Erwartungen und Inflation
Wie wir schon in früheren Beiträgen gehört haben, sind Erwartungen für die Zukunft ein wichtiger Faktor in der Makroökonomie. Sie können…
Erwartungen und Inflation
Wie wir schon in früheren Beiträgen gehört haben, sind Erwartungen für die Zukunft ein wichtiger Faktor in der Makroökonomie. Sie können die Wirtschaft in eine negative, aber auch in eine positive Richtung lenken.
Ein Beispiel sind die Erwartungen hinsichtlich Inflation. Wenn Arbeitnehmer erwarten, dass die Preise in den nächsten Monaten steigen werden, werden sie wahrscheinlich höheres Einkommen fordern sodass ihre realen Einkommen (nach Inflation) nicht fallen. Andererseits werden Unternehmen, die erwarten dass Einkommen steigen werden, wahrscheinlich ihre Preise erhöhen um sicherzustellen dass ihre Gewinne nicht sinken. Die Erwartungen hinsichtlich Inflation können die Realität also stark beeinflussen.
Eine der Hauptaufgaben von Zentralbanken ist es, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Preise in Zukunft nicht besonders stark steigen werden, dass die Inflation also niedrig sein wird. So können Erwartungen positiv statt negativ wirken. Um das zu erreichen, müssen Zentralbanken glaubwürdig sein. Die Öffentlichkeit muss also überzeugt sein, dass die Zentralbank alles dafür tut um die Inflation gering zu halten. Wenn die Zentralbank so eine Glaubwürdigkeit erreicht hat, wird ihre Aufgabe viel leichter, da hohe Inflation weniger wahrscheinlich wird wenn die Leute mehr Vertrauen haben. Hat eine Zentralbank dagegen wenig Glaubwürdigkeit, steht sie unter gewaltigem Druck, da die Wahrscheinlichkeit einer Inflation um einiges höher ist.
Die Glaubwürdigkeit ist für Zentralbanken schwierig zu erreichen. Um eine Inflation zu bekämpfen müssen sie typischerweise die Zinssätze erhöhen, wodurch der Konsum und Investitionen zurückgehen, da Kredite teurer werden. Die Wirtschaftsleistung wächst dann auch langsamer und die Arbeitslosigkeit kann steigen.
Kurzfristig stehen dann also Zentralbanken und ihre Hauptverantwortlichen, zum Beispiel die Präsidentin der EZB, schlecht da weil ihre Maßnahmen unter anderem dazu führen können, dass viele Menschen ihre Jobs verlieren. Daher ist es wichtig, dass die Amtszeiten der Verantwortungsträger länger sind als zum Beispiel die von Politikern. In der EZB beträgt die Amtszeit der Präsidentin 8 Jahre, die amerikanische Federal Reserve setzt ihr “Board of Governors” sogar für 14 Jahre ein.
Dies ist auch der Grund warum Geldwirtschaftler es bevorzugen, dass Zentralbanken “unabhängig” vom kurzfristigen demokratischen Porzess und, zu einem großen Teil, auch unabhängig von Politikern und der Politik insgesamt sind. Zentralbanken sind nicht immer unabhängig gewesen. Im Laufe der Zeit wurde die direkte politische Einflussnahme auf die Währungspolitik jedoch immer stärker beschränkt.
Eingriffe der Politik, wie zum Beispiel durch Preiskontrollen, können potenziell effektiv sein um die Zentralbanken dabei zu unterstützen, die Erwartungen der Bürger zu verändern. Sie werden aber oft schlecht ausgeführt. Selbst wenn sie nicht schlecht ausgeführt werden, können sie wirtschaftlichen Schaden anrichten, da beispielsweise bei festgesetzten Preisen der natürliche Angebot-Nachfrage Preismechanismus aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Wenn die Versorgung mit Öl zum Beispiel abnimmt, steigen üblicherweise die Preise, was dazu führt, dass Menschen weniger verbrauchen, Alternativen suchen oder einfach nur bereit sind, mehr zu zahlen. Bei festen Preisen verändert sich das Verhalten nicht, was dazu führen könnte, dass manche Menschen überhaupt keinen Zugang zu Öl erhalten.
In den letzten drei Jahrzehnten haben viele Zentralbanken die Strategie aufgegriffen, ein bestimmtes Inflationsziel zu verfolgen. Die EZB strebt zum Beispiel eine Inflation von knapp unter 2% im Jahr an. Einer der Vorteile dieser Inflationszielregelung ist, dass sie möglicherweise verhindern kann, dass die Wirtschaft in eine Inflationsspirale schlittert.
Während der Finanzkrise von 2007 bis 2009 wich die US-Zentralbank von der Inflationszielregelung ab und machte finanzielle Stabilität ihre höchste Priorität. Die EZB blieb ihrer Linie hingegen treu. Die verschiedenen Strategien können als Experiment gesehen werden, auf das Ökonomen später womöglich zurückblicken und daraus Schlüsse ziehen werden. Gewiss ist jedenfalls, dass ein Vertrauen der Bürger in die Zentralbank deren Arbeit einfacher macht. Erwartungen spielen also eine große Rolle, wenn es darum geht, die Effektivität von Geldpolitik und die Entwicklung der Preise zu bestimmen.
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