Wir haben’s selber probiert: 9 Tipps für dein nächstes Rebranding — Mit Checkliste (Teil 2)
Helga heissen wir seit 2024 — davor waren wir 15 Jahre lang Joinbox. Das Rebranding hat uns ein gutes Jahr lang begleitet.
Wir haben’s selber probiert: 9 Tipps für dein nächstes Rebranding — mit Checkliste (Teil 2/2)
Unsere Tipps 1–4 für dein nächstes Rebranding findest du im ersten Teil dieser Blogserie. Hier geht’s weiter mit Tipps 5–9 sowie unserer Rebranding-Checkliste.
5. Überrasche!
Wie lanciert man eine neue Marke?
Ganz leise? Ein Partner von uns hat das gemacht: Unterschwellig die E-Mail-Adressen gewechselt auf den neuen Namen. Gewartet. Und als niemand mehr überrascht war, eine neue Website lanciert.
Ganz gross? Mit Party und Fanfaren — das wäre für uns zu fest gegen Tipp 2 («Betrachte dich aus den Augen deiner Kunden») im ersten Teil dieser Blogserie gegangen.
Wir wählten den Mittelweg. Unsere Marke steht für Menschlichkeit, für Nähe; das bedingte für uns einen greifbaren, physischen Launch, positive Emotionen und eine fröhliche Überraschung.
[embed]Eine dezente, dezentrale Launch-Party für Kunden, Freunde, Familie: Aussen Joinbox, innen Helga.
Wir verschickten 330 Tischbomben an Freunde, Kunden, Familie. Auf der Hülle unsere bisherige Geschichte: Woher kommen wir, wieso wechseln wir? Und im Innern der neue Brand — Karten mit einer kurzen Erläuterung, Konfetti und Tröten in Helga-Farben, Stickers, eine Einladung zum Sommerfest und ein Link zu einem Gästebuch.
Die Reaktion: 24 Gästebucheinträge — ein Rücklauf von 7% — fast alle mit Video. Und unzählige persönliche Nachrichten.

Die Marke auf den Punkt gebracht: ein direkter Draht für die aktivsten Kunden.
Unseren aktivsten Kunden sendeten wir einige Wochen vor dem Launch ein Telefon. Kiloschwer, vandalensicher, helgablau — noch ohne die neue Marke. Mit SIM-Karte und Akku. Heben sie den Hörer ab, klingelt es bei uns. Die Nachricht? Die neue Marke steht für Nähe, deswegen: «Ein direkter Draht. Hörer abnehmen — und bei uns klingelts. Hello, Hel… lo?»
Hat das Spass gemacht? Gewaltig. War’s aufwändig? Noch viel gewaltiger. Sachen, die wir zum ersten Mal machen, dauern länger als geschätzt. Besonders, weil Probleme, die dabei aufkommen, noch gar nicht erkennbar sind. In diesem Fall beispielsweise: Dass wir selber lernen und einem chinesischen Ingenieur erläutern mussten, wie man 5 auf 12 Volt skaliert. Wenn du dazu nicht bereit bist: Wähle den leisen Weg.
6. Mach dir ein bisschen Stress
Wir wollten Helga im Herbst lancieren — es wurde Frühling: Kundenprojekte gehen immer vor. Deswegen haben wir nie einen Termin kommuniziert. Und Freunden trotzdem mal gesagt, dass etwas kommen wird: damit wir etwas Druck hatten, aber keinen unnötigen.
Vom ersten Kickoff bis zur Lancierung brauchten wir ein gutes Jahr. War die neue Marke da fertig? Keinesfalls. Wir entschieden uns bewusst, das Rebranding zu kommunizieren, als die relevanten Teile (insb. Website und Ads) besser waren als die heutige Lösung. Mehr wäre zu viel — und vielleicht endlos.
7. Fokussiere auf Weniges
Deine Marke definiert deinen Auftritt — Inserate, Social Media, Website. Uns war wichtig, die Menschlichkeit von Helga auf diesen Kanälen konsequent zu kommunizieren. Bei der Website haben wir dazu folgende Massnahmen gewählt:
- Videos* statt Bilder: Meistens stellt unsere Website den ersten Kontakt zwischen Kunden und uns her. Je nahbarer wir auf der Website wirken, desto geringer ist die Kontakthürde. Deswegen zeigen wir das Team bildhaft: Gesichter, Büro, Alltag. Auch beim Grillen, beim Mittagessen und Kaffeetrinken. Ganz menschlich eben. Und lebendig: als Video (ohne Ton, Autoplay) statt als statisches Bild. Weil User damit — virtuell — bereits in unserem Büro waren, bevor sie das erste Mal anrufen.
[embed]Ein Team, das dank Videos lebt: Zugänglich und fast greifbar nah.
-
Prägnante Texte: Wir haben jedes einzelne Wort entfernt, das nicht zwingend war und dabei versucht, alles auf den Punkt zu bringen, Aussagen mit Charakter und Prägnanz zu schaffen. Inhalte für Menschen, nicht für Suchmaschinen. Auch, um unserer menschlichen Marke gerecht zu werden.
-
Illustrationen: Wo viel Text zusammenkommt, haben wir Aussagen mit Illustrationen unterstrichen. Diese zeigen fast immer etwas Menschliches, Fröhliches — und lockern die Seiten bewusst auf.
-
Interaktive Interaktionen: Zwischen dir und deinem Computer befindet sich häufig eine Maus, welche die direkte Verbindung zwischen User und Website kappt. Relevante Buttons und Links kommen dem Maus-Cursor bei helga.ch dreidimensional entgegen, um dieses Gefühl einer direkten Verbindung zwischen dir und der Website — und damit letztlich uns — wiederherzustellen.
[embed]Schaltflächen, die auf die Interaktionen von Usern eingehen.
- Letztlich brauchen wir eine extrem stark reduzierte Farbpalette: Jene der allerersten Internetseite, die 1993 online ging — um bei allem Menschlichen auch ein Flair für Technologisches durchscheinen zu lassen.

Als Digitalagentur übernimmt Helga die Farbpalette der ersten Website von 1993.
- Wir hätten’s nicht besser treffen können: In unserem Fall Markus von Honeybeach.
8. Zieh’s durch
Wir haben einen klaren Plan für die Lancierung erstellt und diesen durchgezogen; das braucht Ausdauer und verursacht Arbeit — während Wochen:
- Die neue Website ging online mit einem Banner, dass Joinbox neu Helga sei, und einem Menueintrag zu einer kurzen Erläuterung.

Hinweis zum neuen Brand während der Launch-Phase (auf helga.ch).
-
Die alte Website blieb eine Zeit lang erreichbar, um bisherigen Usern einen sanften Übergang zu ermöglichen.
-
Nach einigen Tagen leiteten wir alle Besucher von joinbox.com auf helga.ch weiter — und stellten mit Redirects sicher, dass sie auf der richtigen Seite landeten (joinbox.com/referenzen wurde beispielsweise zu helga.ch/projekte).
-
Nach vier Wochen entfernten wir auf der neuen Website den Menueintrag zum Markenwechsel.
-
Nach vier weiteren Wochen entfernten wir auch den Banner.
Und dann ist da noch der grosse Rattenschwanz: Beschriftungen, Rechtliches, Vorlagen. Wir haben geplant, was gut planbar war — den Rest (z.B. alle Logins) ändern wir konsequent, sobald uns auffällt, dass etwas noch «Joinbox» heisst. Es wird Jahre dauern.
Damit dir das Ganze etwas einfacher fällt: **Hier unsere Checkliste**.
9. Nimm deine Marke nicht zu ernst
Ein gutes Logo ist einfach wiedererkennbar: Es braucht kaum Vorschriften, wie man es verwenden darf (insbesondere nicht, solange primär du’s einsetzt).

Apple hat sein Logo für einen Event vom 30. Oktober 2018 verschieden interpretiert — unerwartet und doch wiedererkennbar. (Quelle: The Verge)
Helga soll fröhlich sein. Das bedingt Lockerheit, Überraschung. Wir ordnen die einzelnen Buchstaben deswegen in Logovariationen immer wieder neu an. Und schaffen auch zukünftig neue Variationen: unsere Marke soll leben.
[embed]Das Helga-Logo darf — ja, es soll laufend neu — interpretiert werden.
Checkliste
Was wir wann erledigt haben und wie lange das dauerte, verrät dir unsere **Rebranding-Checkliste.**
메타데이터
- post_id
- ca623b8ea75f
- slug
- wir-habens-selber-probiert-9-tipps-für-dein-nächstes-rebranding-mit-checkliste-teil-2-ca623b8ea75f
- url
- https://blog.helga.ch/wir-habens-selber-probiert-9-tipps-f%C3%BCr-dein-n%C3%A4chstes-rebranding-mit-checkliste-teil-2-ca623b8ea75f
- canonical_url
- https://blog.helga.ch/wir-habens-selber-probiert-9-tipps-f%C3%BCr-dein-n%C3%A4chstes-rebranding-mit-checkliste-teil-2-ca623b8ea75f
- author_url
- https://medium.com/@felix_helga
- status
- ok
- fetched_at
- 2026-08-06 18:23:11