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Wartezeit; FFM

Café mit kleinen, gläsernen Erkern zur Bahnhofshalle. Es läuft irgendein unaufdringlicher Schlager nach dem anderen. An der Wand hängen…

sjÁlfur · 2019-02-07 18:50 · 7 claps · 1.5 min read
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Wiki topics: 🧘 · Spirituality

Wartezeit; FFM

Café mit kleinen, gläsernen Erkern zur Bahnhofshalle. Es läuft irgendein unaufdringlicher Schlager nach dem anderen. An der Wand hängen Memorabilia der Mitropa und Modelleisenbahnen in Glasvitrinen. Es gibt eine Bar, hinter der Spirituosenschränke hinter unpassenden Buntglasfenstern hängen. Im Erker ein beleuchtete Plastikschild mit einer krummen Schraube angebracht. Das Stromkabel hängt mit weißen Plastikklammern unzureichend befestigt entlang der Metallsprossen des oberen Fensters bis zur nächsten Steckdose an der Decke. Der Cappuccino kommt gut gemeint mit Schokopulver verziert in vom Kaffeeautomaten überschwemmten Tassen. Das Publikum bunt gemischt, schließlich ist das hier der einzige warme Ort, an dem man dank Umbau im Frankfurter Bahnhof momentan sitzen kann. Abgesehen vom McD nebenan, natürlich, aber da ist Glutenhölle. Eine vollverspiegelte Säule steht alles andere als mittig im Raum und verhindert einen weiteren Tisch. Die Tische sind rund und klein und einzeln — die meisten Reisenden sind alleine. Im Glaskasten an der Wand steht weißes Porzellan, in dem man vor der Dämmerung der 70er vermutlich die Sonntagssuppe auf irgendeinem in die Jahre gekommenen Gutshof serviert hat. Terrine. Sauciere. Heute nur noch „Dings“ in unterschiedlichen Größen. Schnitzel mit Kartoffelsalat für 5,90 EUR gibt es heute. Bahnhofspreise. Immerhin rechnet das Schild nicht noch hilfreich in DM um. Eine Illusion weniger. Den Boden könnte man auch mal wieder fegen. Wenn Remus hier durchlaufen würde, wäre er danach automatisch sauberer. Gemütlichkeit ist, was man sich einredet. Auf der anderen Seite des Fensters ist überdachtes Draußen. Bahnhofshalle. Und Draußen ist Taubenkacke. In vielen Variationen. Ich checke, ob mein Cappuccino schon leer ist — ist er. — bevor ich den Gedanken über Vogelexkremente fortsetze. Der Gedanke ist dankbarerweise aber bereits ver-höhö!-flogen. Ich korrigiere den Sitz meiner adidas Dragons: geht. Sind nicht mehr so weiß, wie vor einem Jahr. Ganz okay-e Metapher. Kann man schonmal machen. Wenn nicht gleich eine Textnachricht kommt und mir sagt, dass wir uns draußen vorm Steigenberger treffen können, rennt sich der Text hier fest. Das wäre echt schade. So ein schickes Stück Prosa. Ich denke darüber nach, die einzelnen Zeilen später per Zufallsgenerator zu unterbrechen. Wirkt dann wie Ernst Jandl. Oder Botho Strauß. Ach nee, Botho Strauß kommt nicht in Frage. Der hat sonderbare Ansichten und einen Sprung in der Schüssel. Auf der falschen Seite. So wie Stockhausen. Oder wie hieß der vierte Quietschboy noch? Karlheinz? Karlbotho. Warum guckt mich der Mann da draußen so hungrig an? Der will bestimmt das Schnitzel. Anruf! Zahlen! Ich bin raus.


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