← Back to list

A totally normal experience.

Episoden auf der Straße

Milla M. · 2024-11-19 20:10 · 0 claps · 6.3 min read
#society #people #menschen #gesellschaft #rude
Open on Medium ↗
Wiki topics: 🔒 · Cybersecurity 🌐 · Society · General

A totally normal experience.

Episoden auf der Straße

Im Café. Meine Freundin Karla und ich gehen in ein Café. Die Sonne scheint, draußen sind alle Tische besetzt. An einem sehr langen Biertisch sitzen zwei Frauen auf der einen Seite und eine Frau allein am Kopf auf der anderen Seite. Wir fragen, ob wir uns dazusetzen können. Es ist mehr als genug Platz. Die zwei Frauen nicken, die dritte guckt uns nur böse an. Grummelnd lässt sie uns neben sich Platz nehmen. Karla und ich sitzen in uns gegenüber. Intuitiv reden wir etwas verhalten, weil die Frau so böse guckt. Nach einer Minute steht sie fahrig auf. Ich scherzhaft: Ich hoffe, wir haben Sie nicht vertrieben! Sie wütend: Doch! Ich will hier nicht mit Ihnen sitzen! Aufgebracht rauscht sie davon.

Die Geisterfahrerin. Ich fahre mit dem Rand auf der Straße, ganz normal am rechten Straßenrand. Auf einmal kommt mir sehr schnell eine Radfahrerin auf meiner Seite entgegen. Ich muss ihr ausweichen, damit wir nicht zusammenstoßen. Ich lächel sie an mit der Botschaft “Hey, kein Problem, dass Du Geisterfahrerin spielst und das gerade ziemlich gefährlich ist.” Sie starrt mich an mit irrem bitterbösen Gesicht, als wäre ICH verkehrt, und rast an mir vorbei.

Der Unfall. Karla und ich gehen spazieren, da gibt es einen lauten Knall und daraufhin ein herzzerreißendes Weinen eines Kindes. Ein Autofahrer hat einen kleinen Jungen angefahren, der mit seinem Rad unterwegs war. Das Kind liegt auf der Straße unter seinem Rad und schreit. Der Autofahrer steht neben ihm. Ein Passant eilt hinzu und fragt: Was ist passiert? Haben Sie es angefahren? Das Kind weint und schreit wie verrückt. Der Autofahrer läuft nicht zum Kind, hilft ihm nicht, tröstet es nicht, fragt nicht, wo es wehtut. Stattdessen sagt er: Ich habe keine Schuld, das Kind hat nicht aufgepasst! Es hat mir die Vorfahrt genommen!

Im Café 2. Karla und ich gehen in ein Café. An einem riesigen Biergartentisch sitzt eine einzige Frau. Aus reiner Höflichkeit fragen Karla und ich: Können wir uns am Rand dazusetzen? Sie: Nein, hier ist nichts mehr frei! Karla und ich bleiben verblüfft stehen. Da kommt ihr Freund und sagt: Doch doch, hier ist natürlich frei! Wir sind ja nur zu zweit! Wir setzen uns an den Rand. Es ist immer noch Platz für mindestens sechs Leute.

Auf dem Fahrrad. Ich fahre mit dem Rad durch mein Viertel. Vor mir stehen zwei Frauen mit ihren Hunden halb auf dem schmalen Radweg. Da ich auf dem Radweg nicht an ihnen vorbeikomme, bremse ich, steige ab und sehe lächelnd zu den Hunden und ihren Frauchen, um ihnen zu signalisieren, dass ich nicht sauer bin. Da schreit mich die eine Frau an: Gehen Sie hier weg vom Fußweg! Ich: ?? Hören Sie auf, mich Fußgänger zu belästigen! Ich lache sie ungläubig an: Hallo? Sie standen gerade auf dem Radweg! Ich bin doch extra für Sie abgestiegen. Sie brüllt mich weiter an: Ich stehe nicht auf dem Radweg! Hier! Ich stehe auf dem Fußweg! In dem Moment springt sie auf den Fußweg. Sie schreit: Belästigen Sie mich hier nicht! Ich sage: Gehen Sie mal zum Therapeuten. Ich steige wieder aufs Rad, sie brüllt mir wütend hinterher.

Der Gehweg. Laura holt mich mit dem Auto von zu Hause ab. Sie wartet im Auto vor meiner Haustür und steht eine Minute mit einem halben Autoreifen auf dem Gehweg. Also ich rauskomme, steht da ein Mann und schreit sie an: Weg da! Sie versperren hier den ganzen den Gehweg! Hier kann kein Rollstuhlfahrer durch! Laura lässt ihr Fenster runter und sagt beschwichtigend: Aber hier ist doch gar kein Rollstuhlfahrer! Beruhigen Sie sich doch! Wir fahren ja gleich wieder weg! Der Mann schimpft weiter, bis wir weg sind.

Im Café 3. Ich bin mit Jan im Café und trinke einen Cappuccino. Er schmeckt jedoch schrecklich — wässrig, nach H-Milch und verbrannt. Der Kellner ist mit Jan befreundet und setzt sich zu uns. Nach einer Weile frage ich ihn freundlich: Welche Kaffeemarke habt Ihr eigentlich? Er: Illy. Warum? Ich lache verlegen: Ach, wenn ich ehrlich sein darf, der Kaffee schmeckt nicht so gut! Er schmeckt irgendwie verbrannt. Er: Was?! Das kann gar nicht sein! Ich: Na gut, er schmeckt jedenfalls anders als gegenüber im Café, dort haben sie diesen von Haiti. Naja, aber nicht so schlimm. Er: WIR BRAUCHEN DICH HIER AUCH NICHT ALS GAST!

Im Taxi. Es schneit. Schöner weißer sauberer Pulverschnee. Ich steige in ein Taxi. Der Taxifahrer schreit mich sofort an: VORSICHT! VORSICHT MIT IHREN SCHUHEN! TRETEN SIE NUR AUF DAS ZEITUNGSPAPIER! Der gesamte Fußboden ist mit Zeitungspapier ausgelegt. Ich: Äh, das mache ich doch sowieso. Es ist aber gar nicht schmutzig. Er schimpft laut herum. Dann fragt er: Ist in der D.-Straße gleich noch die Baustelle? Ich: Tut mir leid, das weiß ich nicht, ich bin nicht von hier, da habe ich keine Ahnung, wo gerade Baustellen sind. Er schreit: WIE SOLL ICH DENN NUN FAHREN?! SIE MÜSSEN DOCH IN DIE K.-STRAßE! Ich: ? Ja, das muss ich! Aber was wollen Sie denn von mir? Ich weiß doch nicht, wie Sie nun fahren müssen! Er schimpft und schreit weiter: SIE MÜSSEN DAS ABER WISSEN!

Im Kleiderladen. Charly und ich sind in einem geräumigen Schickimicki-Laden — im sogenannten Multikulti-Szene-Antispießerviertel. Wir sind dabei, lauter Sachen anzuprobieren. Ich habe schon viele Sachen dort gekauft, die Verkäuferinnen kennen mich. In einer Ecke des großen Ladens trifft Charly ein nettes Pärchen und stellt es mir vor. Wir plaudern etwas mit unseren Sachen über dem Arm, die wir gleich kaufen wollen. Da kommt die Verkäuferin auf uns zu und fragt uns mit bissigem Unterton, ob sie uns helfen kann. Wir: ? Nein, vielen Dank! Wir lachen und plaudern weiter. 3 Minuten später kommt eine andere Verkäuferin zu uns und sagt böse und laut: Könnt Ihr bitte unseren Laden verlassen?! Wir: ?? Sie: Ihr blockiert hier den ganzen Laden! Wir verlassen wütend den Laden (ohne all die teuren Sachen zu kaufen) und reden draußen vorm Schaufenster weiter.

Das Klapprad. Ich bin mit Laura im Viertel und schiebe mein Klapprad nehmen mir her. Da kommt uns ein Mann entgegen, der auch ein Klapprad hat. Ich lächel und sage zu Laura: Guck mal, der hat auch ein Klapprad. Da schreit der Typ mich an: FUCK YOURSELF BITCH!

Im Cafe 4. Auf den Schock setzen wir uns in ein Café in einem Hinterhof. Ich gehe nach ein paar Minuten zum Küchenfenster, um dem Kellner dort zu sagen, dass wir hier als einzige hinten sitzen. Ich sage: Wir sitzen hier, ok? und mache ihm ein fröhliches Zeichen. Bei ihm ist die laute Herdlüftung an. Er schreit: Ich kann Dich nicht hören, wie dumm bist Du eigentlich, Du blöde Kuh?! Er kommt näher zu mir ans Fenster und merkt, dass es dort gar nicht laut ist. Ich: Ich habe alles verstanden. Er: Äh, ach so. Was wolltest Du mir denn sagen? Dass Ihr hinten sitzt? Ich: Nee, nicht mehr, wir gehen! Er schreit uns hinterher: Dann eben nicht!

Das Baugerüst. Ich fahre auf dem Gehweg unter einem Baugerüst. Am Ende sehe ich eine Oma langsam auf das Baugerüst zukommen. Ich sehe, dass ich lange aus dem Baugerüst raus bin, bevor die Oma durchs Baugerüst geht. Abgesehen davon hätten Oma und ich auch beide genug Platz unter dem Gerüst. Ich will nur höflich sein und fahre schnell unter dem Gerüst hindurch, damit sie Platz allein hat. Als ich an der Oma vorsichtig vorbeifahre, schreit sie mich voller Inbrunst an: DAS KANN JA WOHL NICHT WAHR SEIN! SIE AUF IHREM FAHRRAD!

Der Gehweg 2. Ich fahre im absoluten Schneckentempo auf dem Gehweg an ein paar Leuten vorbei. Dadurch dass ich auf dem Rad sitze, nehme ich den geringstmöglichen Platz weg, außerdem fahre ich übermäßig langsam und rücksichtsvoll. Alles ist gut und nirgendwo ein Problem in Sicht. Ein Mann sieht mich vorbeifahren und schreit mich an: ABSTEIGEN WÄRE JA WOHL ANGEBRACHT, WAS?!

Beim Laufen. Ich bin joggen und laufe über eine Kreuzung. Ein paar Minuten später überquere ich eine kleine Straße, da fährt ein alter Mann mit dem Rad direkt auf mich zu und schneidet mir extra den Weg ab. Er schreit mich an: ACHTUNG! PASSEN SIE GEFÄLLIGST AUF! Ich: Hallo? Was machen Sie da! Sie müssen auch aufpassen! Er: Sie blöde Ziege! Ich: Was fällt Ihnen ein! Er fährt mir hinterher und ruft: Sie sind vorhin über die Kreuzung bei rot gefahren! Das dürfen Sie gar nicht! Ich war EINE Sekunde vorher losgelaufen, als für die Autos bereits längst rot war. Ich: Lassen Sie mich in Ruhe! Ich laufe weiter, perplex. Zwei Minuten später kommt der alte Mann wieder hinter mir her, überholt mich und schreit: GOTT HAT SIE GENUG GESTRAFT, SIE HABEN JA KEINE TITTEN!

Die Klingel. Ich habe einen Bewerbungstermin bei einer renommierten Produktionsfirma. Ich stehe im Erdgeschoss vor der Glastür, adrett gekleidet und gebügelt mit schwarzem Rock, weißer Bluse und Haarknoten. Ich drücke die Klingel an der Säule. Niemand kommt. Ich drücke noch 3, 4 mal, dann denke ich: Hoffentlich kommt jetzt nicht jemand und sagt: Moment, Moment! Warum klingeln Sie so oft? Ich komme ja schon! Aber niemand kommt. Ich überlege. Was nun? Gleich ist mein wichtiger Termin! Ich klopfe an die Tür. Da kommt eine Frau durch den Flur, öffnet mir mit verärgertem Gesicht die Tür und sagt ohne Begrüßung oder Siezen: Warum klingelst Du nicht?! Ich: Wie bitte? Sie weiter völlig respektlos: Warum klingest Du nicht?!! Ich: Ich HABE geklingelt! Sie strotzt zur Klingel, drückt, aber nichts tut sich, es klingelt nicht. Sie: Ach, tatsächlich, geht nicht. Ich: Ja, genau! Sie kläfft weiter: Zu wem willste denn?! Ich höflich: Ich habe einen Termin mit Frau Beckman. Sie: Ah! Da biste sowieso völlig falsch hier! Die ist im ersten Stock!!


메타데이터
post_id
f5522ff3cccb
slug
a-totally-normal-experience-f5522ff3cccb
url
https://medium.com/@millaemm/a-totally-normal-experience-f5522ff3cccb
canonical_url
https://medium.com/@millaemm/a-totally-normal-experience-f5522ff3cccb
author_url
https://medium.com/@millaemm
status
ok
fetched_at
2026-07-22 02:49:39