MelLog “Das Leuchten der Ampel”
Was Grüne und Liberale überraschend verbindet
MelLog “Das Leuchten der Ampel”
Was Grüne und Liberale überraschend verbindet
Soziologisches Milieu
Grüne und Liberale werden von ähnlichen Milieus gewählt. Sie representieren soziologisch die arrivierte Mitte, die über eine überdurchschnittliche hohe Bildung verfügen, überwiegend noch erwerbstätig sind und ein überdurchschnittliche hohes Einkommen erwirtschaften.
Aus ihrem eigenen Wohlstand ziehen sie jedoch gegensätzliche Schlüsse. Den Grünen sind ihre eigenen Privilegien stets etwas peinlich und sie schämen sich für die ökologischen Nebenwirkungen ihrer Lebensweise. Nicht das Sein, sondern das Gewissen bestimmen hier das Bewusstsein. Die eigenen Interessen werden transzendiert und sie entlasten ihr Gewissen, indem sie für Themen wie die Vermögenssteuer stimmen, obwohl sie selbst davon betroffen sind.
Die FDP dagegen ist der Auffassung, dass Leistung sich wieder lohnen muss und dieser Lohn darf sich in teuren Konsumgütern ausdrücken. Reichtum muss nicht umverteilt werden und man muss sich auch nicht dafür schämen, den “Ihr habt es verdient!”. Grundsätzlich sind sie sogar eher der Auffassung, dass sie mit ihrer harten Arbeit in der freien Marktwirtschaft noch mehr verdient hätten und durch die Sozialpolitik eher zu kurz kämen. Interessanterweise haben 37 Prozent der FDP-Wähler Abstiegsangst, womit sie den Linkswählern (im Osten) nahe stehen.
Kulturelle Verachtung
Durch die klimapolitische Untätigkeit der GroKo ist das Ökologische zur Privatsache geworden und damit zu einem moralisierten Bürgerkrieg im Bürgertum. Weil staatliche Rahmenbedingungen fehlen, in der jeder ökologisches Verhalten und Eigenutz verbinden kann, herrscht eine kulturelle Verachtung zwischen Heuchlern (Grüne) und Egoisten (FDP), zwischen verlogenen Lastenradfahrern und ehrlichen Porschefahrern.
In dem der Staat den Rahmen setzt, könnte der Konflikt auf unterer Ebene aufgelöst werden. Weil die Folgekosten der Klimaveränderung und Nicht-Einhaltung der Ziele teurer sind als die Umsetzung, dürfte der Sachzwang die Parteien zusammenbringen.
Staatsverständnis
Ein großer Unterschied liegt im diametralen Staatsverständnis von Grüne und FDP. Grüne haben sich zu einer staatsbejahenden Partei entwickelt, die den aktiven Staat als Notwendigkeit sieht, um Zukunftsprobleme zu bewältigen. Die FDP dagegen, ist der Auffassung, dass Steuersenkungen zu Wirtschaftswachstum und den richtigen Innovationen führen werden.
Jedoch kritisiert selbst die ökonomische Debatte inzwischen den untätigten Staat der Schulden vermeiden will. Staatdessen brauche es einen Staat mit Kapital und Plan um die ökologische Transformation umzusetzen. Dies ist keine ideologischer Gedanke mehr, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit.
Notizen aus DIE ZEIT N° 40, 30. September 2021
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