Isabell — recht dünn, mit ausgefranstem Fell, etwas verfloht und auch verlaust, weil es in Untergründen haust, war eine…

Lese-Fröschlein · 2022-05-29 02:31 · 0 claps · 12.8 min read
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Vom Katzenmädchen Isabell

Eine Umweltgeschichte

Katzenmädchen Isabell (Quelle: Pixabay)

Katzenmädchen Isabell (Quelle: Pixabay)

Das Katzenmädchen Isabell — recht dünn, mit ausgefranstem Fell, etwas verfloht und auch verlaust, weil es in Untergründen haust, war eine kleine Streunerkatze, die nichts hatt’, als den Boden unter ihrer Tatze.

Tja, diese kleine arme Miez, lebte täglich auf dem Kiez, war zu schwach zum Mäuse-Jagen und musst’ sich oft mit Hunger plagen.

Paar Häuser weiter, gleich nebenan, der dicke Kater Jonathan, führte ‘ne Katzenbande an. Die Burschen waren sehr rabiat, deshalb bekannt in Land und Stadt. Sie kratzten sich und rauften sich, ihr Anführer war’n Wüterich, sie lebten oft auf großem Fuß und tranken Milch, mit Schuss.

Zu dieser Zeit begab es sich, dass ein flotter, junger Katerich, entstammend aus sehr gutem Haus, führte Wanderungen aus, um zu lernen, zu studieren, mehr von der Welt — auf allen Vieren.

Er lief nicht langsam, auch nicht schnell, war wachsam, hielt die grünen Augen offen — und kam so ins kleine Städtchen vom Katzenmädchen Isabell.

Die Sonne, die schien ziemlich warm, er brauchte Wasser, doch die Stadt war arm. Was er fand, war nur ein kleiner Bach, mit braunem Wasser — stinkend, ach! Nicht einmal die kleinen Finken wollten diese Brühe trinken!

Als er so stand, die Nase rümpfte und leise vor sich hin so schimpfte, kam ein Etwas, zart und schwach, um zu trinken — aus dem stinkenden Bach!

Und er erkannte Seinesgleichen, zwar dünn und krank, sehr traurig auch, doch sah er es als gutes Zeichen, denn Katzen gab’s hier also auch!

Gleich war er da, husch, husch zur Stell’, wollt’ dem Gefährten helfen schnell. Sah ihn sich an, den armen Schlucker — da macht’ sein Körper einen Zucker:

Er schaute in zwei schöne Augen, so grün, dass sie zum Innehalten taugen! Ihm wurd’ ganz warm, in seinem Bauch sich gleich verfing, ein klitzekleiner Schmetterling! Der kitzelte von innen her und machte ihm das Reden schwer:

Äh, ähm, ich heiße Tom, bin sehr erfreut, dass ich Sie durfte treffen heut’!“, stammelte der kleine Tagedieb und schnurrte dabei brav und lieb. Tat, als würd’ den Kummer er nicht sehen und fragte: “Wolln Sie ein Stückchen mit mir gehen?“

Oh“, sprach die Kleine ziemlich matt, das tät ich gern, doch bin ich durstig und heut wiedermal nicht satt. Drum bitt’ ich Sie, gehn Sie vorüber, bin nur ein armer Straßentiger, miau, mau, mau, ich sage tschau!“ Versuchte schnell davonzukommen, ganz klapperdürr und mitgenommen.

Doch diese Rechnung hatt’ die Katz’ nicht mit dem Katertier gemacht. Geschwind und zart hielt er sie fest, gab ihr vom Proviant den Rest, auch Sahne hatte er dabei, dass sie sich stärke — eins, zwei, drei!

Es speiste wohl noch nie so schnell, das Katzenmädchen Isabell. Der Proviant war wirklich lecker — und auch die Sahne! Schlecker, schlecker!

Wie sprang das Herz vom Katermann, als zwei grüne Augen sah’n ihn dankbar an. Da nahm er sich seinen ganzen Mut und schnurrte leis: „Es wird alles gut. Doch eins musst du mir fest versprechen — trink nie, nie mehr aus stinkenden Bächen!“

Miau, mau, mau“, sagte das Mädchen, klares Wasser gab es früher mal in unserm Städtchen. Ob Beine zwei, ob Pfoten vier - Mensch und Tier war’n glücklich hier.

Doch eines Tages kamen Bagger, weil man hier fand ein Kohle-Lager. Sehr viele Häuser mussten weichen, und auch die Bäume — uralte Eichen.

Dann bauten die Menschen ‘ne Chemie-Fabrik. Das war das größte Ungelück! Miau, mau, mau, der Himmel wurde grau und unser Bach — mal gelb, mal rot, mal grün, mal blau.

Unser schönes Leben — aus der Traum! Der Bach, der hatte nur noch Schaum. In unserm Boden, welch ein Graus, lebte nicht eine müde Maus!

So wurden langsam alle krank. Das wenige saubere Wasser sicherte sich ‘ne Katzen-Gang. Ihr Anführer ist Jonathan — kein Kater es mit ihm aufnehmen kann.

Er ist ganz furchtbar rabiat, das ist bekannt in Land und Stadt. Drum rat’ ich dir: Meide den Ort und ziehe weiter, ziehe fort!“

So sprach sie und dann sprang sie weg - husch, husch, über ‘ne Mauer, dann in ein dunkles Eck, balancierte auf der Regenrinne, hielt dort noch einmal ganz kurz inne — dann verschwand das zarte Wesen, als wär’ es niemals da gewesen.

Wie angewurzelt stand er da. Dem kleinen Kater wurde klar: Er würd’ sie niemals wiedersehn, die süße Kätzin, wunderschön.

Ach, hätte er die Wasserquelle, mit klarem Wasser — auf der Stelle! Dann könnte er ihr imponieren und sie würd’ seine Liebe spüren!

Darum, als kluger Katermann, schmiedete er flugs ‘nen Plan…

Will mich legen auf die Lauer, für ‘ne unbestimmte Dauer, wie es Katzen manchmal tun, ohne zu schlafen oder auszuruhn.

Schleiche leis auf allen Vieren, husch in manches dunkle Eck’, um zu lauschen Mensch und Tieren, aus dem Ofenrohr-Versteck.

Werd’ die Lage gründlich prüfen, meine Suche dann vertiefen, Stück für Stück, Tatze für Tatze, geht sie vor, die schlaue Katze.“

Gesagt, getan. Nun konnt’ er zeigen sein Talent, als 007-Geheimagent. Durch gutes Hören und Geschick, rein körperlich, und etwas Glück, mit dem Verstand, der war hellwach, lüftete er das Geheimnis um den Bach:

Nachdem die Menschen, durch Chemie und Kohle, ihre Stadt preisgaben, dass sie der Teufel hole, warn die Tiere auf sich allein gestellt, glaubten nicht mehr an eine bessre Welt.

Sie gaben auf und wurden schwach, das giftige Wasser tat seine Wirkung, ach! An allem hat es nun gefehlt, in dieser grauen Stinke-Welt.

Den Menschen war das schnurz-egal und der Chemiedunst machte ihre Gesichter fahl. Die Tiere lebten irgendwie, und es entstand — kriminelle Energie!

Der dicke Kater Jonathan ließ keinen mehr an saub’res Wasser ran, denn es gab noch klare Quellen, weit draußen vor der Stadt, an einzelnen Stellen.

Er gründete einen Verein, dort traten nur die Kater ein, die ihm, gehorsam und ergeben, verhalfen zu ‘nem guten Leben.

Die Gang war stark, der Kater sieben, sie kratzten und sie rauften sich, warn böse und durchtrieben. Fortan bewachten sie die Quellen, tranken jeden Tropfen selbst — die Krüge konnte man nicht zählen!

Dann fiel den Schelmen leider ein: Wir richten eine Tauschbörse ein! Klares Wasser, gegen Waren, so kann man sich die Jagd ersparen, nach Mäusen oder Kleingetier, auch frische Milch ertauschen wir!“

Ach, die Tiere in der Stadt hatten Jonathan so satt! Wollten gerne rebellieren, auch aus dem Nachbarort mit Tieren,

gegen diese frechen Prasser — nur leider brauchten sie das Wasser! Warn gezwungen anzunehmen, das Tauschgeschäft. Jonathan sollte sich was schämen!

Die armen Tiere litten sehr, gaben für sieben Kater ihren ganzen Vorrat her. Stück für Stück, vom Hab und Gut, tauschten sie in ihrer Not.

Im Städtchen wurd’s entsetzlich still, die Tiere sagten nicht mehr viel, gingen kaum noch aus dem Haus — ‘ne Geisterstadt, und aus, die Maus!

Während Katerchen so dachte und so seine Pläne machte, kitzelte es ihm sanft am Ohr. Dann kam ein „Etwas“ keck hervor.

Er wollt’ schon rufen: „Polizei!“, da hielt er inne und sah: Es war ein kleiner Papagei! Noch jung an Jahren, kunterbunt und auf dem Kopf — ein Federbüschel, kugelrund!

Darf ich mich vorstelln: Arabu, bin mit der Stadt auf Du und Du, bin hier bekannt, wie’n bunter Hund und ein Federvagabund.

Einst wohnte ich in einem Käfig, mit viel Komfort, vornehm und gräflich, bei Menschen, ohne Fehl und Tadel — kein Wunder, denn sie warn von Adel.

Ich selbst hab höhere Schulen besucht, denn meine Menschen warn sehr betucht. Ich spreche perfekt 15 Sprachen, mein Diplom werd’ ich bald machen!”

Bin sehr erfreut“ sprach Kater Tom, wünsch’ viel Erfolg, für das Diplom! Bin selber nur ein Fremder hier, wohn’ in ‘nem anderen Revier. Kam zufällig an diesen Ort und geh’ hier vorerst nicht mehr fort.“

Und Tom erzählte eins, zwei, drei, dem freundlich-bunten Papagei, ausführlich und in klaren Worten, was ihn bewog, hier noch zu warten.

Kik, kik, mein Freund, du bist verliebt!“, hat Arabu freudig gepiept. Ja, die Isabell, die Gute ist ‘ne süße Zuckerschnute! Hat sie ein Glück, sieh an, sieh an, bist ein famoser Katermann!“

Vor Aufregung dem Pfiffikus, stellte sich auf, der Federbusch und Kater Tom dacht’: „Sieh mal an, er tut, als wär’ er’n Gockelhahn!“

Sie plapperten noch eine Stunde in ihrer trauten Männer-Runde, wurden Freunde — ziemlich enge und war’n auf gleicher Wellenlänge.

Arabu krächzte: „Hey, ich schwör’, bei meinen Federn helf’ ich dir! Denn, so glaub mir, wenn ich fliege, nen Überblick ich sofort kriege,

verstecke mich hinter ‘ner Wolke, während ich den Schurken folge, gehe vor, mit purer List und werde seh’n, ob Jonathan zu ärgern ist.“

Sein Federbusch wurd’ riesengroß: Oh weh, er überschätzt sich bloß!“, dachte Kater Tom gequält. Hätt’ ich ihm nie davon erzählt!“

Doch Arabu flog flugs von dannen. Noch konnte Kater Tom nicht ahnen, was Tags darauf sich sollt’ anbahnen, drum hört gut zu und stört mich nicht, beim Erzählen der Geschicht’:

Währenddes die Isabell, bereute ihre Worte schnell. Der Kater Tom war sanft und gut, kein Typ, dem man ‘ne Abfuhr tut.

Überdies sich heut’ verfing in ihrem Bauch ein Sehnsuchts-Schmetterling! Der konnte Plag’ und Schrecken mit Liebe überdecken.

Während sie träumte, nach Katzen-Manier, klopfte es donnernd und laut an die Tür. Eine rauhe Stimme, die sie gut kannte, befahl ihr zu öffnen — es war ihre Tante.

Die dicke Thusnelda befahl ihr: „Mach auf! Der Jonathan bietet Dir einen Deal, mach’ dich schnell fertig und frage nicht viel!“

Die dicke Tante war sehr streng, die Augen schmal, wie’n Schlitz, so eng. Siehst heute mal satt aus, du dünnes Wesen!“ Isabell war nicht nach diesen Späßen.

Sie war der Tante ein Dorn im Auge: Von je her meinte sie, dass Isabell nichts tauge. Zu schwach noch war sie, um sich zu wehren. Ach, wie tat sie Kater Tom jetzt begehren!

Der Jonathan, unser Retter der Quellen, lässt dir ‘nen schönen Gruß bestellen!“, brummte die dicke Tante indess’. Er braucht einen weiblichen Hilfs-Gesellen, so einen wie dich, so samtig und süß! Du bist schon lange in seinem Visier, denn du bist ein hübsches Katzentier!“

Da bekam Isabell ‘nen riesigen Schreck: Ich möcht’ mich verkriechen in ein dunkles Versteck! Oh jemine, miau, mau, mau, ich arme kleine Katzenfrau! Warum nur, will Jonathan mich seh’n? Bin dünn und krank und auch nicht schön!“

Sie zitterte am ganzen Leibe: Ach Kater Tom, geh’ nicht weg, sondern bleibe!“ Doch keiner hörte sie, das Unglück war groß. Die Tante rief: „Wann kommst du denn bloß? Beeil’ dich und tret’ nicht verträumt auf der Stelle — komm endlich fort hier, schnelle, schnelle!“

So erging es dem Mädel und es musste sich fügen, in ein Spinnen-Netz, aus Hass und Intrigen, wurd’ aus allem nicht schlau, miau, mau, mau!

Und es musste laufen das Katzenmädchen weit, weit hinaus, aus ihrem Städtchen, bis sie kamen zu den Wasserquellen, die sprudelten, an verschiedenen Stellen.

Kater Jonathan stand schon bereit, stark und mächtig, groß und breit: Verehrte Thusnelda, wen sehe ich da? Mein neues Hausmädchen, entzückend, oh ja!

Sie wird für mich da sein, an allen Tagen, und hier im Haus die Verantwortung tragen. Auch wird sie helfen, Wasser zu schleppen, für die Tausch-Geschäfte, mit den städtischen Deppen.

Sie ist recht dünn, doch das stört mich nicht. Doch wehe, sie ist mir nicht stets zu Diensten, dann mach’ ich ihr Beine!“, brüllte er mit ‘nem Grinsen.

Die Tante schüttelte ihr schmieriges Fell. Nun gehe hin und tu’, was er sagt, aber schnell!” Zu sich sprach sie heimlich und sehr still: Nur gut, dass das Mädchen nicht kennt unser’n Deal!

Denn sie ist selber Tausch-Objekt, das hat die Familie so ausgeheckt. Es lohnt sich für alle, nur die Kleine muss schuften, alle lachen sie aus - soll sie ruhig immer bleiben, in Jonathans Haus!”

Doch währenddes, da flog im Nu, der kleine Vogel Arabu weit hoch in den Himmel, zu suchen Jonathan, den Lümmel.

Schnell hatte er ihn von oben entdeckt, sich hinter ‘ner Wolke gut versteckt, flog danach auf einen großen Baum — und traute seinen Papageien-Augen kaum:

Er sah das Mädchen Isabell! Sie musste schleppen, fleißig und schnell, die schweren Wasser-Krüge. Wird Zeit, dass ich Jonathan kriege!“, rief Arabu ganz aufgeregt. Warte, mein Freund, ich fliege, bin heute sehr schlecht aufgelegt!“

Potz Blitz, da düste er davon, von seinem hohen Baum-Balkon, sein Federbüschel bebte, als er abwärts schwebte.

Er krächzte: „Kater Tom lässt dich grüßen!“, und landete — vor Isabell’s Füßen, so nach Arabu-Brauch, direkt auf dem Bauch.

Hallo, du kleines Federtier, was machst du denn so nah bei mir? Was, du sprachst von Tom, dem Kater? Oh, du heil’ger Katzenvater, hast mich erhört in meiner Not, durch Arabu, den Bruchpilot!“

Der bunte Vogel saß darnieder und richtete sorgsam sein Gefieder, zupfte alles neu zurecht und war bereit nun zum Gefecht.

Doch Isabell, die Miezekatze, hob mahnend ihre weiche Tatze: Flieg’ wieder fort, du kleiner Held, das hier ist nicht dein Kampfesfeld. Bist viel zu klein, um mich zu retten, ich glaube, hier hilft nur noch beten!“

Da hatte sie die Rechnung ohne Arabu gemacht. Er war ein Papagei-Genie mit einer guten Strategie!

Jetzt hör’ mal zu, du Miezekatz’, du bleibst still hier, an deinem Platz. Tust, als wäre nichts gewesen und treibst in Ruh’ dein Haushaltswesen.“

So sprach er und war schon bereit, zur nächsten Blitz-Aktion. Die Kater würden Augen machen - das wusste er jetzt schon.

Er nahm sich eine kluge Brille, schluckte ‘ne Baldrian-Pastille und schwuppdiwupp wurd’ er sodann ein weitgereister Handelsmann.

Er sprach französisch oder englisch, konnt’ fabulieren, sehr hinlänglich, und — das stand außer Frage — ausgezeichnet beherrschte er die Katzensprache. Stolzierte alsbald ohne Scheu zur „Höhle der Löwen“ und flötete laut: Glad to see you, Ahoi!“

Die Raufbolde waren grade am Saufen — da kam wohl einer, der wollte was kaufen? Am besten, er zieht schnell seiner Wege!“, lallte Jonathan und reckte sich träge.

Doch Arabu, der gab nicht auf, und so nahmen die Dinge ihren Lauf:

Good Evening, die Herren, sehr ergeben, ich hörte von Ihrem feinen Leben!“ Stolz trat er auf ‘nen hohen Sockel, plusterte sich auf, wie’n dicker Gockel und begann mit seiner Rede, tat altklug und gescheit, der alte Schwede:

Ähm, ähm, miau, miuuu“, begann er förmlich und kratzte sich am Kopfe immerzu. Murr, murr!“, setzte er fort, gehörig, das hieß: „Will machen ein Geschäft, das schwör’ ich! Mink, monk, schnurrefix!“ — an Perfektion fehlte ihm nix.

Die Kater war’n zum Glück im Dusel, lauschten nur halb, dem Federwusel. Doch eines hatten sie vernommen: Im Tausch gegen Wasser sollten sie was Tolles bekommen!

Der kleine Feder-Wicht war clever, lockte mit ‘ner schönen Katzen-Lady, einer mit Pfeffer! Sie sollte sein, ganz lieb und zahm, mit samtigen Pfoten und anschmiegsam.

So eine habt ihr noch nie gesehen! Sie wird euch allen die Augen verdrehen! Doch hört gut zu, das war noch nicht alles: Die Miez hat ein Wässerchen, das sehr lecker schmeckt, sie braut es selbst, ich hab’s grad’ erst entdeckt.

Es bewirkt wahre Wunder, ihr werdet’s nicht glauben!“ Beim Reden tat Arabu die Federn hochschrauben.

Der Schah von Timbuktu hat davon getrunken, es verleiht Bärenkräfte, gegen Diebstahl und Halunken!“

Da wurde munter, der Jonathan. Dieser Trank ist ein Wunder!“, dacht’ er sich dann. Unbedingt muss ich ihn haben, um mich kräftig daran zu laben! Werd’ dann der Stärkste immer bleiben und kann jeden Unfug treiben!“

Er erhob sich und es schwabbelte sein Fett, dann begann er zu lächeln und schien friedlich und nett:

Besorg’ mir den Wundertrank und die Mieze dazu, dann liefere ich dir zehn Fässer Wasser im Nu.

Das ist der Deal, so wahr ich Jonathan heiße. Nun flieg sofort los und mach’ dich auf die Reise!“

Das ließ sich Arabu nicht zweimal sagen. Er flog zurück und lachte verschlagen: Hey, ich komme, Kater Tom, um fortzusetzen, die Mission!“

Tom’s Sehnsucht wuchs indess’ sehr schnell, nach Katzenmädchen Isabell. Er fragte sich auch immerzu: Verflixt, wo bleibt denn Arabu?“

Kaum hatte er gedacht zu Ende, da hörte er von draußen Krach, es war der Vogel Arabu, gelandet auf dem Scheunendach!

Ohne recht voranzukommen, krakeelte er noch recht benommen: Auf, auf, du lieber Katermann, nun liegt’s an dir, jetzt bist du dran!

Üb’ schon mal das Schmusen und schnurre dich ein, morgen wirst du eine Lady sein.“

Die beiden schafften bis in die Nacht, dann war die Vorarbeit gemacht: Der Kater Tom, mit ‘nem Damen-Hut, sehr elegant und er stand ihm so gut.

Mit seidenem Schnurrbart und samtigen Fell schlug er die Augen nieder und wurde „ein Mädchen“ auf der Stell’.

Auf dem Rücken ein paar Flaschen mit dem Wunder-Trank, gebrannt aus braunem Wasser — hochgiftig und mit Gestank.

So sollte er ziehen, am nächsten Morgen, um im Tauschgeschäft zehn Fässer Wasser zu besorgen und im Anschluss daran, auf die Schnelle, noch zu befreien — Isabelle.

Gesagt, getan — am nächsten Tag zog Tom zu Jonathan. Mit einem Schmeichel-Blick, war er ihm zugetan.

Zog vor’s Gesicht den Hut, versteckte sich so gut, tat ihn verehren und auch betören, brachte ihm den Wundertrank und tat beim Trinken ihn nicht stören.

Brrrr! Sag mir, ach, was soll das sein? Ein Wundertrank? Der schmeckt nicht fein! Mäusezahn und Rattenschwanz, ich verstehe das nicht ganz! Treibst du am Ende — ach, mit mir einen Schabernack?”

Doch Tom, die „Kätzin“ blieb entspannt: Du bist wirklich nicht galant! Meinen teuren Wunder-Trank hab’ ich gebraut zehn Tage lang!

Darin sind gute Kräuter, sie machen froh und heiter! Doch nicht genug! Darin ist Wein — das Rezept, das ist geheim — der verleiht dir Zauberkraft! Und ich werd’ von dir abgestraft?”

Jonathan, der nahm indessen noch ein paar Schluck, gleich nach dem Essen. Das Zeug war bitter, kaum zu ertragen, doch tat er nicht noch weiter fragen.

Hauptsache, die Zauberkraft wirkte gut, im Kräutersaft! Nun wurde er ein wenig müd’, es war ja auch schon ziemlich spät.

Träge schwankte er zu seinem Bett. Ach, kleine Miez, du bist so nett, machst den Kater Jonathan auf der Welt zum stärksten Mann“, lallte er, schon recht benommen —

Nie wieder sah man ihn aus diesem Hause kommen.

Das Gift im Wasser war so stark, dass es ihn brachte in den Sarg. So war seine große Gier der Grund für’s bittere Ende hier.

Die Kater-Gang, die stahl derweilen, den Rest der Flaschen und tat sich beeilen davonzukommen, über Berg und Tal und man sah sie nie mehr, ihr Ende war ‘ne Qual.

Die Isabell jedoch, konnt’ es nicht fassen, von ihrem Tom die Augen nicht lassen. Er war ein Held — samt Arabu! Die Tiere jubelten beiden zu!

Und Arabu, der Papagei, flog auf den Kirchturm, eins, zwei, drei. Dort oben saß er, wie ein König, die bunten Federn leuchteten, und er war stolz auf sich, ein wenig.

Sein Federbüschel — kugelrund, wippte vornehm, als er folgendes tat kund:

Der Kater Tom und ich, wir haben beschlossen, es soll sich was ändern, im Ganzen und Großen: Nachdem der Jonathan besiegt, ein jeder wieder sauberes Wasser kriegt.

Kostenlos, so wie es immer schon war. Die Quellen werden wir bewachen, ist doch klar! Wir werden die schmutzige Stadt verlassen und uns an den Quellen niederlassen.

Stück für Stück und Stein für Stein, wird jedes Tier bauen, sein neues Heim. Dort wollen wir wieder glücklich sein!

Ganz in der Nähe leben zwar Menschen, doch mit ihnen haben wir keinen Zoff. Sie leben friedlich und nachhaltig und betreiben einen Bio-Bauernhof.

Drum packt eure Sachen und freut euch, kik, kik, so wahr ich Arabu heiße — wir zieh’n in unser Glück!“

Die Tiere, sie jubelten Arabu zu. Nur Tom und Isabell, die hörten nicht zu. Sie wollten beide im siebten Himmel schweben, denn Tom hatte gefragt:

“Schnurr, schnurr, willst du mit mir leben?“ Und Isabell, die hatte „Ja!“ gesagt: Miau, mau, mau, will ab heute sein, deine Katzenfrau!“

Die beiden sind sich lieb und treu — ein schönes Katzenpaar, die zwei!

So nahm die Geschichte eine gute Wende und jeder war zufrieden am Ende. Doch wenn wir alle uns schon heute um eine saubere Umwelt sorgen,

dann leben Tom und Isabell, Arabu, die Tiere und wir Menschen nicht nur heute, sondern auch noch morgen!


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